Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 9.1912

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DER KUNSTMARKT

NEUIGKEITEN VOM KUNSTMARKTE

Berlin. Mit zwei charakteristischen Münchener Ge-
mäldesammlungen kommt Mitte April in dem neuen Kunst-
auktionshaus Gebrüder Heilbron, Berlin, Zimmerstraße 13,
der künstlerische Nachlaß von Reinhold Begas zur
Versteigerung. Es ist nicht der »Denkmal-Begas«, der in
dieser reichen, bildnerischen Hinterlassenschaft das Werk
seines Lebens zeigt, sondern der junge Künstler, römischer
Eindrücke voll, und der Altmeister, aus dessen großen
Händen eine Kleinplastik von reizvollster Erfindung und
impressionistischer Belebung hervorgeht Da sind die
Gruppen, die ihm jenseits seiner öffentlichen Monumente
das Gedächtnis sichern; die antiken Szenen, in denen sich
Hellenismus in harmonisch gelöstem Widerspruch mit ba-
rock belebten Flächen und von Rokokogeist erfüllten Be-
wegungen vereint, und — eine Überraschung für Gegner
und Freunde! — die letzten Werke seiner Hand, »Kain
und Abel«, »Adam und Eva«, nicht ganz vollendet, in Idee
und Ausführung so modern, die harte Bronze so malerisch
aufgelockert behandelnd, daß der tote Akademiker plötzlich
zum Leben eines originell-freien Künstlers erwacht. Zwi-
schen solcher impressionistischen, barock-antikischen Plastik
steht etwa die klassisch reine, vollendete Figur eines


Brunnenknaben mit erhobenen Armen, in dessen organi-
scher Durchbildung sich ein fünfzigjähriges Studium in
schlackenlose Kunst auflöst. Nun erscheint es wie Ge-
rechtigkeit, daß sein Nachlaß nur den wahren Künstler
zeigt, den Künstler, der ein Meister des Frauenkörpers
war, des Kinderkörpers, der in höchster Vollendung
zartes Fleisch und glatte Haut in Marmor und Bronze aus-
zudrücken vermochte und Figuren beseelte, in denen er
leben wird. — Aus den Sammlungen der Münchener
Karl Eichinger und Alfons Spring, des Malers, kommen
die besten Bilder auf der gleichen Auktion unter den
Hammer. Sammlungen, die nicht durch sensationelle Einzel-
stücke bestechen, sondern durch ein gleichmäßig hohes
Niveau ausgezeichnet sind; sie wirken nicht nur durch
Namen, sondern auch durch Kunst. Sollen Namen genannt
werden, so stehe da: Leibi mit einem köstlichen Porträt;
Lenbach, der mit einem Bilde der Gräfin Moltke malerisch
exzelliert, wie er da ein blaues Kleid zu gelben Haaren
stimmt; ein Trübner, der derb und prägnant ein Bauern-
mädel skizziert; ein kleiner Gebirgssee des alten Rottmann,
herrlich erhalten, voll Luft und Tiefe; ein guter alter Sperl
mit vorzüglicher Lichtführung. Und eine Überraschung
dürften schließlich die Bilder Springs selber werden: Bauern-
szenen, Bauernbildnisse von eindringlicher Charakteristik,
liebevolle Durcharbeitung, die sich in dem Bilde einer
betenden Bäuerin zu Leiblscher Größe der Auffassung und
Durchbildung steigern. (Kurt Münzer.)

New York. Ende April wird in New York wieder eine
große Sammlung versteigert werden, nämlich die an Selten-
heiten reiche Kollektion von J. Hampden Robb, einem fein-
sinnigen Sammler, der auf zahlreichen Reisen seine Schätze
in Europa zusammengebracht hat. Sie ist besonders reich
an seltenen und schönen Webereien und gleicht in dieser
Hinsicht den berühmten Marquand-und Yerkes-Kollektionen.
Es finden sich u. a. dreißig Paneele, flämische und französi-
sche gotische Arbeiten, desgleichen feine Stücke aus späterer
Zeit. Unter anderm kommt eine Serie von fünf aus dem
17. Jahrhundert stammender Gobelins vor, »L’Enfant de
France« nach Zeichnungen von Coypel. Daran schließen
sich Stücke nach Watteau und Francois Huet. Unter den
Gemälden sind eine Anzahl, die berühmten alten Meistern
zugeschrieben werden, wie Rubens, Snyders; van Dyck ist
vertreten mit einem Porträt seiner Frau und dem Porträt
eines Herrn; Qreuze mit dem Porträt seiner Tochter, Ange-
lika Kauffmann mit »Diana und Nymphen«, Joseph Vernet
mit »Terni« und »Tivoli«. Reich ist auch die Abteilung
alter Möbel, das alte Porzellan und schließlich die Bibliothek.
In letzterer befindet sich eine außergewöhnliche Sammlung
Porträts französischer Dramatiker, englische Werke mit Ar-
beiten von Rowlandson, überhaupt Werke über die Ge-
schichte des Theaters von den Zeiten Shakespeares bis
zur Jetztzeit. Eine solche Bibliothek ist in den Vereinigten
Staaten noch nicht versteigert worden, die berühmte Daly
Library nicht ausgenommen. Auch Bücher berühmter Pro-
venienz sind reichlich vorhanden. Mehr als 200 Bände
repräsentieren die Entwicklung der französischen Buchkunst,
andere wieder behandeln die Geschichte der Karikatur. Die
Verwaltung der Auktion liegt in den Händen der »American
Art Association« in New York.

Albrecht Dürer. Von Melchior Lorch. 1550. (Aus dem reichhaltigen
Dürer-Katalog mit Preisen der Firma O. Heß in München, Briennerstr. 9)
(siehe Seite 238)
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