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— 7ö —

Werke der Barmherzigkeit“, Hobbemas große
„Landschaft mit der Wassermühle“ und hervor-
ragende Stücke von Don, Pieter de Hooch, Adriaen
van Ostade, Nicolas Maes und vielen anderen.
Der Wert aller Bilder der Sammlung liegt neben
ihrer hohen künstlerischen Qualität und der vor-
trefflichen Erhaltung auch in der guten Beglau-
bigung der Echtheit, die fast ein jedes aufweisen
kann. Von anderer Seite wird gemeldet, daß
man die schöne Sammlung gern dem Lande er-
halten will und eine Sammlung veranstaltet hat,
für die holländische Kunstfreunde bedeutende
Summen gezeichnet haben.
Personalien.
Die. Wahl Prof. Ludwig Manzels zum Prä-
sidenten der Akademie der Künste für das Jahr
vom i. Oktober 1912 bis dahin 1913 hat die
königliche Bestätigung erhalten.
Alma - Tadema Der englische Maler Sir
Laurence Alma-Tadema, der sich in Wiesbaden
seit einiger Zeit zur Kur aufhielt, ist kürzlich im
Alter von 76 Jahren gestorben.
Dr. Hans von der Gabelentz-Linsingen, Direk-
tor der großherzoglichen Museen in Weimar, hat
seine Entlassung eingereicht, weil er einem Rufe
als Nachfolger von Prof. Dr. Brockhaus an das
deutsche kunsthistorische Institut in
Florenz Folge leistet. In seinem bisherigen
Amte war er der Nachfolger Dr. Kötschaus, des
gegenwärtigen Direktors des Kaiser - Friedrich-
ö Ö Ö
Museums in Berlin.
Vermischtes.
Staatsankäufe auf der Großen Berliner Kunst-
ausstellung. Die Ausstellungskommission hat
satzungsgemäß aus den Überschüssen eine Reihe
Kunstwerke angekauft, die nach Schluß der Aus-
stellung dem Kultusminister zur Abgabe an staat-
liche Sammlungen überwiesen werden. Es sind
dies vier Ölgemälde: eines von Louis Kolitz
(es wurde in Heft 6 der „Kunstwelt“ veröffent-
licht), ein Landschaftsbild aus dem Fuldatal,
dann ein Werk von Professor Rudolf Schulte
im Hofe, ein sonniger Winkel aus seiner Woh-
nung, ein Bild aus dem sogenannten Sturmflut-
zyklus von Hans Hartig, „Am anderen Morgen“
betitelt, und ein Werk von Hans Klohß, dem
in Stargard in Mecklenburg lebenden Maler, ein
Kl ein stadtmarktpl atz.
Die Nationalgalerie hat, wie gemeldet wird,
von der Großen Kunstausstellung Max Essers
„Perlhuhn“ angekauft. Es ist das einzige Werk,
welches die Nationalgalerie erworben hat, eine
Abbildung davon wird das nächste Heft der
„Kunstwelt“ bringen.
Was Onkel Sam für ausländische Kunst aus-
gibt. Unter dieser Spitzmarke berichtet die
„Frankfurter Zeitung“ über die bedeutenden Auf-

wendungen amerikanischer Kunstfreunde, die in
die Taschen europäischer Kunsthändler, aber auch
der Künstler fließen. Die Gesamtsumme, die in
der Union im Jahre 1911 für fremde Kunst-
werke ausgegeben wurde, beläuft sich nach der
Statistik des Zolldepartements der Vereinigten
Staaten auf die ungeheure Summe von 40 Mill.
Dollars. Im Vorjahre hatte man „nur“ 22V2 Mill.
Dollar aufgewendet. Freilich wird dieser Betrag
durch die Ausgaben der Amerikaner für bloße
Luxusgegenstände noch übertroffen. So beträgt
die für Juwelen ausgegebene Summe 41 Mill.
Dollar und die für Spitzen und andere Toilette-
sachen 44 Mill. Dollar. Aber wenn die 40 Mil-
lionen wirklich für bedeutende Kunstwerke aus-
gegeben worden wären, dann müßte Amerika
bereits ein wahres Kunstparadies sein. Dies ist
jedoch, wie der „Cicerone“ schreibt, nicht der
Fall. Die eingeführten Kunstwerke sind zum
großen Teil Nachahmungen und wertlose Export-
ware, sodaß sich sogar die Zeitungen genötigt
sehen, zu Beginn der großen Reisezeit, der jähr-
lichen Völkerwanderung aller wohlhabenden
Yankees, vor den vielen Kunstfälschungen zu
warnen und ihren Lesern Anleitung zu geben,
wie man sich vor Schaden hüten könne. Den
größten Schund bringen die Amerikaner, die ja
ihre Ferien jetzt in allen Weltteilen zuzubringen
pflegen, aus dem Orient, aus Japan und China
mit. Um dieser Gefahr zu steuern, greift man
sogar zu offiziellen Warnungen. Eine solche
veröffentlicht z. B. der amerikanische Konsul in
Hongkong, indem er seinen China besuchenden
Landsleuten dringend ans Herz legt, nur bei
akkreditierten Firmen zu kaufen, und er führt
an, daß sich in Hongkong im letzten Jahre kurz
vor Beginn der großen Reisesaison sieben große
Läden aufgetan haben, die statt angeblicher Anti-
quitäten nur Nachahmungen führten und damit
bei den Yankees ein geradezu glänzendes Geschäft
machen. Erst jüngst hat Geheimrat Wilhelm
Bode aus den Erfahurngen seiner amerikanischen
Reise hervorgehoben, wie vorsichtig die großen
Sammler der Vereinigten Staaten zu Werke gehen
und wie die Multimillionäre sich die denkbar
größte Sicherheit verschaffen, um nur echte Werke
zu erhalten. Unter der großen Menge der ame-
rikanischen Kunstsammler ist aber von solcher
Vorsicht nichts zu spüren; sie lassen sich nur
allzu gern vom schönen Scheine blenden.

Redaktionelle Bemerkung. Die im letzten
Hefte der „Kunstnachrichten“ wiedergegebenen
beiden Notizen „Fabrik alter Meister in Osaka“
und „Die Sittlichkeit in Hagen“ sind der „Vos-
sischen Zeitung“ entnommen worden, was wir
noch nachträglich zur Kenntnis unserer Leser
bringen möchten. Die Schriftleitung.

Alle Zuschriften sind zu richten an den Verlag Weise & Co., Berlin W.62

Druck Krey und Sommeriad, Niedersedlitz - Dresden.
 
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