Kunstpreis-Verzeichnis: Auktionsergebnisse vom 1.7.1941 - 30.6.1942 — 3.1941-1942 (1944)

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Bemerkungen zum Kunstmarkt

Wenn man versuchen wollte, aus dem umfänglichen, in
diesem Bande vereinten Zahlenmaterial sich ein Gesamt-
bild der Situation am gegenwärtigen europäischen Kunst-
markt zu bilderf, so möchte ein solches Unterfangen äußerst
schwierig erscheinen, wenn man nicht bedenkt, ein wie
großer Teil des Umschichtungsprozesses des Kunstfeesitzes
nicht auf öffentlicher Versteigerung, sondern unter vier
Augen in den stillen Räumen der Kunsthandlungen sich
vollzieht. Und gerade im Verhältnis von Kunsthandel und
Kunstauktion kann man sich in den letzten Jahren immer
stärker eine Tatsache abzeichnen sehen: daß nämlich große
Meisterwerke, wenn sie nicht gerade im Verband einer ge-
schlossen durch Auktion auf den Markt kommenden Samm-
lung angeboten werden, immer seltener auf öffentlichen
Versteigerungen erscheinen. Dagegen wächst hier das An-
gebot mittlerer Werte, die ohne Zweifel im Laufe der
letzten Jahre eine beträchtlich ansteigende Preiskurve auf-
zuweisen haben. Dies hängt natürlich damit zusammen,
daß in ganz Europa durch die Verknappung gewisser
Warengattungen und überschüssige Kaufkraft das Sammeln
von wirklichen oder vermeintlichen Kunstwerten sich auch
auf Kreise zu erstrecken beginnt, die bisher solcher Be-
tätigung nicht geneigt waren. Es hat sich aber jetzt auch
bereits deutlich herausgestellt, daß diese Preiskurve mit
irgendwelchen inflationistischen Tendenzen nichts zu tun
hat, ja, daß das bisweilen beobachtete jähe Ansteigen ebenso
rasch und ohne Einwirkungen von außen auch wieder ge-
hemmt wurde, also keine gleichmäßige Bewegung in die
Unendlichkeit darstellt.

Wieweit bei einer solchen Entwicklung modische Strö-
mungen mitspielen, ist schwer generell festzustellen. Klar
zeichnen sich die Kunstgebiete ab, denen das besondere
Interesse des Publikums gilt: Holländer des 17. Jahrhun-
derts, deutsche Malerei der Romantik und des Realismus

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