Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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den Jüngsten gehören noch, äußerst verschiedenartig, der
feinfingrige Gottofrey, der zart-ekstatische de Ri-
baupierre,3) der massive, skulpturale, legendenhafte
R e y m o n d.

* *

*

Ein unverkennbarer Zug zum Breiten, Mittagsstillen,
bäuerlich zugleich Farbenfreudigen und Besonnenen, ein
eminenter ursprünglicher und durch den Protestantismus
gar nicht so sehr wie manche Neurömer sagen verkühlter
Schmucksinn geht durch die gesamte Malerei des Waadt-
landes, gleichviel ob die Maler dieser oder jener Rich-
tung folgen, gleichviel, ob sie den getreidegoldenen,

3) Dieser hat sich schon vor dem Krieg in Elberfeld als
Freskomaler betätigt.

waldumdunkelten und weidegrünen Ebenen des Gros de
Vaud oder dem Weingebirg dem See nach angehören.
Nur in ihren peripherischen Werken sind ein Vallot-
ton, ein Burnand, ein Ri bau pierre als „pro-
testantisch“ anzusprechen. Der ererbte Protestantismus
hindert im Zentrum weder sie noch so viel andre, sinn-
lich südlich, schöpferisch zu sein. Auch die Geschichte
der Malerei im Waadtland, das neunzehnte Jahrhundert
hindurch bis heute, ergibt, wie die Dichtung, ein er-
quickendes Bild, ein Bild voller Persönlichkeit und Per-
sönlichkeiten. Gleyre — Bocion — Vallotton —
Hermenjat — Auberjonois — Bosshard
ist eine bedeutsame und verheißungsvolle Reihe. Wer
da mag, kann sie im Waadtländer Museum
nacherleben und es im Geist umordnen.

A. Meldolla
Schiavone. Art.
Saulus auf dem Wege
nach Damaskus

Rudolph Lepkes
Kunstauktionshaus,
Berlin

Das Tbteme(cbe Allgemeine Lexikon dev Bildenden

Künftlet?

uon

Hans UX Singet?

it dem ominösen 13. Band, —der das Unternehmen
* ’ * bis zum Meister Gibus führt,— ist dieses pracht-
volle Werk sicherem Vernehmen nach zunächst einmal
über die Kriegsnöte hinaus, und das mag die Veranlassung
sein, auch auf den Seiten des „Kunstwanderers“
nochmals ganz besonders auf die monumentale Ver-
öffentlichung hinzuweisen.

Wir sind nicht, wie auf so vielen anderen Gebieten,
die Pioniere, auf dem Gebiet des Künstlerlexikons. Aber
wie die anderen z. B. auf manchem technischen Felde
unsere ersten Erfinder in Vergessenheit geraten ließen,
so haben wir auf lexikalischem die fremdländischen
Pioniere weit überflügelt. Denkt man an das allgemeine

Konversationslexikon, so braucht man nur den Namen
Brockhaus zu erwähnen: und was für eine unbefriedigende,
ja klägliche Leistung ist die neueste, zehnte „Times“-
Auflage der großen Encyclopedia Britannica gegenüber
unserem „großen“ Meyer.

Insbesondere was das Künstlerlexikon anbelangt,
können die anderen Länder mit uns gar nicht in Wett-
bewerb eintreten. In den Jahren 1835 bis 1852 schuf
ein einziger Mann, der Münchener Dr. Georg Kaspar
Nagler, eine der staunenswertesten literatischen Leistungen,
die die Weltgeschichte überhaupt zu verzeichnen hat.
Sein Künstlerlexikon umfaßt 22 Bände mit 12 507 eng-
gedruckten Seiten. Nagler war sozusagen eigentlich

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