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Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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2. Januarheft
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Schmitz, Hermann: Die Pflege der deutschen Kirchenschätze
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https://doi.org/10.11588/diglit.27814#0208

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hohen Stilgefühl, das diesen Schöpfungen eigentümlich
ist, angeregt werden.

Wie die Residenzschlösser infolge unserer Ver-
fassungsänderung der Öffentlichkeit nutzbar gemacht
werden — es ist das auf der Plusseite der Revolution
zu verzeichnen — so verlangen auch die Kirchenschätze
gebieterisch eine dem Wandel der Zeit gemäße Be-
handlung. Die Geistlichkeit muß sich ihrer hohen
Aufgabe als Hüterin dieser Kunstwerte, die zu den
bedeutendsten Schätzen der Nation gehören, bewußt
werden. Da sie selbst allzu sehr mit den religiösen
und sozialen Arbeiten, die die Gegenwart von ihr
verlangt, belastet ist, so muß sie geschulte Fachleute
heranziehen, die die Ordnung, Aufstellung, Sicherung
und Bearbeitung der Schätze übernehmen. Die
Provinzialkonservatoren, die Museumsdirektoren und
-beamten würden sich dieser Aufgabe mit Hingebung
unterziehen, ohne das die Eigentumsrechte der Kirche
Schaden leiden würden. Auch die Veröffentlichung der
Schätze, vielleicht nach einheitlichem Plane, würde von
ihnen durchgeführt werden können. Die Publikation
des Bamberger Domschatzes von Bassermann-Jordan
und Schmid, die im ersten Kriegsjahre erschien, beweist,
was die Wissenschaft aus solchem Stoff herausholen
kann und herausholen muß. Gerade die Kirchenschätze,
deren Geschichte so eng mit der Heiligen- und
Reliquienverehrung verknüpft ist, verlangen eine kritische
und historische Behandlung, und dürfen sich nicht mit
der legendenhaften Überlieferung begnügen, wenn die
Bearbeitung Anspruch auf Ernsthaftigkeit machen will.

Natürlich wäre die von Bode geforderte Arbeit, wie
dies von ihm selbst schon angedeutet wird, mit der
größten Pietät in Angriff zu nehmen. Zumal wären die

Schätze und Heiligtümer der katholischen Kirchen mit
geziemender Rücksichtnahme auf die Würde, die ihnen
durch die Kanonisation zukommt, zu behandeln. Im
Allgemeinen ist ja schon deshalb bei der katholischen
Geistlichkeit ein lebendigeres innigeres Verhältnis zu den
Reliquienschätzen hergebracht. Wo solche mit der
tausendjährigen Geschichte der Stadt oder des Stiftes
verbundene Reliquien in den Prozessionen mitgeführt
werden, wie in Aachen, in Köln, in Bamberg und auf
der Reichenau, da ist ihre ehrwürdige Stellung in dem
öffentlichen Leben von selbst gesichert. Aber die
künstlerische und kunstgeschichtliche Bedeutung ist auch
dort der Allgemeinheit und selbst der Geistlichkeit oft
genug nicht genügend bewußt. Die ungemein wichtige
Aufgabe der Verbesserung des kirchlichen Kunst-Hand-
werks der Gegenwart, der eine Reihe tüchtiger Zeit-
schriften, voran die von dem Domkapitular Schnütgen
begründete, von Dr. Witte geleitete Zeitschrift für
christliche Kunst mit Eifer dienen, würde durch
stärkere Fruchtbarmachung der Kirchenschätze gewiß
reiche Förderung erfahren. Es wäre freudig zu begrüßen,
wenn diese Zeitschriften den Bodeschen Vorschlägen
näher treten und ihre Ausführbarkeit im Einzelnen
erörtern würden. Besonders erfreulich wäre es, wenn
die hohe katholische Geistlichkeit, die ein so offenes
Herz für die nationalen Aufgaben der Gegenwart hat,
den Bodeschen Gedanken ihre Aufmerksamkeit schenken
würde. Vielleicht ließen sich allgemeine Grundlinien für
die Ausführung auf der nächsten Bischofskonferenz
erörtern. Auf der protestantischen Seite wären wohl die
Konsistorien und die Generalsynoden die geeigneten
Instanzen. Hier muß es genügen, auf die Sache selbst
hingewiesen zu haben.

L. Cranach,

Das große Turnier

Auktion bei R. W. P.
de Vries, Amsterdam

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