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Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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1. Juliheft
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Weinitz, Franz: Der Bildhauer Alexander Trippel und seine Arbeiten in Arolsen und Weimar
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https://doi.org/10.11588/diglit.27814#0436

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A. Trippei Goethe

Residenzschloß in Arolsen

1. März 1787 aus Neapel über ihr Zusammentreffen. Man
verstand sich und der Prinz, den der Dichter in seinen
Briefen, nicht ganz zutreffend, Fürst von Waldeck tituliert,
beschloß den Bildhauer Alexander Trippei, der i. J. 1776
nach Rom gekommen, seitdem dort tätig war, zu be-
auftragen Goethes Büste anzufertigen. Zum erstenmale
teilt das der Dichter unter dem 23. August in Kürze so
mit: Es wird meine Büste gemacht, und das hat mir

drei Morgen dieser Woche genommen. Eingehender

berichtet uns darüber sein Schreiben vom 28. August:

Hab ich dir schon gesagt, daß Trippei meine Büste

arbeitet? Der Fürst von Waldeck hat sie bei ihm bestellt.
Er ist schon meist fertig, und es macht ein gutes Ganze.
Sie ist in einem sehr soliden Stil gearbeitet. Wenn das
Modell fertig ist, wird er eine Gipsform darüber machen
und dann gleich den Marmor anfangen, welchen er dann
zuletzt nach dem Leben auszuarbeiten wünscht; denn
was sich in dieser Materie tun läßt, kann man in keiner
andern erreichen. Zuletzt hören wir von Goethe über
seine Büste unter dem 14. September folgendes: Meine
Büste ist sehr gut geraten; jedermann ist damit zufrieden.
Gewiß ist sie in einem schönen und edlen Stil gearbeitet,
und ich habe nichts dagegen, daß die Idee, als hätte ich
so ausgesehen, in der Welt bleibt. Sie wird nun gleich
in Marmor angefangen und zuletzt auch in den Marmor
nach der Natur gearbeitet. Der Transport ist so lästig,
sonst schickte ich gleich einen Abguß; vielleicht einmal
mit einem Schiffstransport . . .

Soweit des Dichters eigene Berichte über seine
Büste. Aber Trippei selbst spricht sich über sie und
die anderen Arbeiten aus in zwei Schreiben an den

Prinzen, die die fürstliche Hofbibliothek in Arolsen auf-
bewahrt. Der Künstler, der ein Wanderleben geführt, in
London, Kopenhagen und Paris gelebt hatte und nun
schon seit geraumer Zeit in Rom heimisch war, schreibt
in einem jämmerlichen Deutsch. Was er uns aber mit-
teilt, ist doch sehr beachtenswert und lehrreich.

Aus seinem ersten Schreiben, vom 18. November 1788,
erfahren wir, daß Goethes Büste damals in Marmor fertig-
gestellt war. Den weiteren Auftrag des Prinzen, Friedrichs
des Großen Büste anzufertigen, war der Künstler so weit
nachgekommen, daß er melden kann: Das Modell ist in
Gips fertig, alle Preußen, die hier sind, und die übrigen
Leute, die ihn im Leben gekannt haben, finden die Büste
außerordentlich gleich. Diese Ähnlichkeit wird ihm auch
von der Herzogin Witwe, Anna Amalia von Sachsen-
Weimar, die im Oktober 1788 in Rom eingetroffen war,
bestätigt. Aus Berlin war Trippei die Totenmaske des
Königs (höchstwahrscheinlich von Gottfried Schadow)
ziemlich spät zugeschickt worden. Daher sei die Ver-
zögerung in der Ausführung des Modells, die ihm sehr
leid tue, zu erklären. Dieser Tage habe er sie aber in
Marmor angefangen. Mit der Ausführung der Arbeit in
Marmor ging es aber doch nicht so rasch von statten.
Das zweite Schreiben Trippeis an den Prinzen (Rom,
den 25. April 1789) spricht davon, daß die Büste des
Königs in Zeit von ein paar Monaten fertig sein würde.
Wie bei der Büste Goethes lobt er auch hier die Güte
des von ihm verwendeten Marmors.

Aus diesem Schreiben erfahren wir nun aber weiter,
daß die Herzogin für ihren Sohn, den Herzog Karl August,
dem Trippei die Büste Goethes in Marmor gleichfalls in

A. Trippei Friedrich der Große

Residenzschloß in Arolsen

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