Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen — 2.1920/​21

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Vitrine mit Porzellanen Sammlung Dasch in Teplitz

kennen, das, wenn ich nicht irre, gleichfalls noch nicht publiziert
ist. Dasch, dem bei seinen Kunstwanderungen nichts verborgen
bleibt, erzählte mir von dieser Plastik und der Pfarrer Zechel in
Mariaschein hat sie mir dann gezeigt. Es handelt sich um einen
weißen sterbenden Franziscus, dem ein brauner Mann
(ein Inder?) die Hand küßt. Die Gruppe läßt die Kunst eines
ersten Meisters erkennen. Ob Kaendler der Vater ist, müßte
aber die Spezialforschung ergeben. Dieser Franziscus soll von
August dem Starken für die (auch sonst sehenswerte) Kirche von
Mariaschein gestiftet worden sein.

Nun möchte ich aber wieder zur Sammlung Dasch zurück-
kehren. Unter ihren reichen Meißener, Wiener und Hausmaler-
Tassen sind ganz köstliche Stücke. Aber auch die böhmischen
Tassen verdienten Beachtung. Daneben die Gläser (18. Jahr-
hundert und Biedermeier), dann die glitzernde Reihe der Taschen-
uhren und Bijoux und die prächtige Sammlung alter Spitzen, die
besonders von der liebenswürdigen Hausfrau gehütet wird.

Eine vorzügliche prähistorische Sammlung, um deren Ent-
stehung sich auch Albert Dasch verdient gemacht hat, sieht man
im Museum von Teplitz. Es ist ein für eine Stadt von etwa
40 000 Einwohnern sehr achtbares Institut mit guten Beständen
an alten Porzellanen und Bieder meier-Gläsern. Schade nur, daß
man in manche Vitrinen so viel neuzeitlichen Kitsch hinein-
gestopft hat. Gute alte Porzellane, hauptsächlich Meißener, finden
wir dann in der Privatsammlung Ruß. Sehr geschmackvoll hat
Franz Bram sch jun. seine Plastiken, Gläser, Porzellane in die
mit soliden alten Bildern geschmückten Räume gestellt und sehr
anziehend ist die kleine Kollektion an Porzellanen und Gläsern
im Hause der Dasch-Kinder, bei Max Kann und Frau in Aujezd.
Doch auch sonst gibt es in Teplitz und Umgebung (Victor Freund
geht besonders auf Gläser aus) noch manchen klugen Sammler
des alten Kunstgewerbes.

Übrigens hat auch das moderne Kunstgewerbe in Teplitz
eine Heimstätte. In den Ausstellungssälen der Fachschule
für Keramik, durch die mich Direktor W i 11 e r t und Pro-
fessor Lode führten, merkt man den künstlerischen Ernst, mit
dem gearbeitet wird. Namentlich in der Tierplastik Gruppe
(Porzellan wie Fayence) fallen einige naturalistisch gelungene
Stücke auf. Die besten von ihnen werden in der tschechoslowa-
kischen Keramik-Ausstellung zu sehen sein, die im kommenden
Herbst in Prag veranstaltet werden soll.

Adolph Donath.

Die Konkavvenz fäv Öftet’ceicbs neue
Macken.

Man schreibt uns aus Wien: Der Wettbewerb um die Marken-
bilder für Österreich stand unter einem ungünstigen Stern. Diesmal
kann man der Regierung keinen Vorwurf machen, höchstens daß
das, wie ein hoher Museumsbeamter meinte, der erläuternde
Vortrag des Postdirektors Hoheisel nicht erst während der Ex-
position, sondern vorher die Künster ein wenig aufklären hätte
sollen. Publikum und Markensammler waren, hauptsächlich durch
den Einfluß der Letzteren, recht ärgerlich. Die ganze Sache
erinnerte ein wenig an die ersten angeblich expressionistischen
Marken, Bayerns letzte Serie, die bei ernsten Künstlern Beifall,
bei den Sammlern Erbitterung auslöste. In Wien war die Kon-
kurrenz äußerst zahlreich beschickt; doch hatten ersichtlich auch
ernste Künstler sich zu wenig über die Wesenheit und auch die
Werbekraft des Markenbildes orientiert. Nun, wenn das auch
ganz deutlich war, gerade der Vorwurf, daß die gebotene Kunst
nicht österreichisch war, trifft nicht. Sie war es, nur strebte sie
vielleicht zu hoch für ein Markenbild, das breiten Massen des
In- und Auslandes im ersten Moment gefallen muß. Und
so gerieten manche Künstler zusehr ins Dekorative, vergaßen an
den reinen Zweck oder ließen ihn vergessen.

Am meisten hatten die Preisträger, Löffler voran, zu leiden.
Der Fach-Pressefeldzug, der ein neues Ausschreiben forderte und
in einem künstlerisch gedruckten, mit Bildern versehenen Gegen-
flugblatt gipfelte, nahm Formen an, die es auch ganz zu vergessen
schienen, daß diese Konkurrenz ja die Erste bei uns gewesen ist.
Die Jury mit Josef Hoffmann wurde wütend angegriffen, Löffler
und Lichtblau mit Schmähungen bedeckt, letzterer ein „kleiner Moritz“
genannt. Dies in einem der ersten philatelistischen Blätter Wiens, das
damit wohl eine etwas bedenkliche Form der Kritik geübt hat.

Eins ist gewiß: Die gekrönten Entwürfe — sie wurden im
Österreichischen Museum ausgestellt — sind künstlerisch.
Sie beschreiten, vielleicht gerade mit Ausnahme von Löfflers
Bild, neue Wege der Markenkunst. Professor Löffler, hat einen
dekorativen Frauenkopf gezeichnet, der den Fehler hat, daß der
Haarschmuck zuviel Raum einnimmt. „Expressionismus“ ist das
aber schon gar nicht; so lautet nämlich der Sammelname für
diese Entwürfe bei der Gegenpartei. Ferdinand Andri hat eine
Zeichnung geliefert, die, ein wenig allzueinfach, eine von Blättern
umrahmte stilisierte Figur gibt. Die beiden richtigen Eilmarken
sind in ihrer lapidaren Darstellung klassisch, besonders die mit
dem Kometen, die gekrönt wurde. Dagegen hat man im Gegen-
satz zu Dachauers feinen Entwürfen Dr. Rudolf Jenck’s ganz ver-
gessen. Seine Zifferzeichnungen reihen sich würdig den Brief-
marken aus Österreichs monarchistischer Zeit an, unter denen des
Künstlers Arbeiten zu den feinten und wahrhaft dekorativen zählen.

Der übel zugerichtete Lichtblau hat etwas kühn und luftig
wirkende Sachen gebracht. Seine wie die meisten anderen Werke
haben eben den Fehler, daß sie, obwohl durchaus künstlerisch,
irgendwie die Beziehung zum Gegenstand verfehlen; sie sind zu
wenig „Marken“, man liest undeutliche Ziffern der Werte oder
schlecht sichtbar angebrachte Landesnamen, kurz, die Künstler
haben zu wenig die Geschichte des ihnen meist noch ferne
liegenden Bildes der Marke selbst studiert, wie der sonst sehr
feine Pechl. Außerdem fehlt entschieden der zündende Gedanke.
Wenn die Jury die Landschaftsbilder außeracht gelassen hat, so
wußte sie genau, was sie tat. Für den Fall, daß unser herrliches
Vaterland dem internationalen Publikum auf den Marken dar-

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