Donath, Adolph [Editor]
Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen
— 9./10.1927/28
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https://doi.org/10.11588/diglit.26239#0020
DOI issue:
1./2. Septemberheft
DOI article:Rohde, Alfred: Das Hamburgische Museum für Kunst und Gewerbe: zum 50. Jahre seines Bestehens, 25. September 1927
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Sevres-Bowle mit Deckel und Unterschüssel ge-
kauft, deren Beschriftungszettel noch heute berichtet,
daß sie die Keimzelle ist, aus der der stolze Baum
emporwuchs. 1874 ist die Sammlung in gemieteten
Räumen untergebracht, und 1877 ist sie schon so statt-
lich, daß der Hamburgische Staat sie übernimmt und
ihr Räume in dem neuen Schulgebäude am Stcintorplatz
zuwcist, wo sic sicli heute nocli befindct.
Justus Brinckmann hatte die dankbare Aufgabe,
n i c h t s zu übernehmen. Keine alten Bestände, keinc
schon bestehende, von Kunst- oder Altertumsfreunden
wahllos zusammengebrachte Sammlung beschwertc
seinen Weg, er kaufte sich s e i n Museum zusammen,
unterstützt von einer Ankaufskommission, die mit ihm
restlos mitging und ihm, auf seine Fachkenntnisse ver-
trauend, zum Heile des Museums die denkbar größte
Kauffreiheit licß.
Es liegt eine gewissc Tragik darin, daß die Menge
ihren Fiihrer mißverstand. Die Kunstgewerbemuseen
wurden in dem Augenblick volkstiimlich, als der kopie-
rende Historismus der 80er Jahre eine wirtschaftliche
Scheinbliite desKunstgewerbes erzeugte: jetzt schienen
die Kunstgewerbemuseen eine wirtschaftliche Aufgabe
zu haben. Nur der Fiihrer wurde schwankend. D e r
Zweig des Aufgabenkreises seiner Sammlung, Vor-
bilderanstalt zu sein, den Brinckmann immer nur als
eine Konzession an die Gegenwartsströmungen mit-
proklamiert hatte, war drauf und dran, den ganzen Bau
Thronende Göttin, Tonstatuette
Attisch, Mitte 5. Jahrh. v. Chr. Höhe 22 cm
Jubiläumsankauf
seines Planes in Hamburg aufkommen ließ, wurdc
Brinckmann doch nicht entmutigt. Und als er ver-
wandte Gedanken in den Kreisen der Patriotischen Ge-
sellschaft, die eine Kommission „zur Beschaffung eines
gewerblichen Museums aus privaten Mitteln“ einsetzte,
heranreifen sah, versuchte er liier auf die Entwicklung
Einfluß zu gewinnen. Der Aufruf dieser Kommissiou
von 1869 ist sein Werk. Die neue Anstalt sollte „durcli
Förderung der Fachbildung und Erweiterung der
Erwerbsfähigkeit den wirtschaftlichen Wohlstand der
gewerbetreibenden Bevölkerung licben“, das war das
Programm der Patriotischen Gesellschaft, aber sie
sollte auch, und das war B r i n c k m a n n s Ziel, ,,den
Sinn für das Zusammenwirken der freien Künste mit
dem gewerblichen Schaffen in allen Kreisen ueu be-
leben“. Im gleichen Jahre wurde cine blaugrünglasierte
I Iafnerkachel mit Madonna, vermutlich aus Halberstadt stammend
Anfang 16. Jahrh. Höhe 32 cm
Jubiläumsankauf
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kauft, deren Beschriftungszettel noch heute berichtet,
daß sie die Keimzelle ist, aus der der stolze Baum
emporwuchs. 1874 ist die Sammlung in gemieteten
Räumen untergebracht, und 1877 ist sie schon so statt-
lich, daß der Hamburgische Staat sie übernimmt und
ihr Räume in dem neuen Schulgebäude am Stcintorplatz
zuwcist, wo sic sicli heute nocli befindct.
Justus Brinckmann hatte die dankbare Aufgabe,
n i c h t s zu übernehmen. Keine alten Bestände, keinc
schon bestehende, von Kunst- oder Altertumsfreunden
wahllos zusammengebrachte Sammlung beschwertc
seinen Weg, er kaufte sich s e i n Museum zusammen,
unterstützt von einer Ankaufskommission, die mit ihm
restlos mitging und ihm, auf seine Fachkenntnisse ver-
trauend, zum Heile des Museums die denkbar größte
Kauffreiheit licß.
Es liegt eine gewissc Tragik darin, daß die Menge
ihren Fiihrer mißverstand. Die Kunstgewerbemuseen
wurden in dem Augenblick volkstiimlich, als der kopie-
rende Historismus der 80er Jahre eine wirtschaftliche
Scheinbliite desKunstgewerbes erzeugte: jetzt schienen
die Kunstgewerbemuseen eine wirtschaftliche Aufgabe
zu haben. Nur der Fiihrer wurde schwankend. D e r
Zweig des Aufgabenkreises seiner Sammlung, Vor-
bilderanstalt zu sein, den Brinckmann immer nur als
eine Konzession an die Gegenwartsströmungen mit-
proklamiert hatte, war drauf und dran, den ganzen Bau
Thronende Göttin, Tonstatuette
Attisch, Mitte 5. Jahrh. v. Chr. Höhe 22 cm
Jubiläumsankauf
seines Planes in Hamburg aufkommen ließ, wurdc
Brinckmann doch nicht entmutigt. Und als er ver-
wandte Gedanken in den Kreisen der Patriotischen Ge-
sellschaft, die eine Kommission „zur Beschaffung eines
gewerblichen Museums aus privaten Mitteln“ einsetzte,
heranreifen sah, versuchte er liier auf die Entwicklung
Einfluß zu gewinnen. Der Aufruf dieser Kommissiou
von 1869 ist sein Werk. Die neue Anstalt sollte „durcli
Förderung der Fachbildung und Erweiterung der
Erwerbsfähigkeit den wirtschaftlichen Wohlstand der
gewerbetreibenden Bevölkerung licben“, das war das
Programm der Patriotischen Gesellschaft, aber sie
sollte auch, und das war B r i n c k m a n n s Ziel, ,,den
Sinn für das Zusammenwirken der freien Künste mit
dem gewerblichen Schaffen in allen Kreisen ueu be-
leben“. Im gleichen Jahre wurde cine blaugrünglasierte
I Iafnerkachel mit Madonna, vermutlich aus Halberstadt stammend
Anfang 16. Jahrh. Höhe 32 cm
Jubiläumsankauf
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