seitdem mit mehr oder weniger Glück viel nachgeahm-
ler Museumstyp geschaffen werden.
Immer dringender war es unterdessen geworden,
für die pergamenischen 'Funde, fiir die Ausgrabungs-
beute aus Milet, Olympia, Priene und anderen Orten,
fiir die ägyptischen und mesopotamischen Sammlungen
und namentlich fiir den Zuwachs an Werken deutscher
Malerei und Plastik Raum zu schaffen. Die große
Museumsbaukonkurrenz von 1884 war ergebnislos ge-
blieben. Unter den 52 Entwürfen fanden sich dife toll-
sten Projekte, z. B. der Plan, die Stadtbahn mit einem
Museum zu iiberbauen und iiber ihr, 50 m hoch, den
Pergamonaltar aufzurichten, der wie eine Stadtkrone
Berlin beherrschen sollte.
Auch Alfred M e s s e 1, den B o d e 1907 als
Museumsarch'itekten gewann, hat sich lange damit ge-
quält, auf dem ungünstlgen Bauplatz alle in Bodes
Denkschrift vorgesehenen Gebäude unterzubringen.
Messels genialer Wurf war dann die Idee des großen
Dreiflügelbaues. Nach Messels allzu frühem Tode hat
sein Freund Lud'wiig Hoffmann das schwere Erbe
übernommen, die Museumsbauten auszuführen. Sie
lagern sich um einen nach Westen geöffneten Ehren-
hof, das sogenannte Museumsforum.
Das Problem der Neubauten ist das Problem der
Generationen. Die Generation uuserer Väter, die um
die Jahrhundertwende a-uf der Höhe ihres Lebens stan-
den, hat diese Bauten konzipiert und projektiert. Die
Generation der Söhne, die als Männer den Weltkrieg
mitgemacht haben, führte die Bauten der Vollendung zu
und nimmt sie in Benutzung. Aus diesem Gegensatz
ergeben sich manche inneren und äußereri Konflikte.
Wie vieles hat sich doch in den letzten dreißig Jahren
gewandelt! Politi'sche, wirtschaftliche, soziale Ver-
hältnisse, aber auch architektonische Ideale und
museale Methoden.
So sind die Museumsneubauten das Geschenk des
preußischen Staates an Deutschland und die Kultur-
welt zur Hundertjahrfeier seiner Museen, Denkmal und
Wiege zugleich. Denkmal einer großen Vergangen-
heit, deren wir in Ehrfurcht und mit Dankbarkeit ge-
denken, Wiege einer musealen Zukunft, auf die wir
hoffen und an die wir glauben.
In dieser Feierstunde sehen wir die musealen Dinge
in festlicher Beleuchtung. Daß darf aber nicht darüber
hinwegtäuschen, daß es in dem stolzen Aufbau der
Museen hier noch Lücken, dort schon brüchige Stellen
gibt. Freude und Sorge klingen lieute zusammen. Die
berechtigten Klagen einzelner Abteilungen, wie der
Aegyptischen, der Völkerkundlichen und Kultur-
geschichtlichen Sammlungen sollen von der Jubiläums-
rhetorik nicht erstickt werden. Es wäre feige und ver-
logen, Staatsregierung und Volksvertretung in der Hoff-
nung zu wiegen, sie würden nun für eine lange Weile
nichts mehr von uns hören. Aus der Tatsache, daß die
Museen sich hundert Jahre lang des besonderen Ver-
trauens der Staatsregierung erfreuen durften, schöpfen
wir vielmehr die Zuversicht, es mögen den Museen auch
nach ihrem Uebertritt in das zweite Jahrhundert ihrer
Geschichte die Mittel nicht versagt bleiben, zu werden,
was sie sind.
Wir wollen aber nicht in einen Fehler dieser für
Deutschland so schweren Zeit verfallen, nämlich wirt-
schaftliche Vorteile und Nachteile zu überschätzen und
die materielle Seite des Lebens überzubewerten.
Gerade die Geschichte der Museen erweist es, daß alle
Eroberungen zunächst in der Idee, dann erst in der
Wirklichkeit gcmacht worden sind und umgekehrt: man
verliert nichts, was man nicht bereits in der Seele
preisgegeben hätte. Preußen ist stes ein armer Staat
gewesen, Preußens Stolz aber ist es, daß seine Armut
imrner wieder schöpferisch geworden ist. Was auch
die Zukunft bringen mag, sie wird nichts ändern an der
Hingabe an unseren Beruf, an der Treue unserer
Staatsgesinnung und an der Liebe zu unserem Deut-
schen Vaterlande!
Konrad Witz
Der heilige Christophorus
Deutsches Museurn
Berlin
39
ler Museumstyp geschaffen werden.
Immer dringender war es unterdessen geworden,
für die pergamenischen 'Funde, fiir die Ausgrabungs-
beute aus Milet, Olympia, Priene und anderen Orten,
fiir die ägyptischen und mesopotamischen Sammlungen
und namentlich fiir den Zuwachs an Werken deutscher
Malerei und Plastik Raum zu schaffen. Die große
Museumsbaukonkurrenz von 1884 war ergebnislos ge-
blieben. Unter den 52 Entwürfen fanden sich dife toll-
sten Projekte, z. B. der Plan, die Stadtbahn mit einem
Museum zu iiberbauen und iiber ihr, 50 m hoch, den
Pergamonaltar aufzurichten, der wie eine Stadtkrone
Berlin beherrschen sollte.
Auch Alfred M e s s e 1, den B o d e 1907 als
Museumsarch'itekten gewann, hat sich lange damit ge-
quält, auf dem ungünstlgen Bauplatz alle in Bodes
Denkschrift vorgesehenen Gebäude unterzubringen.
Messels genialer Wurf war dann die Idee des großen
Dreiflügelbaues. Nach Messels allzu frühem Tode hat
sein Freund Lud'wiig Hoffmann das schwere Erbe
übernommen, die Museumsbauten auszuführen. Sie
lagern sich um einen nach Westen geöffneten Ehren-
hof, das sogenannte Museumsforum.
Das Problem der Neubauten ist das Problem der
Generationen. Die Generation uuserer Väter, die um
die Jahrhundertwende a-uf der Höhe ihres Lebens stan-
den, hat diese Bauten konzipiert und projektiert. Die
Generation der Söhne, die als Männer den Weltkrieg
mitgemacht haben, führte die Bauten der Vollendung zu
und nimmt sie in Benutzung. Aus diesem Gegensatz
ergeben sich manche inneren und äußereri Konflikte.
Wie vieles hat sich doch in den letzten dreißig Jahren
gewandelt! Politi'sche, wirtschaftliche, soziale Ver-
hältnisse, aber auch architektonische Ideale und
museale Methoden.
So sind die Museumsneubauten das Geschenk des
preußischen Staates an Deutschland und die Kultur-
welt zur Hundertjahrfeier seiner Museen, Denkmal und
Wiege zugleich. Denkmal einer großen Vergangen-
heit, deren wir in Ehrfurcht und mit Dankbarkeit ge-
denken, Wiege einer musealen Zukunft, auf die wir
hoffen und an die wir glauben.
In dieser Feierstunde sehen wir die musealen Dinge
in festlicher Beleuchtung. Daß darf aber nicht darüber
hinwegtäuschen, daß es in dem stolzen Aufbau der
Museen hier noch Lücken, dort schon brüchige Stellen
gibt. Freude und Sorge klingen lieute zusammen. Die
berechtigten Klagen einzelner Abteilungen, wie der
Aegyptischen, der Völkerkundlichen und Kultur-
geschichtlichen Sammlungen sollen von der Jubiläums-
rhetorik nicht erstickt werden. Es wäre feige und ver-
logen, Staatsregierung und Volksvertretung in der Hoff-
nung zu wiegen, sie würden nun für eine lange Weile
nichts mehr von uns hören. Aus der Tatsache, daß die
Museen sich hundert Jahre lang des besonderen Ver-
trauens der Staatsregierung erfreuen durften, schöpfen
wir vielmehr die Zuversicht, es mögen den Museen auch
nach ihrem Uebertritt in das zweite Jahrhundert ihrer
Geschichte die Mittel nicht versagt bleiben, zu werden,
was sie sind.
Wir wollen aber nicht in einen Fehler dieser für
Deutschland so schweren Zeit verfallen, nämlich wirt-
schaftliche Vorteile und Nachteile zu überschätzen und
die materielle Seite des Lebens überzubewerten.
Gerade die Geschichte der Museen erweist es, daß alle
Eroberungen zunächst in der Idee, dann erst in der
Wirklichkeit gcmacht worden sind und umgekehrt: man
verliert nichts, was man nicht bereits in der Seele
preisgegeben hätte. Preußen ist stes ein armer Staat
gewesen, Preußens Stolz aber ist es, daß seine Armut
imrner wieder schöpferisch geworden ist. Was auch
die Zukunft bringen mag, sie wird nichts ändern an der
Hingabe an unseren Beruf, an der Treue unserer
Staatsgesinnung und an der Liebe zu unserem Deut-
schen Vaterlande!
Konrad Witz
Der heilige Christophorus
Deutsches Museurn
Berlin
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