in den Stimmen der Presse etwas von Freude, wenn einmal ein
neues Werk von zweifellos genialem Wnrf aus dem Plan erscheint
und den eintönigen Verlauf der konventionellen Symphoniekonzerte
anregend unterbricht. Zum Glück ist diese Kunstverdrossenheit keine
allgemeine, die „Penthesilea" hat in Wahrheit viel mehr Begeiste-
rung erweckt, als aus den meisten Zeitnngen zu lesen, nein, selbst
zu ahnen war, und nicht wenige, die den jugendlichen Ueberschivang,
namentlich des dritten Teiles, just nicht als einen Vorzug empfinden,
wissen denen aufrichtigen Dank, die ihnen die Bekanntschaft eines fast
schon verschollenen Werkes vermitteln, das in der Entwicklung des
genialen Wiener Tonmeisters eine so wichtige Rolle spielt, das so
reich ist an charakteristischer, musikalischer Erfindung. Was der „Pen-
thesilea" gebricht, können heute hundert Musiker besser machen. Aber
das Temperament, die Phantasie, der Geist, die Anschaulichkeit,
die Erfindung, die darin zum Vorschein kommen, eigneten eben nur
einem: Hugo Wols. R. Batka.
I.ose ^lätler.
vicklungen von Leopolck Meber.
V o r b e m e r k u n g. Die nachfolgcndcn kleinen Dichtungcn möchten
wir zunächst einfach als I l l u st r a t i o n e n unseres heutigcn Leiters gcben,
als Beispiele aus dem Gebiete der Poesie für jene Gattung von Kunst, die
dort versucht wird, als „Phantasieknnst" zn umschreiben und der Teilnahme
unsrer Leser näher zu bringen. Es ist wohl kaum nötig zu betonen, daß
Weber, wenn er von der Gattung spricht, zu der auch diese seine Sachcn
hier gezählt sein wollen, damit in keiner Weise cin Urteil über ihren Wert
oder Unwert an sich abgeben will, ich meincrscits abcr freue mich, mit dem Ab-
druck dieser Proben eincn Versnch zn machen, wie weit wohl unser Volk
im Zeitalter Böcklins eine nahe verwandte nnd doch durchans eigenartige
poetische Schwesterkunst genießen mag, dercn Gabcn ich meinesteils außer-
ordentlich hochschätze. Jst ihnen doch so, wie wir gewvhnlich lesen, schlechter-
dings nicht, ist ihnen doch nur mit blutreich nachschaffender Phantasie bei-
zukommen, so daß sie in unserer Zeit, da die Phantasie „das Aschenbrödel
der Erziehung" ist, einer großen Menge von Gebildetcn vorläufig so ver-
schlossen bleiben müssen, wie dcm rettungslos Unmusikalischen das, waS
sich nicht anders als in Tönen sagen läßt.
Wir beginnen mit kleinen Bildern ans dcm Seelenlcbcn der Kindcr,
weil bei ihnen über die Brücke des nns allen bckannten Traummäßigcn
am leichtesten die Stelle gcfunden werden kann, die wcnigstcns eine crste
Ausschau ins Wunderland erlanbt. Jni „Hexenmeister Wastl" kommen wir
dann sozusagen mit Haut und Haaren in dicses Land hincin — wenn wir
überhaupt hineinkommen. Jch kann die Frcundc, dic das mit mir wollen,
nur inständig bitten: lassen wir all die verstandesmäßige Betrachtnng ein-
inal beiseit, die hier in Wahrheit cine wesensfrcmde Betrachtung von außen
her ist, vor allem die ironische Gescheitheit, die nns so überaus zutreffend
sagt, daß es solche Geister und Geistlcin, Hexenmeister und sonstige Teufe-
lcien ja gar nicht gibt, aber auch die nach „Jdeen" und „Moralen" nnd
„Satiren" fahndendc, — vcrsnchen wir viclmchr einmal schlechtwcg zn
schauen, nur zn schauen, und zwar zn schauen, wic etwa ein mittel-
14
Rnnstwart
neues Werk von zweifellos genialem Wnrf aus dem Plan erscheint
und den eintönigen Verlauf der konventionellen Symphoniekonzerte
anregend unterbricht. Zum Glück ist diese Kunstverdrossenheit keine
allgemeine, die „Penthesilea" hat in Wahrheit viel mehr Begeiste-
rung erweckt, als aus den meisten Zeitnngen zu lesen, nein, selbst
zu ahnen war, und nicht wenige, die den jugendlichen Ueberschivang,
namentlich des dritten Teiles, just nicht als einen Vorzug empfinden,
wissen denen aufrichtigen Dank, die ihnen die Bekanntschaft eines fast
schon verschollenen Werkes vermitteln, das in der Entwicklung des
genialen Wiener Tonmeisters eine so wichtige Rolle spielt, das so
reich ist an charakteristischer, musikalischer Erfindung. Was der „Pen-
thesilea" gebricht, können heute hundert Musiker besser machen. Aber
das Temperament, die Phantasie, der Geist, die Anschaulichkeit,
die Erfindung, die darin zum Vorschein kommen, eigneten eben nur
einem: Hugo Wols. R. Batka.
I.ose ^lätler.
vicklungen von Leopolck Meber.
V o r b e m e r k u n g. Die nachfolgcndcn kleinen Dichtungcn möchten
wir zunächst einfach als I l l u st r a t i o n e n unseres heutigcn Leiters gcben,
als Beispiele aus dem Gebiete der Poesie für jene Gattung von Kunst, die
dort versucht wird, als „Phantasieknnst" zn umschreiben und der Teilnahme
unsrer Leser näher zu bringen. Es ist wohl kaum nötig zu betonen, daß
Weber, wenn er von der Gattung spricht, zu der auch diese seine Sachcn
hier gezählt sein wollen, damit in keiner Weise cin Urteil über ihren Wert
oder Unwert an sich abgeben will, ich meincrscits abcr freue mich, mit dem Ab-
druck dieser Proben eincn Versnch zn machen, wie weit wohl unser Volk
im Zeitalter Böcklins eine nahe verwandte nnd doch durchans eigenartige
poetische Schwesterkunst genießen mag, dercn Gabcn ich meinesteils außer-
ordentlich hochschätze. Jst ihnen doch so, wie wir gewvhnlich lesen, schlechter-
dings nicht, ist ihnen doch nur mit blutreich nachschaffender Phantasie bei-
zukommen, so daß sie in unserer Zeit, da die Phantasie „das Aschenbrödel
der Erziehung" ist, einer großen Menge von Gebildetcn vorläufig so ver-
schlossen bleiben müssen, wie dcm rettungslos Unmusikalischen das, waS
sich nicht anders als in Tönen sagen läßt.
Wir beginnen mit kleinen Bildern ans dcm Seelenlcbcn der Kindcr,
weil bei ihnen über die Brücke des nns allen bckannten Traummäßigcn
am leichtesten die Stelle gcfunden werden kann, die wcnigstcns eine crste
Ausschau ins Wunderland erlanbt. Jni „Hexenmeister Wastl" kommen wir
dann sozusagen mit Haut und Haaren in dicses Land hincin — wenn wir
überhaupt hineinkommen. Jch kann die Frcundc, dic das mit mir wollen,
nur inständig bitten: lassen wir all die verstandesmäßige Betrachtnng ein-
inal beiseit, die hier in Wahrheit cine wesensfrcmde Betrachtung von außen
her ist, vor allem die ironische Gescheitheit, die nns so überaus zutreffend
sagt, daß es solche Geister und Geistlcin, Hexenmeister und sonstige Teufe-
lcien ja gar nicht gibt, aber auch die nach „Jdeen" und „Moralen" nnd
„Satiren" fahndendc, — vcrsnchen wir viclmchr einmal schlechtwcg zn
schauen, nur zn schauen, und zwar zn schauen, wic etwa ein mittel-
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