Die sich entwickelnde Wirtschaft formt einen neuen Typ von Wirtschaftern. Er ist noch
nicht rein vorhanden, aber der Schnitt seines Gesichtes ist schon erkennbar. Was ihn
vorn Wirtschastsmenschen der ablaufenden Epoche vor allem unterscheidet, ist dies: er
lädt sich freigewählte Bindungen auf, er fühlt sich frei in der Gebundenheit. Der
Gewinnsubjektivismus des Unternehmers alten Stils fehlt ihm völlig, er ist nicht
mehr Liberalist, Freiheitsfanatiker, die Rechenhaftigkeit aber, den Tatsachensinn und
die Arbeitsenergie hat er mit dem alten Wirtschaftsmenschen gemein, an Organi-
sationstalent übertrisft er ihn weit. Das Fehlen des Gewinn- und MachtsubjektiviS-
mus macht ihn objektiver. Das bedeutet dem menschlichen Gesamtleben gegenüber die
Anerkennung der M i t t e l haftigkeit der Wirtschaft, auf dem Gebiete des Sozialen
Gerechtigkeit und größeres Derständnis sür den arbeitenden Stand. Er ist, soweit das
bei der matcriellen Grundhaltung und bei dem unerläßlichen Tätigkeitsdrang möglich
ist, mehr kontemplativ. Sein Gesichtsfeld ist weiter, im Derhandeln ist er geschmeidi-
ger, aufgelockerter. Nirgends noch wird man diesen Wirtschaftsführer in reiner Per-
sonifizierung sehen, dennoch hat jeder unserer Wirtschaftsführer schon einige Züge
von ihm, selbst der knorrigste unter ihnen, Kirdorf. Die Männer von heute pendeln
noch zwischen ökonomischem Übermenschentum und ihnen völlig unbewußtem Ge-
meinschastsgeist hin und her. Den stärksten Ausschlag hat dieses Pendel vielleicht
bei Minoux.
Das angedeutete Bild ist nur das des neuen „Werkers", deS Menschen, der sich die
Bereitstellung der Güter zur Aufgabe gemacht hat. Nur das Profil eines
neuen StandeS glauben wir in seinen Hauptkonturen gezeichnet zu haben. Die Öko-
nomisierung, die nun etwa zwei Jahrhunderte andauert, geht allen Anzeichen nach
ihrem Ende entgegen. Allmählich zieht sich die Wirtschaft auf die ihr wesentliche
Sphäre zurück, und zu ihrer Leitung und Wartung entwickelt sich ein besonderer
Stand. Nur diesen Stand glaubten wir zeichnen zu dürfen. Mit zunehmender Ent-
ökononüsierung wird auch die Nivellierung deS Menschlichen schwinden und Raum
werden für schon heute sich scheu regende Kräfte.
Erkennen und Wissenschaft
Zu Edgar Dacques „U rwelt, Sage und Menschheit"
Bon Capricornus
^^>^ie Schlagworte von „Krisis", „Untergang", „Zusammenbruch" — deren Bekeili-
^ I gung an dem Konzert unsereS geistigen Lebens sich etwa seit der Iahrhundert-
wende nachweisen läßt — beherrschen die Jnstrumentation heute in einem Maße,
daß es immer schwieriger wird, zu dem thematischen Kern der Symphonie vorzudringen,
die unsre Gegenwart nach dem Willen des Schicksals aufzuführen hat. Soweit die
Lage der heutigen Wissenschaft in Frage steht, ist das llberhandnehmen dieser
Schlagworte und Kennzeichnungen Symptom eines KampfeS. Das Ziel, um das der
Kampf geht, ist nichts anderes als: Erneuerung und Dertiefung des SinnS von Er-
kennen; dcr Hauptgegner, der sich widersetzt: das alte Erbe des aufklärerischen GeisteS;
bie Hauptgefahr, die von innen her droht: Formlosigkeit, Chaotik.
Das Ringen ist in vollem Gang. Don endgültigem Sieg oder Kriegsschluß ist keine
Nede. Wöhl aber ist es heute schon möglich, im Rückblick auf das Geschehen der
letzten Jahrzehnte einige Hauptstationen festzustellen. Der für die Gegenwart ent-
scheidende Abschnitt (einer in ihren Ursprüngen viel weiter zurückgreifenden Gesamt-
entwicklung) beginnt mit dem Zurückfluten der positivistisch-materialiltischen Welle,
die der zweiten Hälfte des vergangenen Iahrhunderts die Signatur gegeben hatte.
Das Ende des ig. Iahrhunderts bringt die ersten Alarmzeichen, an denen die Erschüt-
2g
nicht rein vorhanden, aber der Schnitt seines Gesichtes ist schon erkennbar. Was ihn
vorn Wirtschastsmenschen der ablaufenden Epoche vor allem unterscheidet, ist dies: er
lädt sich freigewählte Bindungen auf, er fühlt sich frei in der Gebundenheit. Der
Gewinnsubjektivismus des Unternehmers alten Stils fehlt ihm völlig, er ist nicht
mehr Liberalist, Freiheitsfanatiker, die Rechenhaftigkeit aber, den Tatsachensinn und
die Arbeitsenergie hat er mit dem alten Wirtschaftsmenschen gemein, an Organi-
sationstalent übertrisft er ihn weit. Das Fehlen des Gewinn- und MachtsubjektiviS-
mus macht ihn objektiver. Das bedeutet dem menschlichen Gesamtleben gegenüber die
Anerkennung der M i t t e l haftigkeit der Wirtschaft, auf dem Gebiete des Sozialen
Gerechtigkeit und größeres Derständnis sür den arbeitenden Stand. Er ist, soweit das
bei der matcriellen Grundhaltung und bei dem unerläßlichen Tätigkeitsdrang möglich
ist, mehr kontemplativ. Sein Gesichtsfeld ist weiter, im Derhandeln ist er geschmeidi-
ger, aufgelockerter. Nirgends noch wird man diesen Wirtschaftsführer in reiner Per-
sonifizierung sehen, dennoch hat jeder unserer Wirtschaftsführer schon einige Züge
von ihm, selbst der knorrigste unter ihnen, Kirdorf. Die Männer von heute pendeln
noch zwischen ökonomischem Übermenschentum und ihnen völlig unbewußtem Ge-
meinschastsgeist hin und her. Den stärksten Ausschlag hat dieses Pendel vielleicht
bei Minoux.
Das angedeutete Bild ist nur das des neuen „Werkers", deS Menschen, der sich die
Bereitstellung der Güter zur Aufgabe gemacht hat. Nur das Profil eines
neuen StandeS glauben wir in seinen Hauptkonturen gezeichnet zu haben. Die Öko-
nomisierung, die nun etwa zwei Jahrhunderte andauert, geht allen Anzeichen nach
ihrem Ende entgegen. Allmählich zieht sich die Wirtschaft auf die ihr wesentliche
Sphäre zurück, und zu ihrer Leitung und Wartung entwickelt sich ein besonderer
Stand. Nur diesen Stand glaubten wir zeichnen zu dürfen. Mit zunehmender Ent-
ökononüsierung wird auch die Nivellierung deS Menschlichen schwinden und Raum
werden für schon heute sich scheu regende Kräfte.
Erkennen und Wissenschaft
Zu Edgar Dacques „U rwelt, Sage und Menschheit"
Bon Capricornus
^^>^ie Schlagworte von „Krisis", „Untergang", „Zusammenbruch" — deren Bekeili-
^ I gung an dem Konzert unsereS geistigen Lebens sich etwa seit der Iahrhundert-
wende nachweisen läßt — beherrschen die Jnstrumentation heute in einem Maße,
daß es immer schwieriger wird, zu dem thematischen Kern der Symphonie vorzudringen,
die unsre Gegenwart nach dem Willen des Schicksals aufzuführen hat. Soweit die
Lage der heutigen Wissenschaft in Frage steht, ist das llberhandnehmen dieser
Schlagworte und Kennzeichnungen Symptom eines KampfeS. Das Ziel, um das der
Kampf geht, ist nichts anderes als: Erneuerung und Dertiefung des SinnS von Er-
kennen; dcr Hauptgegner, der sich widersetzt: das alte Erbe des aufklärerischen GeisteS;
bie Hauptgefahr, die von innen her droht: Formlosigkeit, Chaotik.
Das Ringen ist in vollem Gang. Don endgültigem Sieg oder Kriegsschluß ist keine
Nede. Wöhl aber ist es heute schon möglich, im Rückblick auf das Geschehen der
letzten Jahrzehnte einige Hauptstationen festzustellen. Der für die Gegenwart ent-
scheidende Abschnitt (einer in ihren Ursprüngen viel weiter zurückgreifenden Gesamt-
entwicklung) beginnt mit dem Zurückfluten der positivistisch-materialiltischen Welle,
die der zweiten Hälfte des vergangenen Iahrhunderts die Signatur gegeben hatte.
Das Ende des ig. Iahrhunderts bringt die ersten Alarmzeichen, an denen die Erschüt-
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