Der Stand der okkultisiischen Forscsung
Ein kritischer Überblick
Don Graf Carl von Klinckowstroem
<^^^an kann wohl sagen, daß wir i'n einer Zeit leben, die der nnpartenschen
1/1 Würdigung der sogenannten okkulten Phänornene günsti'ger ist denn je.
Einerseits haben von jeher Zeiten der Not znr Derinnerlichung geführt
und inystischen Strömungen den Boden bereitet. Und andererseits finden in
mancheu Zweigen der Wissenschaft gegenwärtig tiefgreifende Umformungen statt,
namentlich in der Physik und in der Psychologie, so daß man geradezu von einem
Chaoö, wenn nicht (mit Hugo Dingler) von einem Zusammenbruch sprechen kann.
Und mehr und mehr setzt sich das Bewußtsein durch, daß das anfcheinend so feste
Gefüge einer materialistisch-mechanistisch orientierten Weltauffassung auf unsiche-
rem Fundament ruht. Die Zahl der Gelehrten, die mit neuen Erkenntnismöglichkeiten
rechnet von einer Seite her, die noch vor wenigen ^zahren als undiskutabel abgelehnt
wurde, mehrt sich ständig, und die Zeik ist wohl nicht mehr fern, da die akademische
Wissenschaft eine ihrer dringlichsten Aufgaben darin erkennen wird, die annoch okkul-
ten Erscheinungen mit allen Mitteln der modernen BeobachtungSpsychologie zu er-
forschen, um endlich die Spreu vom Weizen zu sondern — genau wie das vor rund
Zv Jahren mi't dem Hypnotismus geschehen ist. Jedenfalls geht es heute nicht mehr
an, auf einem aprioristifch-ablehnenden Standpunkt zu verharren. Denn es handelt
sich ja um Phänomene, die einer erperimentellen Untersuchung zugänglich sind. Es
handelt sich um eine Tatsachenfrage, an die man ganz losgelöst von weltanschauli-
chen Doraussetzungen oder Folgerungen herantreten kann und muß.
Die Okkultisten unterscheiden zwei Gruppen von okkulten, d. h. bisher ungeklärten
Erscheinungen: die parapsychischen oder intellektuellen, und die paraphysischen odcr
physikalisch-mediumistischen Phänomene. Die erste Gruppe umfaßt Telepathie, Hell-
sehen, Prophetie usw., die zweite handelt von wirklichen oder angeblichen Fernbewe-
gungen ohne Bcrührung (Telekinese), von Materialisationen und Teleplastie in den
verschiedensten Formen. Über beide Gebiete liegt heute bereits ein kaum mehr über-
sehbares Material an Beobachtungen, ErperimenLaluntersuchungen, Behauptungen
und theoretischen Deutungsversuchen vor. Wir können hier natürlich nur ganz allge-
mein einen kritischen Überblick geben, ohne auf Einzelfälle näher cinzugehen.*
Unter den parapsychischen Phänomenen hat wohl die Telepathie, bezw. die experimen-
telle Form der gleichen Erscheinung: die Gedankenübertragung, am ehesten Aussicht,
von der Wissenschaft anerkannt zu werden. Denn die naheliegende Analogie zur draht-
losen Telegraphie oder zu den Jnduktions- oder den Resonanzerscheinungen läßt an
eine Erklärung denken, die theoretifch die parasensorische Übermittelung von Gedanken,
Gefühlen, Borstellungen von einem Hirn als Geber auf ein zweites Hirn als Empfän-
ger auch dem mechanistisch Orientierten verständlich und annehmbar machen würde.
Die Analogie ist aber eine recht oberflächliche. Sie vermag, wie Tischner argumentiert,
' An Likecakuc scien nuc einlge Wecke genannk, die zuc Einfühcung in das Riesenmakeciat
geeignet sind: M. Oessoic, Vom Zenseits dec Seele. ä-/ö. Ausl. Stukkgact (Enke) Ig2o. —
A. Lehmann, Abecglaube und Zaubecei. z. Ausl. ebda. igaö. — R. Baecwald, Die
intellckkucllen Phänomene. Beclin (Ullstein) igaä. — R. Baecwald, Okkultismus und
Spirikismus. Beclin (Oeutsche Buchgemeinschafk) 1926. — W. 0. G u la t-W e l l en b u c g,
K l i n ck 0 w stc 0 em und H. R 0 sen b u sch, Oec phyßkalische MediumiSmuS. Bcrlin (llllsiein)
1926. — R. Ti sch n ec, Einsührung in den Okkultismus und SpiritiSmuS. München (Becg
mann) 1921. — T i sch n ec, Telcpathie und Hellsehen. Ebda. 1920. — T i sch n e c, Geschichte
dec okkultistischen Forschung. Psullingen (Baum) Ig2ch. — I. Illig, Historische Prophe-
zeiungen. Ebda. ig22. — „Zeitschcift füc kciiischen Okkultismus", seit 1926, Stukkgact (Enke).
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Ein kritischer Überblick
Don Graf Carl von Klinckowstroem
<^^^an kann wohl sagen, daß wir i'n einer Zeit leben, die der nnpartenschen
1/1 Würdigung der sogenannten okkulten Phänornene günsti'ger ist denn je.
Einerseits haben von jeher Zeiten der Not znr Derinnerlichung geführt
und inystischen Strömungen den Boden bereitet. Und andererseits finden in
mancheu Zweigen der Wissenschaft gegenwärtig tiefgreifende Umformungen statt,
namentlich in der Physik und in der Psychologie, so daß man geradezu von einem
Chaoö, wenn nicht (mit Hugo Dingler) von einem Zusammenbruch sprechen kann.
Und mehr und mehr setzt sich das Bewußtsein durch, daß das anfcheinend so feste
Gefüge einer materialistisch-mechanistisch orientierten Weltauffassung auf unsiche-
rem Fundament ruht. Die Zahl der Gelehrten, die mit neuen Erkenntnismöglichkeiten
rechnet von einer Seite her, die noch vor wenigen ^zahren als undiskutabel abgelehnt
wurde, mehrt sich ständig, und die Zeik ist wohl nicht mehr fern, da die akademische
Wissenschaft eine ihrer dringlichsten Aufgaben darin erkennen wird, die annoch okkul-
ten Erscheinungen mit allen Mitteln der modernen BeobachtungSpsychologie zu er-
forschen, um endlich die Spreu vom Weizen zu sondern — genau wie das vor rund
Zv Jahren mi't dem Hypnotismus geschehen ist. Jedenfalls geht es heute nicht mehr
an, auf einem aprioristifch-ablehnenden Standpunkt zu verharren. Denn es handelt
sich ja um Phänomene, die einer erperimentellen Untersuchung zugänglich sind. Es
handelt sich um eine Tatsachenfrage, an die man ganz losgelöst von weltanschauli-
chen Doraussetzungen oder Folgerungen herantreten kann und muß.
Die Okkultisten unterscheiden zwei Gruppen von okkulten, d. h. bisher ungeklärten
Erscheinungen: die parapsychischen oder intellektuellen, und die paraphysischen odcr
physikalisch-mediumistischen Phänomene. Die erste Gruppe umfaßt Telepathie, Hell-
sehen, Prophetie usw., die zweite handelt von wirklichen oder angeblichen Fernbewe-
gungen ohne Bcrührung (Telekinese), von Materialisationen und Teleplastie in den
verschiedensten Formen. Über beide Gebiete liegt heute bereits ein kaum mehr über-
sehbares Material an Beobachtungen, ErperimenLaluntersuchungen, Behauptungen
und theoretischen Deutungsversuchen vor. Wir können hier natürlich nur ganz allge-
mein einen kritischen Überblick geben, ohne auf Einzelfälle näher cinzugehen.*
Unter den parapsychischen Phänomenen hat wohl die Telepathie, bezw. die experimen-
telle Form der gleichen Erscheinung: die Gedankenübertragung, am ehesten Aussicht,
von der Wissenschaft anerkannt zu werden. Denn die naheliegende Analogie zur draht-
losen Telegraphie oder zu den Jnduktions- oder den Resonanzerscheinungen läßt an
eine Erklärung denken, die theoretifch die parasensorische Übermittelung von Gedanken,
Gefühlen, Borstellungen von einem Hirn als Geber auf ein zweites Hirn als Empfän-
ger auch dem mechanistisch Orientierten verständlich und annehmbar machen würde.
Die Analogie ist aber eine recht oberflächliche. Sie vermag, wie Tischner argumentiert,
' An Likecakuc scien nuc einlge Wecke genannk, die zuc Einfühcung in das Riesenmakeciat
geeignet sind: M. Oessoic, Vom Zenseits dec Seele. ä-/ö. Ausl. Stukkgact (Enke) Ig2o. —
A. Lehmann, Abecglaube und Zaubecei. z. Ausl. ebda. igaö. — R. Baecwald, Die
intellckkucllen Phänomene. Beclin (Ullstein) igaä. — R. Baecwald, Okkultismus und
Spirikismus. Beclin (Oeutsche Buchgemeinschafk) 1926. — W. 0. G u la t-W e l l en b u c g,
K l i n ck 0 w stc 0 em und H. R 0 sen b u sch, Oec phyßkalische MediumiSmuS. Bcrlin (llllsiein)
1926. — R. Ti sch n ec, Einsührung in den Okkultismus und SpiritiSmuS. München (Becg
mann) 1921. — T i sch n ec, Telcpathie und Hellsehen. Ebda. 1920. — T i sch n e c, Geschichte
dec okkultistischen Forschung. Psullingen (Baum) Ig2ch. — I. Illig, Historische Prophe-
zeiungen. Ebda. ig22. — „Zeitschcift füc kciiischen Okkultismus", seit 1926, Stukkgact (Enke).
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