Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 40,1.1926-1927

DOI issue:
Heft 3 (Dezemberheft 1926)
DOI article:
Umschau
DOI article:
Zu unseren Bildern und Noten
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.8881#0230

DWork-Logo
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
2lber noch mehr darüber, daß diese Dor-
kriegsverhältnisse jetzt ersi ans Lichl kom-
men. Die doriige Üssenilichkeii scheini aus
der Nachbarschafi von Rußland für die
Forderungen deS Menschlichen unier jeder
Bedingung einigermaßen abgesiumpfi.

Ariskophanes

Vom Kaufen Ulid Schenken edler
Ware

nenni sich eine Dürerbund-Flugschrisi un-
seres MiiarbeiierS Professor Aoseph Popp.
Wir möchien sie als beraienden Freund jedem
empsehlen, der Weihnachiseinkäuse, zumal
prakiischer und qualiiaiiver Ari, machen will
und muß. Die Bcdeuiung des Schrisichens
reichi aber über die Fesizeii hinaus; denn es

eniwickeli eine knappe Astheiik der kunsigc-
werblichen Leisiung, die es nach Zwcck, Form,
Schmuck und Maierial kcnnzeichnei unicr
der iechnischen Scheidung induslricller, ge-
werblicher und kunstgewerblicher Arbeii. Das
Schrifichen isi deshalb auch sür Jugcndbild-
ner cin vorircsslichcr Führcr, und manch
einem, dem man eine kleine Aufmerksamkeii
mehr geisiiger Ari erweisen will, könnie man
mii diesem Schrifichen Freude und Nutzen
schaffen. N.

Hanns von Gumppenberg

begehi am ^s. Dezember scinen 60. GeburiS-
iag. Eine eingehende Würdigung dcs Dich-
iers ist sür eineS der nächsten Hesie vor-
gesehen.

Zu unseren Bilderu und N^okeu

um Avenarius-Bildnis oon L.
Samberger. Aoenarius' 70. Ge-
burisiag hai den Derlag besiimmi, des ver-
ehrien und geliebien Mannes durch eine be-
sondere Bildbeilage noch wejier dankbar
zu gedenken. Er liebie es nichi, phoivgra-
phieri zu werden — und so kannien ihn
weiiere Kreise seiner Leser kaum von An-
sehen. Auch die Kohlezeichnung oon Sam-
berger war nur dem engeren Familien- und
Frcundeskreis zugänglich. Sie isi übcr daS
„Gegensiändliche" hinaus bedeuisam als die
charakierisiische Schöpfung cineS unserer erstcn
BildniSmaler. AuS dcm mehr rundlichen Schä-
del und der Gedrungenheii der ganzen Ge-
slali hai Samberger mii dcm ihm eigenen
Blick für scharse Kennzeichnung des Men-
schen einc aufrechie, wohlig breiie Rund-
fvrm gewähli, die gleichsain eine Ari Häus-
lichkeii oder Aimosphäre um den Dichier,
Denkcr und Erzieher, was Aoenarius in
einer Person gcwesen, schasfi. Sein kluges,
immer waches Augc, dem eS nichi am auf-
leuchienden Blitz deS Humors gefehli, der
güiige Mund, die hohe Siirn, daS in sich
Zusammengenommene, irotz allcc gefühls-
mäßigen Ari, all das kommi zu sprechender
Anschauung. So lcbi scin Wesen in unS
fori, in jener lebendigen Taikrafi und Jdea-
liiäi, die bis zum letzien Aiemzug seinem gelieb-
ien Kunsiwari und dessen Lesern gegolien.

Die Verkündigung Mariä von
Grünewald dieni dem Weihnachisge-
danken, und deshalb haben wir sie sarbig
gebrachi. Wir sind unS naiürlich vollauf

der Grcnzen solcher Wiedergabe, zumal
cines lcbenSgroßcn BildeS, bewußi. Selbsi
daS ungleich größere Formai cincr mii allen
icchnischcn Schikanen hergcsiellien Prachi-
mappe mußie solchem Werk vieles schuldig
bleiben. ilns handeli es sich darum, eine
über die lineare und Helldunkel-Wirkung
der Phoiographie hinausgchcnde Dorstellung
zu schasfen, weil das künsilerische Wesen die-
seS Werkes ganz in der Farbe beschlossen
ist. Grünewald bildei mii scincm Zeiigenos-
sen Dürer, dcr wcsenilich linear-plasiisch
eingcsielli war, den Höhepunki der ali-
deuischen Malerei. Er gehöri weiierhin zu
den großariigstcn Koloristen allcr Zeiien über-
haupi. Sein Riesenwerk deS Jsenheimer
Aliares in Colmar hai eben deshalb Böck-
lin von Zürich aus wiedcrholi besucht —
und wer Augen hai zu sehen, vermag dcssen
hier gcwonnene Anregungen unschwer zu
erkennen. Es gibi außer MichclangeloS gi-
ganiischem FrcSkcnzykluS an dcr Decke der
Sipiinischen Kapelle kauin cin zweiies
Werk vom Umfang deS Jssnhcimcr AliareS,
das durchaus cigcnhändig mii nirgends ver-
sagender Krafi und Eksiase gemali isk. Grünc-
walds Herkunfi, Eniwicklung und Gesami-
schöpfung ist noch von vielfacher Dunkel-
heit umdüstcri, daS hinderi aber nichi, desscn,
was wir besitzen, froh zu werden. Grüne-
wald isi ein iypischer Meister dcr dcui-
schen Späigoiik, dcr zum Unierschicd von
Dürer nichi nüiielst iialienischer Kunst zur
letzien Größe und Gcwali gclangi, viclmehr
ähnlich den Naumburger Siifierfiguren, die

206
 
Annotationen