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Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 40,1.1926-1927

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Heft 4 (Januarheft 1927)
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Gerathewohl, Fritz: Deutsche Sprechkultur
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Popp, Josef: Die moderne Baukunst, [2]
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https://doi.org/10.11588/diglit.8881#0245

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ziehung zur Hochsprache angeht, bereiks F. A. W olf, wenn er m „reiner,
richLiger Aussprache" wie in „schönem VorLrag" kcineswegs nur cine „ver-
ichönernde, an der AußenseiLe gläLLende KulLur" sah, sondern geradezu „eine
wichLigsle Aufgabe echLer SLaaksweisheiL".

NichL die Mundarken zu verdrängen, übcr ihncn aber als MiLtel zu gemeinsa-
mem Erleben und Wirken in seincm Volke dic Hochsprache zu verbreiLen, dem
Ausdruck des Einzelncn, soweiL nach unsern BeLrachLungen möglich, die ge-
meindeuLsche Form zu geben, wird Ausgabe jedes dcutschcn Erziehers sein müs-
sen, der die solgende FestsLellung Ludwig Fahns auch hcute noch iu gewis-
sem Ausmaß sür recht hälL: „Wenn auch in Frankrcich der IlnLerschied der
Provinzen und Stämme sühlbar ist, so gibL es doch keinen Franzosen, der
nicht in erster Linie Angehöriger der Gesamtnakion sein und als solcher crschei-
nen wollte. Erscheinen? Worin geschieht denn das unmiLLelbarer als in dcr
Nede? Die BunLscheckigkeiL des lauklichcn Lebens unserer deutschen Sprache
ist eins der Zeichen der unsertigen VolkscinheiL."

WichLiger noch als die Erziehung seiner Mcnschen zur gemeinsamen Sprache
scheint mir sür den StaaL in BekrachL der SprcchkulLur zu sein, daß sie von
wescnLlichem Einsluß aus das össentliche, zumal politischc Leben sein kann,
soweit es von der Rede bedingt ist. Wer dahin erzogen wird, LauL und Wort
in ihrer BedeuLungsschwere zu erleben und die WirkungsmöglichkeiLen der
Stimme zu erkennen wie zu beherrschen, der wird cinen anderen Rcdncr und
— einen andcren Hörer in deutschen ParlamenLen und Bersammlungssälcn
abgeben denn einer, dem hierübcr nie Gcdanken kamen. Rkicht eben lcicht wird
sich der krikisch geschulte Hörer vom falschen Pathos, von Stimmstärke und
antreibender oder einschleichcnder Melodie des Demagogcn betörcn lassen:
er wird desscn Schliche und FinLen, vielleichL in Anschluß an das Borbild,
das ihm Schopenhauer in seiner Eristik oder kürzlich K. O. Erdmann
in scinem Buche „Die Kunst, recht zu behalten" (Leipzig 1924) gegebcn haL,
aufdecken und niedrigcr hängen. Seinerscits aber wird sich der im Sprechen
GeschulLe, was im einzelneu lcicht zu beweisen wärc, imstande sühlen, ohne
Verbiegung der Wahrheik, lediglich unter Gebrauch von MitLeln, die in cthi-
scher HinsichL einwandsrei sind, ungehemmt, der Sprache, seiner Sache und
den VersammelLen gegenüber Herr, seinen Gcdanken die uoLwcndige Wirknng
zu verschassen.

Die moberne Baukimsi

Bon Ioseph Popp

II.

^H^as wir am Schluß uuserer vorigen Studie nur angedeutck, das Wer-
^—^-^den und den CharakLer der modernen Baukunst, gilt es jeht aussührlicher
zu cnkwickeln. Vorläusig mchr Baugesinnung als Bauleistung, bieket sie
doch so viel, daß man schou vor dem Krieg von >ciner modernen Baukunst
sprechen konnLe — wenigstens in Deutschland. Auch O. Wagner hat das
neue Programm in seinen Werken mehrfach veranschaulicht. Gegenüber der

deutsche Lühnenaussprache" neueedings besonders Emald GeißlerS Erlauger Habilitations-
schrift „Erziehung zur Hochsprache" (Halle igaS).
 
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