In nüchkcrnerer Sprache als der beschwingte tiefsinnigc Bachosen, bretet er
eine mit enormem Fleiß und wissenschaftlicher Gründlichkeit zusammengetra-
genc Übersicht der gesamken Mutterrechtsperioden der Vergangenhcit, wie auch
über dcren Reste bci den noch lebenden primitivcn wilden Stämmcn. Nuhig
nnd sachlich unkcrsucht er die Gründe der Überleitung zum Patriarchat. Starke
Rcste von Mutterrechtskulkur blieben bestehen oder wurdcn bewußk übcrnom-
mcn: in Sparta, Theben, Ägyptcn.
Man kann sich nicht besser über alle für das Werden der Menschhcit so
überaus wichtigen Urentwicklungen unterrichten, als durch das auch für den
Laien leicht vcrständlichc Buch Krisches. Manche durch die neucren Ausgra-
bungen geklärten Irrtümer Bachofens stellt es richtig, seht sich auch nn'L den
aussehenerregcndcn Büchern von Mathilde und Mathias Vaerting über das
gleiche Gebict teils anerkennend, teils ablehnend auseinandcr. Alles in einer
würdigeu und gerechken Weise. Bor allem berührt es wohltuend, daß er jene
ferneu, ungewisscn Dinge nichk bci jedcr Gelegenheit nu'L der modcrnen Fraueu-
bcwegung in scindliche oder srcundliche Beziehung schk. Krische schildert, doch
cr urteilt nichk. Rkur am Ende sciner Lrcsslichen Arbeik zieht er den uuangreis-
baren Schluß, der ungeheure revolutionäre Fortschritt dcr Frau in der Mutter-
rechtszeit sei: das Idcntitäksbcwußtscin von Mutter uud Kind. Trohdem es
durch Übertraguug aus den Baker zu ihrcr Versklavung sührk, konnte cs nie
wieder ausgeschaltet werdcn. Das Fanal dcr MütterlichkeiL leuchteke übcr
dem Weibc, um nie wicder zu verlöschen.
Es scheint auch mir bcdenklich, jene immer noch recht undurchschaubaren ersten
Entwicklungsstusen der Menschwerdung, vorzüglich in Einzelheitcn, sür die
Gegenwark dcr Frauenbewegung irgendwic heranzuzichen. Die Vcrsuchung
liegt zu nahe, aus objektiver Forschung die Wissenschast zum Kampfobjekt zu
machen und je nach der persönlichen Einstellung rechk verschieden zu färben.
Diescr Gesahr ist Wieth-Knudsen crlegcn. Sein Buch ist nichts anderes als
ein einziges Kampsgcschrci gegen dcn Feminisnms, in dem er dcn Hauptgrund
des bevorstehendcn Untcrgangs curopäischcr Kulkur crblickt. Mit dem zornigen
Eiser eines jener altcn Kirchenväter, die vor dem Konzil darlegen wolltcn,
daß das Weib nur eine Mißgeburk des Teusels sei, trägt er die Beweisc
seiner geistigen, körpcrlichen nnd sikklichen Mindcrwertigkcit zusammcn. Aus
Zoologie (auch die, ach,schon so oft bemühke Spinne muß für die Grausamkeit
des Weibes zcugen), aus Urwelt und Alkertum, bei Philosophen und Dichtern
wie bei modcrncn Gelchrken wird Matcrial gesammelt. Unwillkürlich fragt
man: „Und wo blcibt Strindberg?" Da ist er ja schon — der nnglücklichc
Monomane des Liebeshasses, und sagt scin Sprüchlcin. Ein andercr Dichter
gibk aus die Fragc des dänischen Gclchrten, wie er die Zeik habe finden können,
so vielc Bücher zu schrcibcn, die gcschmackvolle Ankwort: „Ia, sehen S>e,
meine Frau starb schon, als ich Ü7 Iahre alt war." Die Folgerung: dcr
Fcmünsmus vcrkörpcrt also in sich alle schleichcnden Giste, die an dcm allge-
mcineu Verfall der gotogermanischen Nasse mitwirken.
Wie gchässig cinseitig Wieth-Knudsen vorgeht, crhellt — um nur ein Beispiel
zu nennen — dic Taksache, daß er viele Seiken mit der Schilderung des Dir-
nentums in der Vergangenheit wie im lchtcn Kriege aufwcndet, während die
Wirksanikeit der Fraucn in der Krankenpflege in eiuer Fußnote „anerken-
eine mit enormem Fleiß und wissenschaftlicher Gründlichkeit zusammengetra-
genc Übersicht der gesamken Mutterrechtsperioden der Vergangenhcit, wie auch
über dcren Reste bci den noch lebenden primitivcn wilden Stämmcn. Nuhig
nnd sachlich unkcrsucht er die Gründe der Überleitung zum Patriarchat. Starke
Rcste von Mutterrechtskulkur blieben bestehen oder wurdcn bewußk übcrnom-
mcn: in Sparta, Theben, Ägyptcn.
Man kann sich nicht besser über alle für das Werden der Menschhcit so
überaus wichtigen Urentwicklungen unterrichten, als durch das auch für den
Laien leicht vcrständlichc Buch Krisches. Manche durch die neucren Ausgra-
bungen geklärten Irrtümer Bachofens stellt es richtig, seht sich auch nn'L den
aussehenerregcndcn Büchern von Mathilde und Mathias Vaerting über das
gleiche Gebict teils anerkennend, teils ablehnend auseinandcr. Alles in einer
würdigeu und gerechken Weise. Bor allem berührt es wohltuend, daß er jene
ferneu, ungewisscn Dinge nichk bci jedcr Gelegenheit nu'L der modcrnen Fraueu-
bcwegung in scindliche oder srcundliche Beziehung schk. Krische schildert, doch
cr urteilt nichk. Rkur am Ende sciner Lrcsslichen Arbeik zieht er den uuangreis-
baren Schluß, der ungeheure revolutionäre Fortschritt dcr Frau in der Mutter-
rechtszeit sei: das Idcntitäksbcwußtscin von Mutter uud Kind. Trohdem es
durch Übertraguug aus den Baker zu ihrcr Versklavung sührk, konnte cs nie
wieder ausgeschaltet werdcn. Das Fanal dcr MütterlichkeiL leuchteke übcr
dem Weibc, um nie wicder zu verlöschen.
Es scheint auch mir bcdenklich, jene immer noch recht undurchschaubaren ersten
Entwicklungsstusen der Menschwerdung, vorzüglich in Einzelheitcn, sür die
Gegenwark dcr Frauenbewegung irgendwic heranzuzichen. Die Vcrsuchung
liegt zu nahe, aus objektiver Forschung die Wissenschast zum Kampfobjekt zu
machen und je nach der persönlichen Einstellung rechk verschieden zu färben.
Diescr Gesahr ist Wieth-Knudsen crlegcn. Sein Buch ist nichts anderes als
ein einziges Kampsgcschrci gegen dcn Feminisnms, in dem er dcn Hauptgrund
des bevorstehendcn Untcrgangs curopäischcr Kulkur crblickt. Mit dem zornigen
Eiser eines jener altcn Kirchenväter, die vor dem Konzil darlegen wolltcn,
daß das Weib nur eine Mißgeburk des Teusels sei, trägt er die Beweisc
seiner geistigen, körpcrlichen nnd sikklichen Mindcrwertigkcit zusammcn. Aus
Zoologie (auch die, ach,schon so oft bemühke Spinne muß für die Grausamkeit
des Weibes zcugen), aus Urwelt und Alkertum, bei Philosophen und Dichtern
wie bei modcrncn Gelchrken wird Matcrial gesammelt. Unwillkürlich fragt
man: „Und wo blcibt Strindberg?" Da ist er ja schon — der nnglücklichc
Monomane des Liebeshasses, und sagt scin Sprüchlcin. Ein andercr Dichter
gibk aus die Fragc des dänischen Gclchrten, wie er die Zeik habe finden können,
so vielc Bücher zu schrcibcn, die gcschmackvolle Ankwort: „Ia, sehen S>e,
meine Frau starb schon, als ich Ü7 Iahre alt war." Die Folgerung: dcr
Fcmünsmus vcrkörpcrt also in sich alle schleichcnden Giste, die an dcm allge-
mcineu Verfall der gotogermanischen Nasse mitwirken.
Wie gchässig cinseitig Wieth-Knudsen vorgeht, crhellt — um nur ein Beispiel
zu nennen — dic Taksache, daß er viele Seiken mit der Schilderung des Dir-
nentums in der Vergangenheit wie im lchtcn Kriege aufwcndet, während die
Wirksanikeit der Fraucn in der Krankenpflege in eiuer Fußnote „anerken-


