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Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 40,1.1926-1927

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Heft 4 (Januarheft 1927)
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Lose Blätter
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Umschau
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https://doi.org/10.11588/diglit.8881#0288

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Hütcn und welche mik Helmen, und wclche mik Schlei'ern und welche mit
langen, flakternden Haaren, und welche heil und welche zerhauen, und viele,
viele andere. Und viele kenne ich gleich, und immer mehr erkenne ich, so oft
ich wiederkehre. Und anfangs hielk ich alles für Skein und Gleichnis. 2lber
sie leben. Jch wciß nichk, woher ich das weiß. Denn sie rühren sich nichk
und blicken auch nichk her und sind ßunnn. 2lber so, wie mir da geschiehk,
so ankwortck das lebendige Herz nur auf das Lebendige. Einmal fragte ich
mcinen Führer: Wo bin ich denn hier? lknd der lknsichkbare ankworkeke: Du
bift zu Hause. Wellcichk habe ich das auch selber gesagk."

Er blieb ftchcn, wir waren vor seincm Hause angelangk. „Melleichk," sagke
er noch und hob das Gesichk und sah mich vollen Blickes an, „viclleichk be-
greifft dn nun aber, weshalb du mich in Deutfchland begraben sollft..."
Damik gab er mir die Hand, wandke sich und ftieg langsam die Treppe hinauf.
2ln diesem 2lbend habe ich ihn zum leHken Male gesehen. 2lls ich drei Tage
dauach von den Bergen herunker kam, wo ich gemalk hakke, lebke er nichk mehr.
Sie hakken ihn in einem Weinberg gefunden, an einem Mäuerlein unker Reben
sihend, sehr heikeren Gesichkes, Lok, ein wenig Bluk auf den Lippen. Wie
er dork hingelangk sein soll, ift übrigens unklar, denn der Weingarken liegk
cinige Stundcn unlerhalb des Dvrfes an einem cinsamen Hange uud war
wohlverwahrk und verfchlossen.

Es fand sich dann unker scinen Papieren cin Brief an mich, die lehten Umstände
bekreffend. Er hakte fchon vor Wochen einen zinnerncn Sarg machen lassen,
ferner die allenfalls erfordcrlichen Schrifkßücke sowie eine Summe Geldes
bereikgelegk. Übcr scine Gesichke hakke er nichts aufgezeichnek. Fch bin dann
soglcich nn'k dem Token aufgebrochen und hierhergereiß, wo seine Sippe alke
Rechke auf eine Liegeftakk zwifchen den koken Bauern hak.

Nachfchrifk.

Es wollke hcll werden, ich hörke unker dem Regen die Bögel fchlagen. Jch
löfchte die Lanipe und trat vor das Haus. Im Dorfe hob fchon ein Lärmm
an von Mcufchen und Tieren. 2lber auf dem Friedhofe war es slill; nur zu-
wcileu fchüktelke der Morgenwind die nassen Bäume, dann prassclke es wie
von Früchken auf die Wege. Ich ging noch einmal an das Grab nnd krank
Wasser von den Bläkkern und grub meine Hände kief in den frifchen Hügel:
mir war, als kränke ich ewiges Leben, und als drückken kauseud Hände die
meinen in der feuchken Erde. Ich kann dir nichk sagen, wie fröhlich mir war.
Lebe wohl.

Umschau

Hanns von Gumppcnberg

zu seinem 60. Gebu rtstag
am chDezember 1926
urch das Leben deS Dichters HannS 0.
Gnmppenberg geht ein tragischer Zug,
der um so schtverer und tiefer von ihm
empfunden werden mußte, iveil er in sich
allcs trug, Ivas ihn zu einem der größten

deutschen Humorlften hätte machen kön-
nen. Es liegt dari'n ja ein scheinbarer
Widerspruch. Und nicht bloß ein schein-
barer, sondern einer, der das ganze Leben
und zum Teil auch Schasfen dieses eigen-
artigen Menschen beeinflußt hat. Er ist
elne durch nnd durch relne und zuglcich
ausgesprochen aristokratische Natur. Den-
noch hat er diese Art seineS WesenS, mehr

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