warkskiiltur eingliedern. Einen Vorzug
haben jedoch solche Berichte, wenn sle
von einer temperamentvollen Persönlich-
kelt gegeben wurden: man spürt in ihnen
den Pulsschlag der Musikgeschi'chte un-
serer Zeit. Seidl ist ein sehr subjek-
tiver Beobachter, einer, der die Dinge
gar nicht kalt an sich vorüberziehen las-
sen kann, sondern der von ihncn stark
erregt wird, dem sich immer allerlei
ausdrängt, über das er sich Klarheit zu
schasfen versucht, und der dann beinahe
mit Hartnäckigkeit slüchtige Gedanken
einsängt, um sie mit allen ihren Folge-
rungen durchzudenken. So ziehen die
Persönlichkeiten und Ereignisse der öf-
sentlichen Musikpslege in den letzten
sünfundzwanzig Jahren vorüber, frisch
und herzhaft gezeichnet und mit einer
Deutlichkeit begrüßt oder abgelehnt, die
jedenfalls Langeweile nirgend auskom-
men läßt. Artur Liebscher
»
sV^iktor, Mataja: Die Reklame,
^^Duncker L Humblot.
Nur wenige Wijsensgebiete haben das
Glück gehabt, von allem Anfang an ein
Lehrbuch zu besitzen. Die Werbelehre hat
eine wirtschafts-wissenschaftlich fundierte
Zusammenfassung seit igog, dem Erschei-
uungsjahr der erstcn Auslage dcö „Nka-
taja". Heute liegt die vierle, den Zeit-
verhältnissen zwar angepaßie, in der
Grundanlage aber unveränderte Auflage
vor. Wir haben seit igog eine Hochslut
von Werbebüchern erlebt, große und
kleine, lehrhaste, praktische und theore-
tische, Einführungen und Spezialarbeiten;
keines war imstande, den „Mataja" zu
verdrängen. Er hat das Verdienst, ge-
stützt auf eine verbreitete Literaturkennt-
nis, die Erscheinungsform der Reklamc
zweier Erdteile in ihren wesentlichen For-
men kritisch verarbeitet zu haben. Ein gut
Teil der Lebensdauer verdankt das Werk
einer Darstellungskunst, die es oersteht,
ohne rasch veralternde Abbildungen aus-
zukommen.
Mataja beschränkt sich leider im allge-
meinen auf die Geschäftsreklame, aber
gerade im Hinblick auf seine Darstellungs-
art bleibt cs bedauerlich, daß er den Rah-
men nicht weiter steckt, um die Werbung
sür Jdeen, die Kulturpropaganda, die
Werbung der Politik und des Staates
zu behandeln. Jndem er sich etwa der
Auffassung seineS Wiener Landsmannes,
Dthmar Spann, angeschlossen hätte, der
Werbung als einen notwendigen Grund-
saktor alles sich bildenden sozialen Lc-
beus ansieht. Und in der Tat wird jede
Kultnrpropaganda usw. von der Sozio-
logte unö Staatslehre auSgehen müsseu.
Aber auch ohne diesen Einwand sei das
Werk, so wie es ist, außer den Kausleuten
jedem empsohlen, der als Politiker, Wis-
senschaftler, Lehrer usw. sich mit der Wer-
bung auseinandersetzen oder ihre Grund-
züge kennenlernen will. Kliemann
Zu unseren Bildern und Noten
-»^nsere Abbildungen wollen dic Artikel
^über „Moderne Baukunst" und das
„Oessaucr Bauhaus" in charakteristi-
schen Schöpfungen ergänzen und zum
weiteren Durchdenken des dork Ent-
wickelten anregen.
Der Frankfurter Bahnhof. Die
Baukunst kennt keine Aufgabe, in der
ein einziges Gebäude zwei formal so
grundverschiedene Hauptteile vereint, wie
eS in dcn großen Bahnhösen die Stein-
nrchitektur der Empsangsgebäude und
die Eisenglashallen des eigentlichen
Bahnhofes sind. Beide Teile als Hälf-
ten eineS einheitlichen Ganzen zu kenn-
zeichncn nnd sie unbeschadet ihrer Eigen-
art zu einem logischen Gebilde inein-
anderzusügen, das von außen und innen
klar zu übersehen ist, gehört zu den
schwierigsten Problemen der neuen Ar-
chitektur. Stein und Eisen treten hier
als zwei ebenbürtige, aber durchauö ver-
schiedene Gewalten einander gegenüber;
der dünnere Körper ist sogar der stär-
kere. Etwas von dessen knappcn For-
men wollen wir deshalb auch an den
Steinformen spüren, die sich mit ihm
verbinden. Das gelingt aber nicht durch
Annäherung der Steinform in einer gv-
tisierenden stabmäßigen Auflösung, son-
dern im unverhüllten HerauSarbeiten öes
stosflichen und statischen Gegensatzes; nur
als Masse kann sich der Stein dem
Eisen gegenüber behaupten. Zunächst
kümmerte man sich nm dieses Problem
in keiner Weise und behandelte den
Empfangs- und Verwaltungsbau als
selbständige Steinarchitektur, die aus
haben jedoch solche Berichte, wenn sle
von einer temperamentvollen Persönlich-
kelt gegeben wurden: man spürt in ihnen
den Pulsschlag der Musikgeschi'chte un-
serer Zeit. Seidl ist ein sehr subjek-
tiver Beobachter, einer, der die Dinge
gar nicht kalt an sich vorüberziehen las-
sen kann, sondern der von ihncn stark
erregt wird, dem sich immer allerlei
ausdrängt, über das er sich Klarheit zu
schasfen versucht, und der dann beinahe
mit Hartnäckigkeit slüchtige Gedanken
einsängt, um sie mit allen ihren Folge-
rungen durchzudenken. So ziehen die
Persönlichkeiten und Ereignisse der öf-
sentlichen Musikpslege in den letzten
sünfundzwanzig Jahren vorüber, frisch
und herzhaft gezeichnet und mit einer
Deutlichkeit begrüßt oder abgelehnt, die
jedenfalls Langeweile nirgend auskom-
men läßt. Artur Liebscher
»
sV^iktor, Mataja: Die Reklame,
^^Duncker L Humblot.
Nur wenige Wijsensgebiete haben das
Glück gehabt, von allem Anfang an ein
Lehrbuch zu besitzen. Die Werbelehre hat
eine wirtschafts-wissenschaftlich fundierte
Zusammenfassung seit igog, dem Erschei-
uungsjahr der erstcn Auslage dcö „Nka-
taja". Heute liegt die vierle, den Zeit-
verhältnissen zwar angepaßie, in der
Grundanlage aber unveränderte Auflage
vor. Wir haben seit igog eine Hochslut
von Werbebüchern erlebt, große und
kleine, lehrhaste, praktische und theore-
tische, Einführungen und Spezialarbeiten;
keines war imstande, den „Mataja" zu
verdrängen. Er hat das Verdienst, ge-
stützt auf eine verbreitete Literaturkennt-
nis, die Erscheinungsform der Reklamc
zweier Erdteile in ihren wesentlichen For-
men kritisch verarbeitet zu haben. Ein gut
Teil der Lebensdauer verdankt das Werk
einer Darstellungskunst, die es oersteht,
ohne rasch veralternde Abbildungen aus-
zukommen.
Mataja beschränkt sich leider im allge-
meinen auf die Geschäftsreklame, aber
gerade im Hinblick auf seine Darstellungs-
art bleibt cs bedauerlich, daß er den Rah-
men nicht weiter steckt, um die Werbung
sür Jdeen, die Kulturpropaganda, die
Werbung der Politik und des Staates
zu behandeln. Jndem er sich etwa der
Auffassung seineS Wiener Landsmannes,
Dthmar Spann, angeschlossen hätte, der
Werbung als einen notwendigen Grund-
saktor alles sich bildenden sozialen Lc-
beus ansieht. Und in der Tat wird jede
Kultnrpropaganda usw. von der Sozio-
logte unö Staatslehre auSgehen müsseu.
Aber auch ohne diesen Einwand sei das
Werk, so wie es ist, außer den Kausleuten
jedem empsohlen, der als Politiker, Wis-
senschaftler, Lehrer usw. sich mit der Wer-
bung auseinandersetzen oder ihre Grund-
züge kennenlernen will. Kliemann
Zu unseren Bildern und Noten
-»^nsere Abbildungen wollen dic Artikel
^über „Moderne Baukunst" und das
„Oessaucr Bauhaus" in charakteristi-
schen Schöpfungen ergänzen und zum
weiteren Durchdenken des dork Ent-
wickelten anregen.
Der Frankfurter Bahnhof. Die
Baukunst kennt keine Aufgabe, in der
ein einziges Gebäude zwei formal so
grundverschiedene Hauptteile vereint, wie
eS in dcn großen Bahnhösen die Stein-
nrchitektur der Empsangsgebäude und
die Eisenglashallen des eigentlichen
Bahnhofes sind. Beide Teile als Hälf-
ten eineS einheitlichen Ganzen zu kenn-
zeichncn nnd sie unbeschadet ihrer Eigen-
art zu einem logischen Gebilde inein-
anderzusügen, das von außen und innen
klar zu übersehen ist, gehört zu den
schwierigsten Problemen der neuen Ar-
chitektur. Stein und Eisen treten hier
als zwei ebenbürtige, aber durchauö ver-
schiedene Gewalten einander gegenüber;
der dünnere Körper ist sogar der stär-
kere. Etwas von dessen knappcn For-
men wollen wir deshalb auch an den
Steinformen spüren, die sich mit ihm
verbinden. Das gelingt aber nicht durch
Annäherung der Steinform in einer gv-
tisierenden stabmäßigen Auflösung, son-
dern im unverhüllten HerauSarbeiten öes
stosflichen und statischen Gegensatzes; nur
als Masse kann sich der Stein dem
Eisen gegenüber behaupten. Zunächst
kümmerte man sich nm dieses Problem
in keiner Weise und behandelte den
Empfangs- und Verwaltungsbau als
selbständige Steinarchitektur, die aus


