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Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 40,1.1926-1927

DOI issue:
Heft 5 (Februarheft 1927)
DOI article:
Fischer, Aloys: Pestalozzi: Erlebnis und Werk
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https://doi.org/10.11588/diglit.8881#0323

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Pcstalozzi

Erlebnis und W erk
Von 2lloys Fischer

/(^>eit dieGeschichtschreibung der Kultur nichk mehr ausschließlrch die Einzelgc-
^—^biete:Literatur, Kunst/Wissenschaft, Staaks- nnd Gesellschaftsverfassung,
Wirtfchaft und Technik, Mode und Geselligkeit usw. in gesonderter Betrach-
tung pflegt, sondern den inneren Zusammenharig aller kulturellen Lebensgebiete
zu erfassen strebk, letzte gemeinsame Ideen und kreibende Kräfte in nnd hinter
dcn Einzelhciten aufspürt, seit diese geistesgefchichtlicheTendenz für ihre Arbeits-
weise bestimmend geworden ist, wuchs auch die Betrachkung der einzelnen Per-
sönlichkeit über die Enge der bloßen Biographie, der Daten- und Werkgeschichte
hinaus und versucht, ihre größeren und klcinercn „Helden" als Repräsentanten
zuglcich der Zeit und der durch die Zeiten hindurch wirksamen überzeitlichen,
lehten, grundfählichen Möglichkeiten eines geistigen Lebens begreiflich zu machen.
In solcher geistesgefchichtlichen Einstellung erfährt die biographische Einzel-
forschung eine Bertiefung nach der philosophifchen und psychologifchen Seite
zugleich nnd wird die philologische und archivalische 'Arbeitsform zu eincm
Hilfsnn'Ltel für diese wciterreichende Absicht umgestaltet. Das Hauptproblem
der geistesgcschichtlichen Würdigung ciner Person wird, mit einem Wort Dil-
theys, der Zusammcnhang von „Erlebnis" und „Werk" einerseits, nnd beider
Zusammenhang mit einer „Zeitkonstellation" und einer „ewigen Aufgabe" oder
Idee andererseiks. Dabei steckt sowohl im Erlebnis als auch im Werk des
Einzelnen der Mensch als psychologischcr Faktor aller Historie, die konkrete
Individualität und ihre Leistung als geschichtsbildende Kraft, wie anch ein
Sachzusammenhang, ein Sinnbezug als überzeitliche Komponente, mindestens
als Nichtungsweisung der geschichtlichen Berwicklungen und Gestaltungen. Der
Biograph mik geißesgeschichtlichcr Absicht versucht den Bedcukungswandel von
Problemen und Aufgaben, der Betrachtungs- und Lösungswege für Fragen,
die als solche jcden Mcnschen beschäftigen und darum auch für jede Gegenwart
gelten, dadurch aufzuhellen, oder wie man heuke gern sagt: „zu verstehen"
und verständlich zu machen, daß cr dcn rein historischen, individuellen und zu-
fälligen Beftand an „Erlebnissen" eincr Persönlichkeit als die Voraussehungcn
und Grundlagcn ihres fchöpferischen Eingriffs in die schwebende, miabgeschlos-
sene Entwicklung der Ideen und Zustände des ganzen Menschengeschlechts oder
mindeslens einer Kulturgcmcinschaft begreift. So gewinnt er die Möglichkeit,
an einer im ganzen gcnommen „historischen", d. h. vergangenen und vergäng-
lichcn Person das zu entdccken, was in das Reich überpersönlicher und darum
unvcrgänglicher Gelkungcn und Schöpfungen hineinragt.

Es ift verhältnismäßig leichk, den Zusammenhang von Erlebnis und Werk bei
eincni Dichter, Künftlcr, Forscher, Philosophen zu durchschauen, namcnklich

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Februarheft 1927 (XXXX, 5)
 
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