Lehrer kann kein guter Volkslehrer sein, er kann nicht aus dem Volk lehren
und für das Volk bilden und erziehen, wenn er nicht in diescr entformten, cnk-
volklichten Zeit in einer Urzelle werdenden Volkstums, eben in
einer aus allen Bekenntnissen und Schichten vertretenen geiftigen Lebensge-
meinfchaft, wie sie die neue Lehrerakademie werden kann und werden muß, ge-
lebt und darin seine chriftliche Glaubenskraft wahrhaft als Erneuerungsquell
fchon bewährt hat.
Die Erneuerung der Erde aus dem Glauben, die wir erwarten, hat also nichks
mit einer „religiösen Kultur" nach 2lrt der vergangenen zu tun. „Katholifches"
oder „chriftliches Kulkurprogramm" — dies gehört der vergangenen Epoche
der Reftaurationsversuche an. Alle derarkigen Beftrcbungen ftcllen sich als
Versuche heraus, Welt und Gefchichte durch Religion zu beherrschen.
„Politikaus demGlauben" aberiftnichtHerrschaftder
Kirche über das Leben, sondern Leviten- und Samariter-
dienft der mündigen Glicder der Kirche am Leben.
Auf der Suche nach dem ethischen Felde
der Erziehung
Bon Eberhard Grisebach, Zena
I. Das unbekannte Land
>ie Erdteile sind alle entdeckt, und es Zibt innerhalb ihrer kaum noch ein
^-^Fleckchen Land, zu dem sich nichk fchon ein kühner Reisender Vorgewagt
hätte. Trohdem forfcht man immer noch auf dieser Erde nach weikeren Negio-
nen, die zwar nicht geographifcher ITatur, aber deswegen doch nicht wcniger zur
Besiedelung durch Menfchen beftimmt sind. Bon diesen Regionen ift wohl die
wichtigftc: das ethifche Feld, auf dem die Erziehung der Menfchcn gefchehen
soll.
Es fcheint so, als ob über den allgemeinen Lebensraum der Menfchhcit immer
noch keine Einigkeit beftehe. Tatsächlich betätigten sich die verfchiedcnen Bölker
in ganz unterfchiedlichcn Sphären. Die Griechen wirkten in einer durch die
Idee entfchiedenen Welt, nachdem sie durch Besinnung auf ein beftimmtes
Berhälknis zur Natur den Spielraum der Vcrnunft entdeckt hatten. In
diesem entfaltete sich ihre Phantasie ungehindert und fchuf eine durch dcn Be-
griff und die Idee abgegrenzke, harmonifche, plaftifche Welt der Kunft. Die
Römer ftellten sich auf den praktifchen Boden cines geordncten Staates, und
ihre Gefchichte berichtek von ihrer Ärbeit auf dem Boden des Rechts. Der
miktelalterliche Menfch fand seine Heimat in cinem andersarkigen Gemein-
fchaftsleben, dessen Bindungen sich im Glauben verankerten. Der moderne
Menfch nahm im Anfchluß an die Antike eine Welt in Besih, die die Wissen-
fchaft selbftbewußk ausbauke. Mit dieser verbandcn sich Kunft und Politik zu
gemeinsamer Weltherrfchaft. Bon einem jüngften Gefchlecht endlich sind neue
Arbeitsfelder der „Erinnerung" erfchlossen und von der Technik die Stätkcn der
Wiederholung mit Bezug auf Rkatur und Gefchichke eingerichtck worden.
Das sind nun allerdings sehr verfchiedene Lebensräume, in denen der Menfch
sich mit seiner Arbeit ausgebreitet hat. Bon einem einheitlich beftimmten ethi-
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und für das Volk bilden und erziehen, wenn er nicht in diescr entformten, cnk-
volklichten Zeit in einer Urzelle werdenden Volkstums, eben in
einer aus allen Bekenntnissen und Schichten vertretenen geiftigen Lebensge-
meinfchaft, wie sie die neue Lehrerakademie werden kann und werden muß, ge-
lebt und darin seine chriftliche Glaubenskraft wahrhaft als Erneuerungsquell
fchon bewährt hat.
Die Erneuerung der Erde aus dem Glauben, die wir erwarten, hat also nichks
mit einer „religiösen Kultur" nach 2lrt der vergangenen zu tun. „Katholifches"
oder „chriftliches Kulkurprogramm" — dies gehört der vergangenen Epoche
der Reftaurationsversuche an. Alle derarkigen Beftrcbungen ftcllen sich als
Versuche heraus, Welt und Gefchichte durch Religion zu beherrschen.
„Politikaus demGlauben" aberiftnichtHerrschaftder
Kirche über das Leben, sondern Leviten- und Samariter-
dienft der mündigen Glicder der Kirche am Leben.
Auf der Suche nach dem ethischen Felde
der Erziehung
Bon Eberhard Grisebach, Zena
I. Das unbekannte Land
>ie Erdteile sind alle entdeckt, und es Zibt innerhalb ihrer kaum noch ein
^-^Fleckchen Land, zu dem sich nichk fchon ein kühner Reisender Vorgewagt
hätte. Trohdem forfcht man immer noch auf dieser Erde nach weikeren Negio-
nen, die zwar nicht geographifcher ITatur, aber deswegen doch nicht wcniger zur
Besiedelung durch Menfchen beftimmt sind. Bon diesen Regionen ift wohl die
wichtigftc: das ethifche Feld, auf dem die Erziehung der Menfchcn gefchehen
soll.
Es fcheint so, als ob über den allgemeinen Lebensraum der Menfchhcit immer
noch keine Einigkeit beftehe. Tatsächlich betätigten sich die verfchiedcnen Bölker
in ganz unterfchiedlichcn Sphären. Die Griechen wirkten in einer durch die
Idee entfchiedenen Welt, nachdem sie durch Besinnung auf ein beftimmtes
Berhälknis zur Natur den Spielraum der Vcrnunft entdeckt hatten. In
diesem entfaltete sich ihre Phantasie ungehindert und fchuf eine durch dcn Be-
griff und die Idee abgegrenzke, harmonifche, plaftifche Welt der Kunft. Die
Römer ftellten sich auf den praktifchen Boden cines geordncten Staates, und
ihre Gefchichte berichtek von ihrer Ärbeit auf dem Boden des Rechts. Der
miktelalterliche Menfch fand seine Heimat in cinem andersarkigen Gemein-
fchaftsleben, dessen Bindungen sich im Glauben verankerten. Der moderne
Menfch nahm im Anfchluß an die Antike eine Welt in Besih, die die Wissen-
fchaft selbftbewußk ausbauke. Mit dieser verbandcn sich Kunft und Politik zu
gemeinsamer Weltherrfchaft. Bon einem jüngften Gefchlecht endlich sind neue
Arbeitsfelder der „Erinnerung" erfchlossen und von der Technik die Stätkcn der
Wiederholung mit Bezug auf Rkatur und Gefchichke eingerichtck worden.
Das sind nun allerdings sehr verfchiedene Lebensräume, in denen der Menfch
sich mit seiner Arbeit ausgebreitet hat. Bon einem einheitlich beftimmten ethi-
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