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Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 40,1.1926-1927

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Heft 6 (Märzheft 1927)
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Remmer, Ernst: Erziehung und Jugendbewegung
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Kerschensteiner, Georg: Sitten, Gebräuche, Kulte und Wertträger im Bildungsverfahren
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https://doi.org/10.11588/diglit.8881#0439

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werdung dieuen. Und es soll umgelehrk anch die Volksgemeinschaft wieder der
Nührboden für die Bi'ldung und Erziehung der Einzelnen werdcn. Von Volks-
gcmeinfchaft zu sprechen und auf eine hypothekifche Volksgemeinfchaft Er-
ziehungs- und Bildungskheorien zu gründen, erfcheint heute noch als eine Utopic.
Wer aber die Iügendbewcgung kennk, weiß, daß Volksgemcinfchaft in ihrem
Munde keiu Schlagwork und kcine Phrase, sondern eine im Wachstum be-
grisfene Wirklichkeit ift. Der seelifche Bund der jungen Menfchen, dic iu
verfchiedenen Lagern ftehen, von der äußerflen Nechten bis zur äußerfleu Linken
aber durch ein gemeinsames Lebensgcfühl und eine gemeinsame Geifteshaltung
innerlich verbunden sind, flellk bereits eine werdende Bolksgcmcinfchaft dar.
llnd wcnn das Lcbcn in seiner Zersplikkerung und Auflösung auch dem Ein-
zelncn auf seinem Poflcn Entsagung und Berzicht zumukck, die Iugend hat
doch cincn beglückcnden Lebensinhalt gefunden, der sie für alle Entsagung und
allen Berzichk entfchädigen kann, sie hat das Bolk als Lebensmachk erlebt und
von da fällt ein Licht und Glanz in den einzelnen Menfchentag und gibt ihm
Wärme und Kraft. Und es ifl für sie Volk und Bolksgemcinfchaft nicht
bloß ein irdifcher Wert, sondern er ifl gespeifl und gesättigt vom ewigen Leben.
Im Bolk hat dic Iügend auch Gott erlebt.

Damit ifl auch das entfcheidende Wort über die pädagogifche Bedeutung der
Iügendbewcgung für die Bolksbildung im allgemeinen gesprochcn. Die Ju-
gendbewegung hak kcine Theoric und kein Programm, sie hat fchöpfcrifches
Leben. Wir bcwegen uns sonft nnt denmannigfaltigcnVolksbildungsbeflrebungen
immer in einem trügerifchcn Zirkel. Volksbildung soll Bolksgcmeinfchaft er-
ziclcn. Aber Bolksbildung ift ohnc Bolksgemcinfchafk nicht möglich. Bolks-
gemeinfchaft muß werdcn und wachsen, sie kann nicht mit künfllichen Mitteln
herbeigeführk wcrdcn. Gegcnüber dieser Taksache haben alle pädagogifchen
Theorien und alle politifche Weisheit versagk. Aber wcil in der Iugendbe-
wcgung ein neues Wcrden ftill und fletig vor sich geht, geradc deswegen bietet
sie auch die Gewähr, daß auch in dcr Pädagogik Theoricn durch fchöpfcrifche
Kräfte in der Zukünft abgelöfl werden und nn'L der werdendcn Volksgemein-
fchaft auch die Bildungs- und Erziehungsreform kommcn wird, die keine Re-
form bloß ifl, sondern ncucs Leben.

Sitten, Gebränche, Knlte als Wertträger
im Bilbungsverfahren

Von Gcorg Kerschenfleiner

ulturdinge wie Pfaturdinge, Handlungen wie Eigenfchaften, Vorflellun-
^^gcn wie Gedanken, kurz alles, was man als Erkenntnisobjekt oder Ge-
genfland bezeichnet, kann Träger eines Wertes sein. Aber die Berbindung der
Wcrteigcnfchaft nn't dicsen Bbjekten iß keineswegs bei allen Gcgenfländen dic
glciche. Es trckcn uns hier vier Möglichkeiten gegenüber, die man auf zwei
Gruppcn verteilen kann. Iü die erße Gruppe fallen jene Werteigenfchaften,
die gewisscrmaßcn am Guke sclbft unmittelbar erlebt werden müssen, nämlich
die objektiven oder dic subjektiven, aber allgemein gelkendcn Wcrkc. Die zwcitc
Gruppe dagegen bilden jene Werteigenfchafken, die entweder überhanpk uur

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