Gesamtkunstwerk" dem „szenischen Ge-
samtkunsttverk" Wagners gegenüber-
stellte. — Auch Falla nimmt seln Stoss-
llches auS dem Volksgute; er tvählt die
Episode in Cervantes^ unsterblichem Don
Quixvte, da dieser ältere Bruder aus dem
Süden des jüngeren Peer Gynt auS dem
Norden in einem Bauernstall einem Ma-
rionettenspiel beiwohnt und in seiner gro-
tesken Phantasie vom Ritterspiel so sehr
entsesselt wird, daß er kurzerhand in das
Bühncngeschehen ritkerlich eingreift und
die feindlichen Puppen zerschlägt. Köstli-
ches Theater! Schaulustig und bildfroh,
nicht ohne geistvoll ironisierende Einfälle.
Und dazu eine ungemein wertvolle, rei-
zende, volksechte und eigenwertige Musik.
Jhr Neues und Beglückendes liegt weni-
ger darin, daß klanglich Neues auftaucht
oder erstrebt wird, als vielmehr in der
ganzen Anlage, Geistigkeit, man möchte
fast sagcn: Gesinnung. Begrenzung in
jeder Hinsicht wird zur Meisterschaft, ein
seltenes Formgefühl glättet und rundet
fruchtbare Einfälle, begleitend begnügt
sich die Musik mit Andeutungen feinsten
Geschmacks; wo sie dominierend hcrvor-
tritt (in der einleitenden Sinfonia, in dem
Tanzstück der crsten Szene, im fast zu
großen, fast zu ernsten Finale, der großen
Vision Don Quixotes), da vermag sie
ungemein zu fesseln. Eine solche Mario-
nettenkomödie aus derberem Holz, aus
festerem Griff, das wäre edlen Schwei-
ßes wert!
Die beiden Werke erfreuten sich vornehm-
lich im Musikalischen unter E. Szenkar
einer auSgezeichneten Wiedergabe. Jn den
Bildwirkungen und der Chorbewegung
leistete H. Strohbach Ungewöhnliches;
dem Puppenspiel (in Anbetracht des gro-
ßen Raumes wurden die Marionetten
durch Tänzer an Schnüren dargestellt)
wurde er freilich nicht in dcm Maße ge-
recht; auch versagte der Träger der
Hauptrolle, des Don Quirote. Judith
hatte einen großen Erfolg; Autoren und
Wirkende wurden sehr gefeiert. Die fei-
neren Reize des Puppenspiels wurden
vom Publikum nicht ganz erfaßt; die
Darstellung fand gebührende Zustim-
mung. Walter Berten
Zu uusereu Bildern und Noten
ansvonMareeS (18Z7—1687),
dcssen Todestag wir heuer begc-
hen, ist einer der größten deutschen Ma-
ler, sicher aber des ig. Jahrhunderts;
einer der ganz wem'gen, die antikisch-süd-
liche Formgesinnung mit deutschem Geist
und deutscher Seele erfüllten und daraus
eine neue Form schufen. Das ewige Rom,
wo Marees zumeist gelebt hat und ge-
storben ist, das Rom, in dem auch noch
der Winkel von Größe zeugt, war für
ihn der rechte Platz. Weit wuchs er übcr
die Nazarener hinaus, weit auch über
die müde Größe Feucrbachs, keiner hat
in der Heimak ihn erreicht. Seine Kunst
ist schwer zu verstehen. Auch deshalb, weil
nur wenige seiner Schöpfungen von immer
wiederholten Änderungen und Überma-
lungen freigeblieben, was ihnen ein Relief
mit starken Spiegelungen und etwas
Stückhaftes gibt. Er konnte sich bzw.
seinen hohen Ansprüchen nicht genug tun;
auch hatte er sich gleich Hodler und Cö-
zanne eine Aufgabe gestellk, die früher
ein oder auch mehrere Geschlechker zu
lösen versuchten. Wir sagen das nicht,
um ihn zu entschuldigen. Was Marees
422
hinterlassen, ist ein wundcrbares Geschenk,
um desfen inneren Besitz jeder ringen
sollte, dem die Kunst ein Weg zur Seele
ist. MareeS erstrebt einen klaren, ar-
chitektom'sch gefügtcn Bildbau und betont
deshalb die Senkrechte und dic Wag-
rechte; er will darüber hinauS den Wohl-
klang des Raumes in seiner rhythmischen
Entfaltung. Ähnlich bildet er den Men-
schen als edel freies Gewächs, desscn Or-
ganiSmuS und Funktion zugleich ein
Raumwert wird. Eine tief versonnene
Seele voll männlicher Keuschheit und stil-
ler Größe spricht aus allcn Werken die-
ses Künstlers und bringt uns in ihren
geheiligten Bezirk.
sfn den drei Reiteru hat Mareeö das
Legendarische in seinem geheimnisvollcn
Dämmerlicht und poetischen Zauber erste-
hen lassen und in St. Martin, Hubertuö
und Georg immer wieder anders abge-
wandelt. Wir greifen daS mittlere Bild,
HubertuS heraus. Zunächst der Jnhalt
als Unterlage des Gehaltes. Der Bischof
Hubertus (f 727) war ehedem ein heid-
nischer Ritker und leidenschaftlichcr ffäger.
Als er an eincm christlichen Feiertage in
samtkunsttverk" Wagners gegenüber-
stellte. — Auch Falla nimmt seln Stoss-
llches auS dem Volksgute; er tvählt die
Episode in Cervantes^ unsterblichem Don
Quixvte, da dieser ältere Bruder aus dem
Süden des jüngeren Peer Gynt auS dem
Norden in einem Bauernstall einem Ma-
rionettenspiel beiwohnt und in seiner gro-
tesken Phantasie vom Ritterspiel so sehr
entsesselt wird, daß er kurzerhand in das
Bühncngeschehen ritkerlich eingreift und
die feindlichen Puppen zerschlägt. Köstli-
ches Theater! Schaulustig und bildfroh,
nicht ohne geistvoll ironisierende Einfälle.
Und dazu eine ungemein wertvolle, rei-
zende, volksechte und eigenwertige Musik.
Jhr Neues und Beglückendes liegt weni-
ger darin, daß klanglich Neues auftaucht
oder erstrebt wird, als vielmehr in der
ganzen Anlage, Geistigkeit, man möchte
fast sagcn: Gesinnung. Begrenzung in
jeder Hinsicht wird zur Meisterschaft, ein
seltenes Formgefühl glättet und rundet
fruchtbare Einfälle, begleitend begnügt
sich die Musik mit Andeutungen feinsten
Geschmacks; wo sie dominierend hcrvor-
tritt (in der einleitenden Sinfonia, in dem
Tanzstück der crsten Szene, im fast zu
großen, fast zu ernsten Finale, der großen
Vision Don Quixotes), da vermag sie
ungemein zu fesseln. Eine solche Mario-
nettenkomödie aus derberem Holz, aus
festerem Griff, das wäre edlen Schwei-
ßes wert!
Die beiden Werke erfreuten sich vornehm-
lich im Musikalischen unter E. Szenkar
einer auSgezeichneten Wiedergabe. Jn den
Bildwirkungen und der Chorbewegung
leistete H. Strohbach Ungewöhnliches;
dem Puppenspiel (in Anbetracht des gro-
ßen Raumes wurden die Marionetten
durch Tänzer an Schnüren dargestellt)
wurde er freilich nicht in dcm Maße ge-
recht; auch versagte der Träger der
Hauptrolle, des Don Quirote. Judith
hatte einen großen Erfolg; Autoren und
Wirkende wurden sehr gefeiert. Die fei-
neren Reize des Puppenspiels wurden
vom Publikum nicht ganz erfaßt; die
Darstellung fand gebührende Zustim-
mung. Walter Berten
Zu uusereu Bildern und Noten
ansvonMareeS (18Z7—1687),
dcssen Todestag wir heuer begc-
hen, ist einer der größten deutschen Ma-
ler, sicher aber des ig. Jahrhunderts;
einer der ganz wem'gen, die antikisch-süd-
liche Formgesinnung mit deutschem Geist
und deutscher Seele erfüllten und daraus
eine neue Form schufen. Das ewige Rom,
wo Marees zumeist gelebt hat und ge-
storben ist, das Rom, in dem auch noch
der Winkel von Größe zeugt, war für
ihn der rechte Platz. Weit wuchs er übcr
die Nazarener hinaus, weit auch über
die müde Größe Feucrbachs, keiner hat
in der Heimak ihn erreicht. Seine Kunst
ist schwer zu verstehen. Auch deshalb, weil
nur wenige seiner Schöpfungen von immer
wiederholten Änderungen und Überma-
lungen freigeblieben, was ihnen ein Relief
mit starken Spiegelungen und etwas
Stückhaftes gibt. Er konnte sich bzw.
seinen hohen Ansprüchen nicht genug tun;
auch hatte er sich gleich Hodler und Cö-
zanne eine Aufgabe gestellk, die früher
ein oder auch mehrere Geschlechker zu
lösen versuchten. Wir sagen das nicht,
um ihn zu entschuldigen. Was Marees
422
hinterlassen, ist ein wundcrbares Geschenk,
um desfen inneren Besitz jeder ringen
sollte, dem die Kunst ein Weg zur Seele
ist. MareeS erstrebt einen klaren, ar-
chitektom'sch gefügtcn Bildbau und betont
deshalb die Senkrechte und dic Wag-
rechte; er will darüber hinauS den Wohl-
klang des Raumes in seiner rhythmischen
Entfaltung. Ähnlich bildet er den Men-
schen als edel freies Gewächs, desscn Or-
ganiSmuS und Funktion zugleich ein
Raumwert wird. Eine tief versonnene
Seele voll männlicher Keuschheit und stil-
ler Größe spricht aus allcn Werken die-
ses Künstlers und bringt uns in ihren
geheiligten Bezirk.
sfn den drei Reiteru hat Mareeö das
Legendarische in seinem geheimnisvollcn
Dämmerlicht und poetischen Zauber erste-
hen lassen und in St. Martin, Hubertuö
und Georg immer wieder anders abge-
wandelt. Wir greifen daS mittlere Bild,
HubertuS heraus. Zunächst der Jnhalt
als Unterlage des Gehaltes. Der Bischof
Hubertus (f 727) war ehedem ein heid-
nischer Ritker und leidenschaftlichcr ffäger.
Als er an eincm christlichen Feiertage in


