Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 40,2.1927

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scheiden. Anch in der Aneinandersügung
ist nicht das „Tadellos" der Maschinen-
arbeit erstrebt, sondern das sreiere Arbei-
ken der individuellen Hand wirksam. So
wird daS Ganze ein edles und krastvolleS
Zeugnis srühester Buchbinderkunst, die
neben den monumentalen liturgischen und
Prachtbänden der Goldschmlede und El-
senbeinschnitzer auch sür den alltäglichen
Gebrauch Hochwertiges schuf; ein no-
bles Zeugnis allgemeiner künstlerischer
Kultur.

Die Abbildungen der Buchembände sind
dem in unserm Tribünenaussatz bespro-
chenen Werk „Jahrbuch der Einbanö-
kunst" entnommen. I. P.

*

urt Schubert, von dem wir in
der Musikbeilage ein seiner päda-
gogischen Tätigkeit entsprungenes kleines
Klavierstück brtngen, gehört zu den an-
gesehensten der in Berlin lebenden Kla-
vieristen; besonders hat er durch seine
Beethoven-Auslegung Aufsehen erregt.
Bereits mit ZO Jahren wurde er als Pro-
fessor sür höheres Klavierspiel an die
staatliche Hochschule sür Schul- und Kir-
chenmusik berusen. Er ist am ig. Ok-
tober i6gi in Berlin geboren und zu-
nächst von seinem Vater, der ein eigenes
Musikinstitut leitet, ausgebildet worden,
ehe er Schüler Xaver ScharwenkaS wur-
de. Früh schon stellte sich bei ihm der
Trieb zum eigenen Schassen ein. Sein
Kompositionslehrer war Friedrich Gerns-
heim. Seine größeren Werke, daruntcr
eine Vertonung von Hosmannsthals „Der
Tor und der Tod" und symphonische
Dichtungen, sind noch ungedruckt, ebenso
ein öster ausgesührtes Klavierquintett.
Daß er aber nicht bloß in Liedern und

Klavkerstücken feinsmnige Gedanken nie-
dergelegt hat, daß er vielmehr ein mit
wirklichem Herzblut schassender Tonsetzer
sein kann, davon legt das oft geradezu
ergreisende Ouintett sür Klarinette und
Streichinstrumente ZeugniS ab, mit dem
er seiner srüh vecstorbenen ersteu Gat-
tin ein Denkmal der Liebe und Dankbar-
keit gesetzt hat. Er ist seit einigen Jahren
stellvertretender Vorsitzender des Berliner
Tonkünstlervereins und besorgt vor allem
die Auswahl der zur Aussührung einge-
reichten Werke in einer so unparteiischen
Weise, daß er sich auch deswegen des
größten AnsehenS bei seinen Fachkollegen
und den Konzertbesuchern ersreut.
Hermann Erdlen, der bisher eigent-
lich nur den Sängern zur Laute
wegen seiner zahlreichen lustigen Lieder
bekannt war und jetzt auch unserem Le-
serkreis durch ein Liedchen mit Lautenbe-
gleitung vorgestellt wird, ist vor kurzem
in allen Blättern genannt worden, weil
er bei dem von Miß Cooliöge in
Washington ausgeschriebenen Wettbe-
werb siegreich mit einer Passacaglia sür
großes Orchester hervorgegangen ist und
den Preis von 1000 Dollars eingeheimst
hat. Vorher war ihm das Glück nicht ge-
rade hold gewesen; er hat sich mit Brot-
arbeiten für Verleger und als Dirigcnt
kleiner Chöre durchschlagen müssen und
gar zu wenig Zeit gehabt, sich größeren
künstlerischen Plänen zu widmen. Er ist
am 16. Jnli i6gz in Hamburg geboren
und dort Schüler des Bernuthschen Kon-
servatoriums gewesen; cr lebt noch in
seiner Vaterstadt und betätigt sich neuer-
dings auch als Musikkritlker. Wir dürfen
demnächst von ihm auch eine komische
Oper erwarten. W. A

Verlag von Georg D. W. Callwey,Oruck von Kastner L Callwey in Ntünchen. — Berantwortlich
Dr. Herrnann Rinn, Ntünchen. In Österreich verantwortlich: Paul Sonnenfeld, Wien 1, Fleischmarkt 18. —
Geschäftsstelle für Berlin: Georg Siemens, XV 57, Kurfürstenstraße 6; Geschciftsstelle für Wien:

Paul Sonnenfeld, 1, Fleischmarkt iö.

Sendungen für den Text nur nach vorberiaer Dereinbarung, da sonst keine Derantwortung übernommen werden
kann, an den Kunstwart-Derlag Georg D. W. Callwey in München 12 ,Finkenstraße 2.
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