Du Iahr, das schicksalsmächtig,
Im Schurz eiserne Saat,
Mit Säerschritt bedächtig
Den Erdenvölkern naht:
Was würd ich wohl erschauen
In dieser trauten Welt?
Lachende grüne Auen,
Vom Feind zerstampftes Feld?
Vom tzeute fürs Morgen
Laßt das Vergangene ver-
gangen sein!
^olange wir einig sind, kann
>§uns nichts widerstehn, das ist
das eine, und das zweite ist dies:
unsre Einigkeit im Kampf ist Aus«
fluß unsrer Einigkeit im Volk. Dar-
über sind sich Regierung und tzeeres-
leitung vollkommen klar, deshalb
benutzen sie jede Gelegenheit, um
vor allem zu warnen, was Un-
einigkeit ins Volk bringen könnte.
Auch unsre Presse hat innerm Streit
auf der ganzen Linie tzalt geblasen.
Es sind Außenseiter und Durch-
brenner, gegen die wir uns wen-
den. Leute, die das nicht lassen kön-
nen, auch jetzt zu sagen: „Damals
waren die Konservativen ganz an-
ders!" „Damals waren die Roten
nicht national!" „Damals waren
die Zentrumsleute nicht tolerant!"
und so weiter durchs Parteiregister
fort. Begreiflich ist's ja, daß das
alte Schwungrad in uns sich weiter-
drehn will, aber da hilft gar nichts:
wir müssen's hemmen. Wir müs-
sen in allen Parteien mit sester
tzand eingreifen, wo Außerungen
solcher Art Unfrieden stiften könn-
ten. Laßt das Vergangene vergan-
gen sein — jetzt ist die Aufgabe,
nach aller Menschenmöglichkeit rei-
nen Tisch zu machen und von vorn
anzufangen.
Aur zwei Ausnahmen sollte es
geben.
Die erste: wo nicht Meinungs«
verschiedenheiten, sondern Vied-
rigkeitenin Rede stehn. Für sitt-
lich Anrüchige und Nur-Geschäfte-
macher darf es auch im politischen
Leben keinen Generalpardon geben.
Wer gelogen und verleumdet hat,
der bleibe draußen — wir brauchen
Reinlichkeit in allen unsern Kreisen.
Die zweite: wir sollten Vergange-
nes sogar mit Vergnügen heran-
ziehn, um unter uns, um unter
Gesinnungsgenossen Irrtümer
aufzuklären. Ans allen mit-
einander würde das überaus be-
kömmlich sein. Denn wir alle ohne
jede Ausnahme haben uns ja in der
Beurteilung der Dinge da und dort
gründlichst geirrt. A
Vom Glück der Gewißheit
enn es etwas gibt, was auf
Massen wie auf einzelne demo-
ralisierend wirkt, so ist es die Oual
der Angewißheit in großen Schicksal-
stunden. Man sieht kein Ende und
kommt zu keinem innern Lntschluß.
Rnd dem Tatkräftigsten scheint die
Bahn des Lebens versperrt. Sowie
aber eine Entscheidung fällt, weiß der
Entschlossene, welchen Weg er zu
gehen hat. Darum ist jede Entschei-
dung in schwebenden Zuständen eine
Erlösung.
Dies haben wir erlebt. Wir
schwankten, wir standen auf keinem
sicheren Boden mehr, solange der
Meldeapparat der Presse uns täglich
99
Im Schurz eiserne Saat,
Mit Säerschritt bedächtig
Den Erdenvölkern naht:
Was würd ich wohl erschauen
In dieser trauten Welt?
Lachende grüne Auen,
Vom Feind zerstampftes Feld?
Vom tzeute fürs Morgen
Laßt das Vergangene ver-
gangen sein!
^olange wir einig sind, kann
>§uns nichts widerstehn, das ist
das eine, und das zweite ist dies:
unsre Einigkeit im Kampf ist Aus«
fluß unsrer Einigkeit im Volk. Dar-
über sind sich Regierung und tzeeres-
leitung vollkommen klar, deshalb
benutzen sie jede Gelegenheit, um
vor allem zu warnen, was Un-
einigkeit ins Volk bringen könnte.
Auch unsre Presse hat innerm Streit
auf der ganzen Linie tzalt geblasen.
Es sind Außenseiter und Durch-
brenner, gegen die wir uns wen-
den. Leute, die das nicht lassen kön-
nen, auch jetzt zu sagen: „Damals
waren die Konservativen ganz an-
ders!" „Damals waren die Roten
nicht national!" „Damals waren
die Zentrumsleute nicht tolerant!"
und so weiter durchs Parteiregister
fort. Begreiflich ist's ja, daß das
alte Schwungrad in uns sich weiter-
drehn will, aber da hilft gar nichts:
wir müssen's hemmen. Wir müs-
sen in allen Parteien mit sester
tzand eingreifen, wo Außerungen
solcher Art Unfrieden stiften könn-
ten. Laßt das Vergangene vergan-
gen sein — jetzt ist die Aufgabe,
nach aller Menschenmöglichkeit rei-
nen Tisch zu machen und von vorn
anzufangen.
Aur zwei Ausnahmen sollte es
geben.
Die erste: wo nicht Meinungs«
verschiedenheiten, sondern Vied-
rigkeitenin Rede stehn. Für sitt-
lich Anrüchige und Nur-Geschäfte-
macher darf es auch im politischen
Leben keinen Generalpardon geben.
Wer gelogen und verleumdet hat,
der bleibe draußen — wir brauchen
Reinlichkeit in allen unsern Kreisen.
Die zweite: wir sollten Vergange-
nes sogar mit Vergnügen heran-
ziehn, um unter uns, um unter
Gesinnungsgenossen Irrtümer
aufzuklären. Ans allen mit-
einander würde das überaus be-
kömmlich sein. Denn wir alle ohne
jede Ausnahme haben uns ja in der
Beurteilung der Dinge da und dort
gründlichst geirrt. A
Vom Glück der Gewißheit
enn es etwas gibt, was auf
Massen wie auf einzelne demo-
ralisierend wirkt, so ist es die Oual
der Angewißheit in großen Schicksal-
stunden. Man sieht kein Ende und
kommt zu keinem innern Lntschluß.
Rnd dem Tatkräftigsten scheint die
Bahn des Lebens versperrt. Sowie
aber eine Entscheidung fällt, weiß der
Entschlossene, welchen Weg er zu
gehen hat. Darum ist jede Entschei-
dung in schwebenden Zuständen eine
Erlösung.
Dies haben wir erlebt. Wir
schwankten, wir standen auf keinem
sicheren Boden mehr, solange der
Meldeapparat der Presse uns täglich
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