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Kunstwart und Kulturwart — 28,1.1914

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Heft 4 (2. Novemberheft 1914)
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Fidus: An die deutschen Künstler
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Lose Blätter
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https://doi.org/10.11588/diglit.14418#0164

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Rrchard Wagners genannt. Allmählich aber haben sich anch in der
sichtbaren Kunst sittlich gestaltende Kräfte eingefnnden, und im Leben
unsrer neuen Iugend und in den modernen Tummelplätzen der mo«
dernen Leibeszucht finden wir ihre Auswirkungen wieder. Wir gehen
einer neuen, erhöhten, verinnerlichten Griechenkultur entgegen, einer
neuen Lebenskunst!

Nein, deutsche Künstler) sagt nicht länger, ihr hättet jetzt nichts zu Lun,
wenn ihr nicht im Felde steht. Mcht einmal weniger zu essen werdet ihr
haben, wenn ihr endlich euch dem weihet, was not tut, wonach Millionen
Herzen und Hände im Volke schon offen sind!

Woltersdorf bei Erkner, im Oktober Fidus

Lose Blätter

Den Gefallenen

IZwei Reihen von Kämpfern ziehn sich von der Nordsee zum Wasgau,
von der Ostsee zu den Karpathen, dazwischen ruht das weite Land wie
im Frieden. An dem schmalen Kranz der Schützengräben und Batte«
rien hängt die Zukunft des Landes. Wird er durchbrochen, so fluten Tod,
Brand, tzunger und Armut herein, decken alles mit giftigem Nebel zu
und ersticken tausend Keime einer frohen Zukunft. Alle Sinne des Lan-
des Horchen nach jenen beiden Linien hin, auf ihr leises tzin- und tzer-
zittern, ihr Vorwärts-- und Rückwärtsschieben. Rnd wie diese Linien
schwingen, so ergießen sich breite Wogen von tzoffnung oder Sorge, von
Freude oder Schmerz über das Land. Zwischen diesen vollen Wogen
der Gefühle laufen tausend feine kleine Wellen aus dem Lande zu den
Linien der Kämpfer und von diesen zurück zu den Millionen tzerzen des
Landes. In die Schützengräben schlagen die Granaten, hie und da trifft
eine Flintenkugel. Nnd dann zuckt irgendwo im Lande ein Schmerz auf —
Frauen sind Witwen, Kinder sind vaterlos geworden, Eltern haben ihre
Söhne verloren.

Während sonst der einzelne eben als einzelner stirbt, ist jetzt jeder Tod
draußen in der Schutzwehr des Landes unabtrennbar verknüpft mit Zwecken
und Werten, die über den einzelnen Menschen hinausliegen. Der Tod
hat einen klaren, eindeutigen Sinn bekommen: für das Vaterland. Trotz-
dem: er ist jedesmal das Abreißen einer Lebensfolge, die aus unendlicher
Vergangenheit kommend unendliche Zukunftsmöglichkeiten in sich trug.
Und er ist jedesmal die Zerstörung eines in die Welt eingreifenden, in
seiner Art einzigen Willens. Können wir uns, wo solche Werte ver-
nichtet werden, in dem Gedanken befriedigen, es sei zu dem und dem
Zweck geschehn? So bleiben viele Fragen und Schmerzen. Ieder erlebt
sie und muß damit auf seine Weise fertig werden. Doch lohnt sich auch
hier eine Anfrage bei den Großen unsres Volkes. In einer Zeit, da so
viele Gehirne den Gedanken des Todes denken, möchten wir eine Anzahl
der Antworten unsrer Großen zusammenstellen. Geben sie im Grunde
„nur^ Stimmungen — ist denn die Stimmung gegenüber dem Tode nicht
das Wesentliche für den Lebenden? St.^
 
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