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Kunstwart und Kulturwart — 28,4.1915

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Heft 19 (1. Juliheft 1915)
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Drei Gellertsche Fabeln
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Vom Heute fürs Morgen
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https://doi.org/10.11588/diglit.14421#0037

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Der Erbe ließ ihm nie die vorige Gestalt:

Das Außenwerk ward neu, er selbst, der Hut, blieb alt.
"Und, daß ich's kurz zusamrnenzieh,

Es ging dem Hute sast wie der Philosophie.

Epiktet

<>>erlangst du ein zusriednes Herz,

^So lenr die Knnst, dich stoisch zn besiegen,

Rnd glaube fest, daß deine Sinne trügen.

„Der Schmerz ist in der Tat kein Schmerz
Rnd das Vergnügen kein Vergnügen";

Sobald du dieses glaubst, so nimmt kein Glück dich ein,
And du wirst in der größten Pein
Noch allemal zusrieden sein.

„Das", sprichst du, „kann ich schwer verstehen,

Ist auch die stolze Weisheit wahr?"

Du sollst es gleich bewiesen sehen;

Denn Epiktet stellt dir ein Beispiel dar.

Ihn, als er noch ein Sklave war,

Schlug einst sein Herr mit einem starken Stabe
Zweimal sehr hestig auf das Bein.

„Herr," sprach der Philosoph, „ich bitt Ihn, laß Er's sein,
Denn sonst zerschlägt Er mir das Bein."

„Gut, weil ich dir's noch nicht zerschlagen habe,

So soll es«, rief der Herr, „denn gleich zerschlagen sein."
Rnd draus zerschlug er ihm das Bein.

Doch Epiktet, anstatt sich zn beklagen,

Fing ruhig an: „Da sieht Er's nun!

Hab ich's Ihm nicht gesagt, Er würde mir's zerschlagen?"

Dies, Mensch, kann Zenons Weisheit tun!

Besiege die Natur durch diese starken Gründe,

Und willst du stets zusrieden sein,

So bilde dir erhaben ein,

Lust sei nicht Lust und Pein nicht Pein.

„Allein/ sprichst du, „wenn ich das Gegenteil empfinde,
Wie kann ich dieser Meinung sein?"

Das weiß ich selber nicht; indessen klingt's doch fein,
Trotz der Natur sich stets gelassen sein.

Vom tzeute fürs Morgen

Siegwurzeln

nd wenn ich dann in füns Iah--
ren genug Gehalt haben werde,
um dich heimführen zu können,
Else -«

„Du täuschst dich, Fritz, nicht mich
führst du heim in fünf Iahren."
„Sondern?"

„Deinen Gehalt/

„Und dich, Else, dich?^

2l
 
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