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Kunstwart und Kulturwart — 28,4.1915

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Heft 20 (2. Juliheft 1915)
DOI article:
Avenarius, Ferdinand: Parlamentäre der Unbewaffneten?
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Wolffen, Ansgar von: Die Hoffnung des baltischen Deutschtums
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https://doi.org/10.11588/diglit.14421#0067

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Frieden damit warten, wir wollen, daß der Besonnene dem Besonnenen
auch ins Feindesland jetzt schon hinübersage: was an Gut gemeinsam
ist, das müssen wir auch mitsammen hüten! Wir wollen's minde-
stens zu hüten versuchen, so viel oder so wenige unser sind! And wie
bescheiden immer, ein Korn Gelingen wird sicher schon im ersten Versuche
sein. Denn wenn wir auch nur wissen: auch drüben sind Menschen, die
das wollen, so wird schon das uns starken.

Die Menschheit hat sich das „Rote Kreuz" geschasfen, das im Kriege
nicht nach Freund oder Feind fragt. Doch für die Gefahren, von denen
wir sprechen, für die Wunden, für die Zerreißungen der Gesellschast, an
die wir denken, für die gibt es kein Rotes Kreuz. Ich glaube auch nicht,
daß sich während des Krieges eins schaffen ließe, wie man Ahnliches
angeregt hat. Ich glaube, daß man besser versucht, es im Frieden zu bil-
den. Und ich bezweifle nach all den Erfahrungen der „Internationale"
selbst für solch eine Bildung im Frieden, ob es sich in diesem Iahrhundert
schon während eines neuen Krieges würde halten lassen. Das sind
Fragen, die auch wir Deutschen der ernstesten Gedanken und der kühnsten
Versuche durch das wert Halten, was schließlich allein entscheiden kann,
durch die Tat.

Vielleicht aber könnten wir uns eine andre Linrichtung des Krieges schon
jetzt zum Vorbild nehmen. Haben die KLmpfenden zu besprechen, was beide
angeht, so schicken iie Parlamentäre aus. Offiziere von Klugheit und
von Takt, von denen jeder weiß, daß sie durchaus die Sache ihres Heeres,
ihres Vaterlandes vertreten, und die man doch mit aller Rücksicht, mit
aller Achtung behandelt. Sie legen Fragen vor und beantworten Fragen,
sie suchen über das, weswegen sie gekommen sind, eine Verständigung zu
erreichen. Kann es keine Parlamentäre der Nichtkämpfer geben?
Haben wir uns weniger in Zucht, als unsre Soldaten, so daß wir besorgen
müßten, aus den Aussprachen würde ein Geschelt? Gestehen wir ein:
nach dem jähen Ausbruch des Krieges war selbst für die Führenden die
Erregung zu groß, als daß ein Selbstbeherrschen ganz glücken konnte.
Aber nach fast einem Iahre des Kampfes . . .

Wollen Sie Parlamentär der Nichtkämpfer sein, Rolland? Wollen
Sie an dieser Stelle hier, wo Sie weit gehört werden, zu uns Deutschen
sprechen und Antwort empfangen? Ich sichere Ihnen für die Antworten
von unsrer Seite dasselbe zu, wessen wir von Ihrer Seite gewiß sind:
Ritterlichkeit und den Willen, nach bester Einsicht die Wahrheit zu
suchen. Ferd. Avenarius

Die Hoffnung des baltischen Deutschtums

/^v^-ie oft mußte ich während des Krieges an den Abend des 2s. April
P Hl902 zurückdenken, der uns Söhne der Alma Mater Dorpatensis
in Berlin zur hundertjährigen Gedenkfeier ihrer Gründung ver-
eint sah — so vollzählig wie kein andrer Tag seit etwa zwanzig Iahren.
Es war eine stattliche Schar — wohl zweihundert Köpfe —, von der weitaus
die meisten hier in allen Berufen mit akademischer Vorbildung wirkten,
unter ihr mehrere Hochschullehrer. Eine deutsche Rniversität Dorpat gab

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