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Kunstwart und Kulturwart — 28,4.1915

DOI issue:
Heft 21 (1. Augustheft 1915)
DOI article:
Bonus, Arthur: Für welche Weltgedanken kämpfen wir?
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https://doi.org/10.11588/diglit.14421#0111

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rief. Man weiß ja, wieviel schon für Luther die freie Selbftbestimrnung des
deutschen Volkes als solchen bedeutete. Beides gehört eben zusarnmen: der
Blick, der in der Tiefe die Selbstverantwortung der Linzelpersonen schaut,
sieht auch die der Volkspersönlichkeit.

/^v^-eshalb, wenn die Vorbereitung zum abendländischen Staatenbund
H ^so weit bereits vorgeschritten war, mußte noch dieser Kriegsausbruch
^^^kommen? Er war, soweit sich sehen läßt, schlechthin notwendig. Die
Verhandlungen hätten einen bestimmten Punkt nie überschreiten können,
weil sie vor der Tatsache haltmachen mußten, daß die Welt sich sozusagen
in Privatverwaltung Englands befand.

England hatte mit den beiden nächst ihm das meiste Land besitzenden
Staaten, Frankreich und Rußland, eine Art Trust oder Ring gebildet zur
Abwehr der Konkurrenz. An dem nationalen Egoismus dieser drei Staaten
mußte jede Fortentwicklung der Organisation des Abendlandes scheitern.
Auch mit einem Einzelkrieg, etwa gegen Rnßland, war nichts geschafft.
Mußte der Krieg kommen, so war es schon besser, er kam in seiner ganzen
natürlichen Ausdehnung.

Der Kamps geht um die Selbständigkeit und Gleichberechtigung der
Völker in einer gemeinsamen Organisation mit gemeinsam geordneter Lr-
ziehung der Minderjährigen, will sagen: der Wilden.

Kämpft Deutschland für dieses Ziel, so kämpft es für die fortschreitende
Entwicklung selbst, so ist es im Bunde mit dem ewigen Höherhinauf, das
wohl seine Träger wechseln, aber nie selbst abbrechen kann. Ls kämpft für
die Vernunft der Entwicklung, die endlich durchdringen muß.


,Lmpft Deutschland für dieses Ziel, so kämpft es zudem einen Völker--
'befreiungskrieg. Schließlich müssen die Völker, die nicht von den
'Ringmächten gar zu eng an der Leine ihrer Nachrichten und ihrer Auf-
sassung gehalten werden, merken, auf welche Seite sie gehören. Vorläufig
können auch die besser unterrichteten noch nicht, wie sie möchten, weil sie
noch zu sehr in Furcht sind vor der weltbeherrschenden Flotte Englands.
Hat die einen Stoß erlitten, so werden nicht mehr acht Staaten gegen zwei
kämpsen. Aber das ist ja bei jedem Befreiungskampf der Ansang: die,
welche befreit werden müssen, kämpfen gegen ihre Befreier.

Dann aber ist alle Welt noch immer vom alten Nnterjochungsgedanken
beherrscht. Die Kleinstaaten glauben, daß sie ihre Bedränger höchstens
wechseln, aber nicht loswerden können. Erweist sich ein neuer Staat kräf-
tiger als ihre alten Herren, so, denken sie, bedeutet das nur, daß sie für
einen schlafseren einen strafferen Herrn bekommen.

Am liebsten bleiben sie neutral, um womöglich durch kluge Ausnutzung
der Zwischenzeit selbst in die Linie der Wettbewerber rücken zu können.

Es fehlt die große befreiende Idee, das Bannerwort.

schildert in seinem „Kronprätendenten" den Kampf zwischen vier
^^Thronforderern. Drei von ihnen glauben, daß die Stämme ihres
^FVolkes einer gegen den andern kämpfen müssen in alle Lwigkeit; nur
so kann der Kluge sie beherrschen. Der vierte aber hat den schöpferischen
Gedanken, das neue Ideal vom versöhnten Einheitsvolk. Dieser „Königs-
gedanke" gibt ihm sieghaste Kraft, gibt ihm unüberwindlichen Glauben an
sich selbst, an seine Aufgabe, an den Sieg und bricht zugleich die Kraft der
anderen Thronforderer.

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