macht werden. Möglich ist das. Nur
organisiert muß die Bildung wer-
den. Da die Auslanddeutschen das
bisher aus eigener Krast nicht er--
reichten — es ist allerdings zu hos-
fen, daß sie sich fortan dieser Aus-
gabe mehr annehmen werden —, so
muß das Vaterland eingreifen, denn
es handelt sich um Notwendig-
keiten. Und in keinem Lande
dürste zurzeit diese Notwendigkeit
dringender sein als in der Türkei.
Die Türken sind bereit, ihr
Bildungswesen nach deutschem Mu-
ster zu bilden. Sie haben sich einen
hervorragenden deutschen Schulmann
als Beirat in ihr Nnterrichtsministe-
rium geholt und einige deutsche Leh-
rer angestellt. Aber die deutsche Pä-
dagogik kann doch nur in wirklich
deutschen Schulen vorbildlich gezeigt
werden, und darum sollten wir uns
schnell entschließen, für das deutsche
Schulwesen in der Türkei einmal
in großzügiger Weise Werbekapita-
lien anzulegen und wenigstens eine
deutsche Musterschule zu gründen. fiusl
Georg Kleibömer
Ein Versehen
ist beim Zusammenstellen des letzten
Heftes untergelaufen: der schöne
Schnittdruck „Heißer Tag" von Bud-
zinski hätte auf das letzte Blatt mit
freier Rückseite gehört, die kleine
Lese von feindlichen Karikaturen
aber, die jetzt dort steht, zu der
Rundschau „Vom Heute fürs Mor-
gen" in den Text. So hätte das
Heft am Schluß den Akkord wieder
aufgenommen, den es mit dem Ernte-
bild vorn und mit der ersten Kopf-
leiste angeschlagen hatte und der auch
in dem heitern Schlußbildchen an-
klang. Vielleicht ist das Versehen
manchem Betrachter nicht bewußt
geworden, aber ein unbehagliches
Gefühl wird den meisten gekommen
sein: da stimmt etwas in dem Hefte
nicht, es wirkt nicht als Ganzes.
Gerade darauf legen wir aber gro-
ßes Gewicht, daß unsre Hefte ein-
fchließlich der Bilder und Noten
„komponiert" find. Zwar wäre es
auch dem geschicktesten Herausgeber
kaum jemals möglich, mit einem Zeit-
schristenheft ein kleines „Gesamt-
kunstwerk" aus all seinem Inhalte zu
schaffen, den ja nicht er allein wählt,
den die Zeit und die Verhältnisse
bringen und beschränken. Aber das
geht ja leider allen Idealen so, daß
sie sich nicht restlos verwirklichen
lassen — Leitbilder können sie
trotzdem bleiben. A
Mannigfaltigkeit der Neli-
gionen
^^nzählige Gestalten der Religion
^-sollen sich entwickeln von allen
Punkten aus, und derjenige, der sich
nicht in eine von den schon vor-
handenen schickt, ich möchte sagen:
der nicht imstande gewesen wäre, sie
selbst zu machen, wenn sie noch nicht
existiert hätte, der wird auch gewiß
zu keiner von ihnen gehören, sondern
eine neue machen. Bleibt er allein
damit und ohne Iünger: es schadet
nicht. Immer und überall existieren
Keime desjenigen, was noch zu kei-
nem weiter ausgebreiteten Dasein
gelangen kann: aber sie existieren
doch, und so existiert auch seine Re-
ligion, und hat ebensogut eine be-
stimmte Gestalt und Organisation,
ist ebensogut eine eigene positive
Religion, als ob er die größte Schule
gestiftet hätte. Ihr seht, daß die vor-
handenen Formen keinen Menschen
durch ihr früheres Dasein hindern,
sich eine Religion seiner eigenen
Natur und seinem Sinn gemäß aus-
zubilden. Schleiermacher
sß?
organisiert muß die Bildung wer-
den. Da die Auslanddeutschen das
bisher aus eigener Krast nicht er--
reichten — es ist allerdings zu hos-
fen, daß sie sich fortan dieser Aus-
gabe mehr annehmen werden —, so
muß das Vaterland eingreifen, denn
es handelt sich um Notwendig-
keiten. Und in keinem Lande
dürste zurzeit diese Notwendigkeit
dringender sein als in der Türkei.
Die Türken sind bereit, ihr
Bildungswesen nach deutschem Mu-
ster zu bilden. Sie haben sich einen
hervorragenden deutschen Schulmann
als Beirat in ihr Nnterrichtsministe-
rium geholt und einige deutsche Leh-
rer angestellt. Aber die deutsche Pä-
dagogik kann doch nur in wirklich
deutschen Schulen vorbildlich gezeigt
werden, und darum sollten wir uns
schnell entschließen, für das deutsche
Schulwesen in der Türkei einmal
in großzügiger Weise Werbekapita-
lien anzulegen und wenigstens eine
deutsche Musterschule zu gründen. fiusl
Georg Kleibömer
Ein Versehen
ist beim Zusammenstellen des letzten
Heftes untergelaufen: der schöne
Schnittdruck „Heißer Tag" von Bud-
zinski hätte auf das letzte Blatt mit
freier Rückseite gehört, die kleine
Lese von feindlichen Karikaturen
aber, die jetzt dort steht, zu der
Rundschau „Vom Heute fürs Mor-
gen" in den Text. So hätte das
Heft am Schluß den Akkord wieder
aufgenommen, den es mit dem Ernte-
bild vorn und mit der ersten Kopf-
leiste angeschlagen hatte und der auch
in dem heitern Schlußbildchen an-
klang. Vielleicht ist das Versehen
manchem Betrachter nicht bewußt
geworden, aber ein unbehagliches
Gefühl wird den meisten gekommen
sein: da stimmt etwas in dem Hefte
nicht, es wirkt nicht als Ganzes.
Gerade darauf legen wir aber gro-
ßes Gewicht, daß unsre Hefte ein-
fchließlich der Bilder und Noten
„komponiert" find. Zwar wäre es
auch dem geschicktesten Herausgeber
kaum jemals möglich, mit einem Zeit-
schristenheft ein kleines „Gesamt-
kunstwerk" aus all seinem Inhalte zu
schaffen, den ja nicht er allein wählt,
den die Zeit und die Verhältnisse
bringen und beschränken. Aber das
geht ja leider allen Idealen so, daß
sie sich nicht restlos verwirklichen
lassen — Leitbilder können sie
trotzdem bleiben. A
Mannigfaltigkeit der Neli-
gionen
^^nzählige Gestalten der Religion
^-sollen sich entwickeln von allen
Punkten aus, und derjenige, der sich
nicht in eine von den schon vor-
handenen schickt, ich möchte sagen:
der nicht imstande gewesen wäre, sie
selbst zu machen, wenn sie noch nicht
existiert hätte, der wird auch gewiß
zu keiner von ihnen gehören, sondern
eine neue machen. Bleibt er allein
damit und ohne Iünger: es schadet
nicht. Immer und überall existieren
Keime desjenigen, was noch zu kei-
nem weiter ausgebreiteten Dasein
gelangen kann: aber sie existieren
doch, und so existiert auch seine Re-
ligion, und hat ebensogut eine be-
stimmte Gestalt und Organisation,
ist ebensogut eine eigene positive
Religion, als ob er die größte Schule
gestiftet hätte. Ihr seht, daß die vor-
handenen Formen keinen Menschen
durch ihr früheres Dasein hindern,
sich eine Religion seiner eigenen
Natur und seinem Sinn gemäß aus-
zubilden. Schleiermacher
sß?


