Wir und die Fremden
/v^-er sind diese „Fremden^? Es ist ein IaHr her, da waren es
7^/H Hdie Angehörigen von Völkern, mit denen wir in einer Kultur-
gemeinschaft gelebt haben, die zn uns kamen und die wir aus-
suchten, um an wissenschaftlichen Anstalten zu lehren und zu lernen, um
künstlerische Anregungen zu tauschen, um die Kenntnis fremder Sprachen
zu vermitteln, um als Kurbedürftige Genesung zu suchen, als Handels-
reisende kaufmännische Verbindungen zu knüpfen und zu erhalten, als
Vergnügungsreisende fremde Natur- und Kunsteindrücke zu genießen, Land
und Leute kennen zu lernen. Ob wir dabei überhaupt oder im Einzel-
fall mehr die Gebenden oder die Nehmenden waren, bleibe hier un-
untersucht.
Wer sind jetzt diese Fremden? Zum großen Teile die Angehörigen
von Staaten, die in Äberzahl in einem von ihnen vorbereiteten Kriege uns
bekämpfen, um unsre wirtschaftliche Kraft und unsre politische Macht,
die auf unsrer Kulturentwicklung erwuchs, zu brechen oder einzuschnüren,
die unsre Kriegstaten durch Lügen vor der Welt ungeschehen machen
wollen, die unsre Kriegführung verleumden und uns Barbaren schelten,
und die unsre Landsleute, die in jenen Staaten blieben oder zurück-
gehalten wurden, an Freiheit, Gut und Gesundheit bedrohen. Von die-
sem Teile der Fremden wird hier die Rede sein.
Kann die Nebeneinanderstellung: „Wir und die Fremden" anderes be-
deuten, als empörte Feindschaft, solange der Krieg dauert, und unstill-
baren Haß über ihn hinaus? Man hört das oft entweder als Not-
wendigkeit fordern oder als bedauernde Befürchtung äußern.
Nichts von dem ist recht oder auch nur richtig.
Nirgends wurde bei Ausbruch des Krieges der Fremde so gut be-
handelt wie in Deutschland und in Osterreich; und nirgends wird er im
Kriege selbst als Verwundeter oder Gefangener so menschenfreundlich ge-
pflegt und gehalten. Nnd das ist ein Ehrentitel unseres kraftbewußten und
darum ritterlichen Volkes. Man ergriff nun „Vergeltungsmaßregeln" da-
gegen, daß unsere Feinde es anders machen. Das Wort ist nicht gut und
trifst nicht die Sache. Wir wollen durch Zwangsmaßregeln keine „Ver-
geltung", sondern besseren Schutz unserer Landsleute erreichen. Gelänge
uns das, so wären die Maßregeln dadurch gerechtfertigt; gelingt es nicht,
dann wird es uns selbst am meisten leid sein, sie ergriffen zu haben, denn
wir wurden gegen unser Empfinden zu ihnen gedrängt.
Die deutsche und österreichische Kriegführung hat wie keine andere
den Grundsatz der völligen Scheidung zwischen Angehörigen und Nicht-
angehörigen des tzeeres rein ausgeprägt. Der Kampffähige und Kampf-
pslichtige steht im Volksheere; wer im Kriege mitwirkt, trägt osfen das
Abzeichen der Heeresangehörigkeit und nimmt ihre Mühen, Gefahren und
Ehren auf sich. Versteckten Angriff im schützenden Friedenskleide ver-
achten wir mit Recht als feig. Die Zivilbevölkerung hat die unvermeid-
baren Leiden und Gefahren des Krieges zu tragen; sonst aber kann der
Einzelne mit Weib und Kind, mit Hab und Gut ruhig in seinem Hause
den feindlichen Soldaten einquartiert sehen. Darum muß dieser aber auch
ebenso ruhig dort seinen todmüden Körper zum Schlase hinstrecken können.
Nur dies Verhalten verbürgt Menschlichkeit der Kriegführung. Im Inter-
esse dieser Menschlichkeit mußte der belgische Franktireurverrat mit der
/v^-er sind diese „Fremden^? Es ist ein IaHr her, da waren es
7^/H Hdie Angehörigen von Völkern, mit denen wir in einer Kultur-
gemeinschaft gelebt haben, die zn uns kamen und die wir aus-
suchten, um an wissenschaftlichen Anstalten zu lehren und zu lernen, um
künstlerische Anregungen zu tauschen, um die Kenntnis fremder Sprachen
zu vermitteln, um als Kurbedürftige Genesung zu suchen, als Handels-
reisende kaufmännische Verbindungen zu knüpfen und zu erhalten, als
Vergnügungsreisende fremde Natur- und Kunsteindrücke zu genießen, Land
und Leute kennen zu lernen. Ob wir dabei überhaupt oder im Einzel-
fall mehr die Gebenden oder die Nehmenden waren, bleibe hier un-
untersucht.
Wer sind jetzt diese Fremden? Zum großen Teile die Angehörigen
von Staaten, die in Äberzahl in einem von ihnen vorbereiteten Kriege uns
bekämpfen, um unsre wirtschaftliche Kraft und unsre politische Macht,
die auf unsrer Kulturentwicklung erwuchs, zu brechen oder einzuschnüren,
die unsre Kriegstaten durch Lügen vor der Welt ungeschehen machen
wollen, die unsre Kriegführung verleumden und uns Barbaren schelten,
und die unsre Landsleute, die in jenen Staaten blieben oder zurück-
gehalten wurden, an Freiheit, Gut und Gesundheit bedrohen. Von die-
sem Teile der Fremden wird hier die Rede sein.
Kann die Nebeneinanderstellung: „Wir und die Fremden" anderes be-
deuten, als empörte Feindschaft, solange der Krieg dauert, und unstill-
baren Haß über ihn hinaus? Man hört das oft entweder als Not-
wendigkeit fordern oder als bedauernde Befürchtung äußern.
Nichts von dem ist recht oder auch nur richtig.
Nirgends wurde bei Ausbruch des Krieges der Fremde so gut be-
handelt wie in Deutschland und in Osterreich; und nirgends wird er im
Kriege selbst als Verwundeter oder Gefangener so menschenfreundlich ge-
pflegt und gehalten. Nnd das ist ein Ehrentitel unseres kraftbewußten und
darum ritterlichen Volkes. Man ergriff nun „Vergeltungsmaßregeln" da-
gegen, daß unsere Feinde es anders machen. Das Wort ist nicht gut und
trifst nicht die Sache. Wir wollen durch Zwangsmaßregeln keine „Ver-
geltung", sondern besseren Schutz unserer Landsleute erreichen. Gelänge
uns das, so wären die Maßregeln dadurch gerechtfertigt; gelingt es nicht,
dann wird es uns selbst am meisten leid sein, sie ergriffen zu haben, denn
wir wurden gegen unser Empfinden zu ihnen gedrängt.
Die deutsche und österreichische Kriegführung hat wie keine andere
den Grundsatz der völligen Scheidung zwischen Angehörigen und Nicht-
angehörigen des tzeeres rein ausgeprägt. Der Kampffähige und Kampf-
pslichtige steht im Volksheere; wer im Kriege mitwirkt, trägt osfen das
Abzeichen der Heeresangehörigkeit und nimmt ihre Mühen, Gefahren und
Ehren auf sich. Versteckten Angriff im schützenden Friedenskleide ver-
achten wir mit Recht als feig. Die Zivilbevölkerung hat die unvermeid-
baren Leiden und Gefahren des Krieges zu tragen; sonst aber kann der
Einzelne mit Weib und Kind, mit Hab und Gut ruhig in seinem Hause
den feindlichen Soldaten einquartiert sehen. Darum muß dieser aber auch
ebenso ruhig dort seinen todmüden Körper zum Schlase hinstrecken können.
Nur dies Verhalten verbürgt Menschlichkeit der Kriegführung. Im Inter-
esse dieser Menschlichkeit mußte der belgische Franktireurverrat mit der


