Kunstwart und Kulturwart — 32,4.1919

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vierten Male? Fch bitte, zu den beiden Blättern den Rundschaubeitrag „Klingcr
als Kräftiger" zu vergleichen.

Die Kopfleiste nber der ersten Seite ist ein Spielmannsbild von Georg
Oskar Erler, das Bild der Schlußseite ebenfalls eines, von W. Wein-
g ä r t n e r.

^u unsrer Notenbeilage, die wir Herrn Kapellmeister G. Vurkard (Donau-
O sschingen) vcrdanken, schreibt uns ihr glücklicher Finder:

In der Arie des Don Pasquale aus „Ritter Roland" erleben wir
Hahdn zu unsrer Aberraschung von einer Seite, die zu dem landläufigen Bild,
das wir uns vom „Papa" Haydn machen, nicht recht passen will: cr zeigt sich
uns hier als Meister einer echten und starken, wirksamen Lheatralik, eine Seite
seiner Kunst, die vicl zu wenig berücksichtigt wird.

Lin kühner Neuerer und ein Humorist, dem ein überlegener Spott zu Gebote
steht, geht da an eine Parodierung des seriösen Stils seiner Zeit, der zur
Schablone gewordenen damaligen mnsikalischen Ausdrucksweise, die hoch über
allen ähnlichen Versuchen der Vertreter der italienischen „Opera buffa" oder
auch der deutschen Singspielkomponisten jener Tage steht. Mit welcher Charak-
terisierungskunst und dabei welch feinem Geschmack ist hier die damals gebräuch-
liche Operntechnik, sind die musikalischen Fachausdrücke und Instrumente —
samt dem mitwirkenden Kastraten! — der Reihe nach in Stimmen und Orchester
illustriert und karikiert!

Wir haben in der Arie des Schildknappen Don Pasquale — eines nahen Ver-
wandten von Sancho Pansa — eine der wcnigen witzig-graziösen Arien für
Tcnor. In der Baßbuffo-Literatur sind ähnliche Stücke hänfiger. Dem Musik-
historiker aber gibt dcr Scherz wertvolles Material zur Erkenntnis des Stand-
punktes, von dem aus Haydu sein Theater nnd Pnblikum ansah.

„Ritter Roland" — nach italienischem Libretto („Orlando Paladino") — eut-
stand im Iahre (782 in der Zeit von Haydns Meisterschaft. Die Oper schcint
sich einer gewissen Beliebtheit erfreut zu haben. (787 wnrde sie in Preßburg,
(7W—(800 in Leipzig aufgeführt. In der kleinen süddeutschen Residenz Donau-
eschingen, wo am Hofe des Fürsten zu Fürstenberg eine liebevolle und crnsthafte
Musik- uird Theaterpflege in Blüte stand, erfreute sie sich besonderer Vevor-
zugung, was die wiederholte Aufführung auf dem fürstlichen Hoftheater und cin
dort gedrucktes deutsches Tcxtbuch bezeugen. Nach der in der sürstlichen Hof-
bibliothek aufbewahrtcn Partitur ist dic Arie hier erstmals — im Klavier-
auszug — zur Veröffentlichuug gebracht.

Herausgeber: Or. k. e. Ferdinand Avenarius in Dresden-Blasewitz; verantwortlich: der
herausgeber. Mitleitende: Artur Bonus, vr. P. Th. hoffmann und Wolfgang Schumann —
In Vsterreich-Ungarn für Herausgabe u. Schriftleitung verantwortlich: vr. Richard Batka in Wien XIII/6 —
Sendungen für den Text ohne Angabe eines Person ennamens an die »Kunstwart-L eitun g" in
Dresden-Blasewitz — Manuskripte nur nach vorheriger Vereinbarung, widrigenfalls
keine Derantwortung übernommen werden kann — Verlag von Georg D. M. (Lallwey, Druck von
Kastner L Lallwey, Buchdruckerei in München — Geschäftsstelle für Berlin: Georg Siemens, ^ 57,
Kurfürstenstr. 8 — Geschäftsstelle für Ssterreich-Ungarn: Buchhandlung Moritz Perles, Wien I, Seilergasse 4.
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