Kunstwart und Kulturwart — 32,4.1919

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Leben irgendeine Bedeutung hat. End-
lich muß die Sitte und die Veruunft
siegeu, die rohe Gewalt der Form er-

liegen — und das langsamste Volk
wird alle die schnellen, flüchtigen ein-
holen.

Unsre Bilder

^W^ie Bildnis-Radierung Gottfried Kcller von S tau f f er- Vcrn gehört zu
>—M^jcnen kleinen Selegenhcits-Bildnissen, die gar nicht rcpräseutieren wollen,
und nuu gcrade in der Unbefangenheit und Ursprünglichkeit ihrer Dar-
stellung oft mehr urrd oft auch Wcsentlicheres bieten als die sozusagen rcpräsen-
tableren Bildcr. Dieses Bild hier soll ohne Wissen des Dichters, soll sozusagen
heimlich von Stauffer Kellern abgefaugen sein, als ihm der Poet zu dem be-
kannten „richtigen" Bildnisse saß, und Keller soll seine Anfertigung trotz der
nachträglichen Widmung ziemlich übel vermerkt haben. Uns ist es trotzdem
lieber als alle andern Kellcr-Porträts. Freilich, unsre Wiedergabe gibt uicht
sehr viel. Wer sich's gönnen kann, der sollte versuchen, sich noch eine Ori-
g i n a l - Radierung davon zu verschaffen. Wir haben eine mit Genehmigung
von Amsler L Ruthardt in Berlin wiedergegeben, vielleicht kann diese Kunst-
handlung noch einen Originaldruck vermitteln.

Dann geben wir ein Blatt, das von Gottfried Keller dem Maler
herstammt, obglcich es Berlepsch umgezeichnet hat. Vesser gesagt: vou Keller
dem Phantasierer mit dem Stift — mau kommt zu Bildern wie Schwnrds
„Ritter Kurt", wenn man solchcn Sachen nachgeht. Hier arbeitet eine ganz
und gar nicht malerische, aber doch höchst liebenswürdige Fabuliererei mit dem
Stift, die unzählige nette Motivchen auftischt. Auch die Kleinigkeiten nach
Keller, die wir ins Heft streuen, erinnern an die Kunst der ersten Iahrgänge
der Fliegenden Blättcr, der Münchner Bilderbogen und der Münchner Romantik
jener Tage. Wir entnehmen diese Sächlein dcm Vuche „Gottfried Keller als
Maler" von H. E. von Berlepsch (Leipzig, Seemann, (Sstö), das nicht nur nütz-
lich, sondcrn auch unterhaltsam zu lesen ist.

Kopfleiste und Schlußstück sind Hausbuch-Bilder aus Avenarius' „Hausbuch
deutscher Lyrik" von Fritz Philipp Schmidt.

Herausgeber: vr. b. c. Ferdinand Avenarius in Dresden-Blasewitz; veraniwortlich: der
Herausgeber. Mitleitende: Artur Bonus, vr. P. Th. Hoffmann und Wolfgang Schumann —
In Ssterreich-Ungarn für Herausgabe u. Schriftleitung verantwortlich: Or. Rtchard Batka in WienXIII/S —
Sendungen für dcn Teri ohncAngabeeinesPersoncnnamensandic.Kunstwart-Lettung'in
Dresden-Blasewitz — Manuskripte nur nach vorherigcr Dercinbarung, widrigcnfalls
keine Derantwortung übernommcn werdcn kann — Derlag von Georg D. W. Lallwey, Druck von
Kastner L Lallwey, Buchdruckerei in München — Geschäftsstelle für Berlin: Georg Sicincns, V 37,
Kursürstenstr. 8 — Seschäftsstelle für Ssterrcich-Ungarn: Buchhandlung Moritz Perles, Wten I, Scilcrgaffe >>.
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