Kunstwart und Kulturwart — 32,4.1919

Seite: 146
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wesentlich vervollkommnet und ihre Leistungsfähigkeit im Vergleich zu der
in sie hineingesteckten Wärme-Lnergie der Kohle und auderer Brennstoffe
außerordentlich gesteigert worden, sondern die Maschinisierung, die Ab-
bürdung der Arbeit auf die Maschine hat überhaupt kaum vorstellbare
Fortschritte gemacht. Von welcher Bedeutung diese sind, beweisen die be--
kannten Berechnungen von Ballod in seinem Buche „Der Zukunftsstaat".
Ballod glaubt hierin den zahlenmäßigen Beweis erbracht zu haben, daß
bei Anwendung der vollkommensten heutigen Maschinen und Arbeitsmetho-
den der Bedarf des deutschen Volkes an Nahrung, Kleidung, Wohnung,
Büchern und allen andern Gebrauchsgegenständen schon gedeckt werden
könnte, wenn jeder Deutsche nur einige Iahre seines Lebens arbeiten
würde. Die Berechnung stimmt ganz sicher nicht genau; aber ebenso sicher
beweist sie, daß eine gewaltige weitere Menge von Arbeit den Menschen
durch die Maschine bei geeigneter Organisierung der Arbeit noch abge--
nommen werden kann.

Vor dem Problem der Organisation scheiden sich nun die Geister. Die
Mechanisierung der Arbeit durch die Einführung immer vollkommenerer
Maschinen war und ist auch den Vorläufern und heutigen Gegnern des
Sozialismus recht; von der planvollen Regelung der gesellschaftlichen Arbeit,
von der Sozialisierung, Planwirtschaft und wie die neuen Schlagworte
sonst noch heißen, wollen sie jedoch nichts wissen. Hier tobt der Kampf der
Gegner noch unentschieden. Vor allem wird eingewendet, daß die organisa-
torischen Sozialisten den wirtschaftlichen Motor im Menschen, den indivi-
dualistischen Erwerbstrieb, überhaupt die individualistischen Triebe, die zu
wirtschaftlichen Leistungen anspornen, vernachlässigen. Dieser Einwand ist
sehr ernst zu nehmen. Aber andrerseits ist auch noch kein Weg angegeben,
wie die individualistischen Wirtschaftsmotive am besten in den Dienst der
Gesamtheit gestellt werden. Auf diesem Gebiet sehlt uns noch ein Iames
Watt, der den wirtschaftlichen „Dampf", die individualistische Energie in
der sozialen Wirtschaftsmaschine zur Wirkung bringt, der Individualismus
und Sozialismus zu einer höheren, wirkungsvolleren Einheit verbindet.

Vonseitei' der Techniker kann die Aufgabe des Sozialismus im Grunde
als gelöst angesehen werden, nicht zuletzt durch die bahnbrechende Tätigkeit
des Iames Watt; vonseiten der Wirtschaft und der Staatskunst steht da°
gegen die Lösung noch aus. tzier streitet man noch mit Schlagworten
um das Problem, anstatt ihm, wie die Technik es getan hat, wissen-
schaftlich zu Leibe zu gehen. Otto Schulz

Neuere skandinavische Erzählungen 2

^ nter den jüngst übersetzten Büchern aus skandinavischem Bereich ragt eins
/I weit hervor, so, daß es gleichsam der Wertblinde selbst heraustasten könnte.
^^Es heißt „Segen der Erde" nnd stammt von Knut Hamsun. Wir
häben in dem (vor vierzehn Monaten geschriebenen) ersten dieser Auf-
sätze von tzamsun ein paar Worte gesagt, an die wir jetzt erinnern.
Es waren der erste Band seiner gesammelten Werke und eine kleins
Äuswahl aus ihnen anznzeigen, meist frühere und ganz frühe Schriften
dieses Dichters enthaltend. Weit, weit liegen diese von unserer Zeit ab. Durch
mehr als einen Wesenszug gehörten sie der damaligen norwegischen Literatur
und durch sie hindurch der mitteleuropäischen Moderne der stOer Iahre an.
Der jüngere Hamsun war ein Zeitgenosse Vieler, die von den älteren Lie nnd
Kielland und Anderen gelernt Hatten, aber Träger eines neuen Wollens, Sprecher
einer neuen Geistessprache waren und der modernsten Gesellschaft beobachtend,
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