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Kunstwart und Kulturwart — 34,1.1920-1921

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Heft 1 (Oktoberheft 1920)
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Nidden, Ezard: Dänische Erzählungen
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Gregori, Ferdinand: Das Theater von heute und das von morgen
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https://doi.org/10.11588/diglit.14432#0032

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eines Bengt Berg ist ihm nicht gegeben. Man hat Fleuron den „dänischen
Löns" genannt. Sein drittes und neuestes Buch gibt am meisten Ver-
anlassung dazu: „Ein Winter auf dem Iägerhof". Vielleicht ist in diesem
der reinste Tou, den er bisher angeschlagen hat. Fast völlig sind hier ge-
zierte „Poetisierungen" des Tierlebens vermieden; es ist wieder das Klein-
leben der Natur, der Tiere vor allem, das Fleuron schildert; unermüdlich
ist er inl Beobachten der Rehe, der Fasanen, der Füchse und Dachse, der
Raubvögel, der tzasen und Hirsche; wie sie im Herbst, im Frühwinter, bei
starkem Frost je und je sich einrichten, welche Spuren sie hinterlassen, welche
Kämpfe sie durchfechiten, alles wird aus der trefflichsten Iägerbeobach>tung
heraus und in knappem, bei aller Schlichtheit nicht kunstlosem Stil in ein-
zelnen Abschnitten froh und sorglos wiedergegeben,- dazwischen das Leben
der Förster und Iäger mit seinen vielen Aufgaben un!d kleinen Romanen,-
es sehlt nicht an einer — trotz allen Eisers der Darstellung recht roh wir-
kenden! — Treibjagd und an einem spannenden Kampf mit Wilddiebeir.
Im ganzen wird man dieses naturreicheu und munteren Buches, das nicht
mehr sein will, als es ist, aufrichtig froh.

Zum Schluß sei einer sehr erfreulichen Neu-Ausgabe gedacht: Herman
Bangs „Gesammelte Werke" erschienen in vier starken Bänden, recht schön
musgestattet und preiswert dennoch. Die drei ersten Bände bringen die be-
deutendsten acht Romane, der vierte Novellen und einige der kleinen auto-
biographischen, zuweilen recht ergreifenden, manchmal journalistisch pointier-
ten Skizzen. Es ist wahrlich kein Geriuger, der mit dieser Ausgabe erneut
geehrt wird. Unter den vielen Dänen von höchster literarischer Kultur, deren
erster Iacobsen war, steht dieser müde Mann uud wundersam feine, zarte,
tiefe, empfindliche Gestalter an erster Stelle, dessen Einfluß wir noch so oft
begegnen. Rein stofflich betrachtet, ist es nicht mehr als eine matte und oft
kränkliche Gesellschaft, die er mit subtilen Strichen zeichnet, Charaktere von
innerer Schwäche und Verhältnisse von abgelebter Brüchigkeit; aber welch
einen Sieg schöpferischen Geistes bedeutet es, daß dieser Dichter aus alledem
tiefste und zarteste, ewig-menschliche Züge mit erschütternder Innerlichkeit
herausgestaltet, Menschenbrüder und Menscheuschwestern, deren Angesicht
und Erlebnis wir nicht vergessen können, solange Dichtung uns im Ge-
dächtnis bleibt! E. Nidden

Andersen-Nexö, Pelle der Lroberer (Insel-Verlag), 2. Auflage, 32 Mk.
Andersen-Nexö, Mütterchen (Langen, Mnnchen), 6,50 Mk. Bang, Ge-
sarnmelte Werke, ^ Bde. (S. Fischer, Berlin), Mk. Brnuns, Der un-
bekannte Gott (Morawe L Scheffelt, Berlin), 2 Bde., 27 Mk. Fleuron,
Strix (Diederichs, Iena), (( Mk. Fleuron, Winter anf dem Iägerhof (Die-
derichs, Iena), (5 Mk. Pontoppidan, Totenreich (Insel-Verlag, Leipzig),
zirka 26 Mk. Rasmussen, Hinter goldnen Mauern (G. Müller A.-G., Mün-
chen), (( Mk. Skjoldborg, Das neue Geschlecht (Quelle L Meyer, Leipzig),
etwa 8 Mk.

Das Theater von heute und das von morgen

kann schließlich alles, was jetzt aus den Fugen gegangen ist,
/ E auf bie hohen Lebensmittelpreise schieben, oder, um die Gründlichkeit
^"^^der Beweisführung zu zeigen, auf den Krieg, und dann ergeben, die
tzände im Schoß, der Besserung harren. Das ist besonders die Art derer,
die aus den beiden unwiderlegbaren Nrsachen persönlichen Nutzen gezogen
haben. Ieder Raubmord wird damit entschuldigt und jede neue Lkunstrich-

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