Silberglöcklein, welch ein wunder bricht
nrir aus altenr Dunkel junges Licht!
Fröhlich sxring ich auf. Durch Tagesfron
fingt noch lang ein fützer Silberton.
An tzugo wols
D!
^dich auf über Berg und Stronr,
du Lerche der Sehnsucht, dringe
fernbin an öen Donaudom!
Dort fenke dein Alanggefieder
zu jencr Stätte binab,
wo er rubt, der Aönig der Lieder,
der seine Seele öir gab.
Und fäheft öu nicht öie Lettern,
und fändest du nicht den Grt — :
Ljöre! — es nrutz in den Vlättern
wunderbar rauschen dort;
es nruß urn öie Blurnen anr lfügel
ein ewiger Lenzhauch wehn;
es rnusz von Lngelsgeflügel
ein Glanz darübergehn.
Dort weile! — und fing ihrn die lveisen,
die seine Stille erdacht.
Lr lebt! — und hört deine leifen
Gesänge in heiliger Aacht.
Lr lebt! — Das nrag uns versöhnen.
Lin Grüszen ist ausgetaufcht
in starken, fiegreichen Töncn,
denr das Rerz der Menschheit lauscht.
Vom Heute fürs Morgen
Wilhelm Wundt
wei Volyhistoren von ungeheurem
Ausmaße des Blickfeldes hat das
nenere Deutschland hervorgebracht:
Leibniz und Wundt. Der eine kon-
struierte sich eine Welt aus gedank-
lichern Baustoff, der andere häufte all
sein ungeheures Wissen um menschliche
Geistesarbeit und Geistestat zu einem
Kolossalbau: der ersten Völkerpsycho-
logie, die alle geistigen Ertätigungen
des Menschen und der Menschheit aus
der meßbaren primitiven Seelenregung
und ihrer Amwandlung in sichtbar-
hörbare „Leistung" zu begreifen sucht.
Beide Forscher häben ihre Erkenntnis
zum Shstem geweitet, zum viel-
maschigen Netz, in dem sich das Leben
fangen sollte. Und beide haben in
Wahrheit etwas anderes eingeheimst:
das Wisseu um Dinge, Gesetze, Kate-
gorien, nicht das um lebendige Ab-
läufe des Werdenden und Wachsen-
den, des ewig sich Trennenden und
sich Verschlingenden. Beide waren ge-
waltige Gelehrte, aber minder gewal-
tige Knnstler und Gläubige. Deshalb
konnten auch sie den ungeheuren Stoff
geftaltend doch nicht bezwingen, der
Riesenmasse des Gesammelten nicht die
35
nrir aus altenr Dunkel junges Licht!
Fröhlich sxring ich auf. Durch Tagesfron
fingt noch lang ein fützer Silberton.
An tzugo wols
D!
^dich auf über Berg und Stronr,
du Lerche der Sehnsucht, dringe
fernbin an öen Donaudom!
Dort fenke dein Alanggefieder
zu jencr Stätte binab,
wo er rubt, der Aönig der Lieder,
der seine Seele öir gab.
Und fäheft öu nicht öie Lettern,
und fändest du nicht den Grt — :
Ljöre! — es nrutz in den Vlättern
wunderbar rauschen dort;
es nruß urn öie Blurnen anr lfügel
ein ewiger Lenzhauch wehn;
es rnusz von Lngelsgeflügel
ein Glanz darübergehn.
Dort weile! — und fing ihrn die lveisen,
die seine Stille erdacht.
Lr lebt! — und hört deine leifen
Gesänge in heiliger Aacht.
Lr lebt! — Das nrag uns versöhnen.
Lin Grüszen ist ausgetaufcht
in starken, fiegreichen Töncn,
denr das Rerz der Menschheit lauscht.
Vom Heute fürs Morgen
Wilhelm Wundt
wei Volyhistoren von ungeheurem
Ausmaße des Blickfeldes hat das
nenere Deutschland hervorgebracht:
Leibniz und Wundt. Der eine kon-
struierte sich eine Welt aus gedank-
lichern Baustoff, der andere häufte all
sein ungeheures Wissen um menschliche
Geistesarbeit und Geistestat zu einem
Kolossalbau: der ersten Völkerpsycho-
logie, die alle geistigen Ertätigungen
des Menschen und der Menschheit aus
der meßbaren primitiven Seelenregung
und ihrer Amwandlung in sichtbar-
hörbare „Leistung" zu begreifen sucht.
Beide Forscher häben ihre Erkenntnis
zum Shstem geweitet, zum viel-
maschigen Netz, in dem sich das Leben
fangen sollte. Und beide haben in
Wahrheit etwas anderes eingeheimst:
das Wisseu um Dinge, Gesetze, Kate-
gorien, nicht das um lebendige Ab-
läufe des Werdenden und Wachsen-
den, des ewig sich Trennenden und
sich Verschlingenden. Beide waren ge-
waltige Gelehrte, aber minder gewal-
tige Knnstler und Gläubige. Deshalb
konnten auch sie den ungeheuren Stoff
geftaltend doch nicht bezwingen, der
Riesenmasse des Gesammelten nicht die
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