Lange nicht so eng, wie es den Anschein hat, ist mit dem Thema Thor-
waldsen das Thema Antike verknnpft. Uns wird die Zeit kommen, da
wir uns wieder in der griechischen und vorgriechischen Kunst wie in Heil-
wässern baden werden, und ebenso in der Kunst, die mit der europäischen
Antike auf das innigste verwandt und bei uns noch fast unbekannt ist,
in der alten Kunst Ehinas. Ich glaube sogar, falls wir nicht vorher
noch durch den Bolschewismus müssen, so wird Las nach der gegenwärtigen
Dekadenz der erste Weg sein, auf dem die freigewordenen Köpfe heim
zur Mutter streben, zur Natur. Wer Thorwaldsen als Raumkünstler
versteht, wird nach der Antike hin ein Stück Weges mlt ihm gehn können,
aber bei einer nahen Wegteilung gut tun, sich von ihm zu trennen. Seine
Kunst war die feinste „angewandte Kunst" der Biedermeier-, der Goethe-Zeit,
die den großen Schichten noch zugänglich, die also für diese Schichten
wirklich erlebensfähig war. Das sagt viel, und es schließt manches ein,
was vielleicht beherzigt werden mag, wenn man die Wohltat der Beruhi-
gungen wieder au Stelle der Berauschungen fließen machen wird. A
Deutsche Hauptschuld am Kriege?
Weltkriege, Haben die Bekämpfung dieser Meinung im Kunstwart
mißbilligt. Ich habe sie ersucht, das Wesentliche, was sie zum Thema zu
sagen wünschten, nun ihrerseits für uns knapp zusammenzufassen. So
ist die Gefahr einer ungewollteu Entstelluug sremder Ansichten ausge-
schaltet, und es läßt sich am ehesten hoffen, daß die Leser wenigstens ein
klares Bild der verschiedenen „Standpunkte" gewinnen. Hoffnung aus „Be°
kehrungen" gibt es ja kaum, wo Afsekte und Gedanken so tiefe Furchen
gezogen haben, daß man kaum anders fahren kann, als in ihnen. Die
tzerren hatten die Güte, meiner Bitte zu entsprechen. Wie ich für mein
Teil zur Sache Lenke, das ergibt dann das Schlußwort.
Alfred Fried hat sich in einer Zuschrift an mich zunächst in erregten
Wendungen gegen Dr. Poperts Beurteilung seiner Tätigkeit gewendet,
auf meiu Ersuchen jedoch auf den Abdruck dieser persönlichen Polemik ver-
zichtet. Wir haben für derlei im Kunstwart einfach nicht den Raum, und
beide Herren verfügen ja auch über eigene Zeitschristen. Eine Lntgegnung
Frieds gegen Popert ist übrigens unter dem Titel „Auf hartem Grund"
schon GV in Hamburg erschienen. Frieds auf alle Fälle interessantes
„Kriegstagebuch" und der Sonderabdruck daraus „Mein Kampf gegen
Versailles und St. Germain" (beide im Verlag „Der neue Geist", Leipzig)
kann auch verglichen werden. Fried fährt dann fort:
/Ls ist ein Unding, Pazifismus und die Stellungnahme zur Schuldfrage
^zusammenzuschweißen. Die Ansicht über die Schuld oder Unschuld der
früheren deutschen Machthaber hat gar uichts mit dem Pazifismus zu
tun, ist lediglich eine nebenhergehende politische Anschauung.
Ich kann hier auf die Schuldfrage nicht näher eingehen. Nur erwähnen
möchte ich, daß hier auch viel mit Worten jongliert wird. Es handelt
sich nicht um die Schuld am Kriege, die in der Politik der vorhergegan-
genen Iahrzehnte eine allgemeine war, sondern um die Verantwortuug
für die Auslösung des Krieges, der in früheren, viel ernsteren Fällen
78
waldsen das Thema Antike verknnpft. Uns wird die Zeit kommen, da
wir uns wieder in der griechischen und vorgriechischen Kunst wie in Heil-
wässern baden werden, und ebenso in der Kunst, die mit der europäischen
Antike auf das innigste verwandt und bei uns noch fast unbekannt ist,
in der alten Kunst Ehinas. Ich glaube sogar, falls wir nicht vorher
noch durch den Bolschewismus müssen, so wird Las nach der gegenwärtigen
Dekadenz der erste Weg sein, auf dem die freigewordenen Köpfe heim
zur Mutter streben, zur Natur. Wer Thorwaldsen als Raumkünstler
versteht, wird nach der Antike hin ein Stück Weges mlt ihm gehn können,
aber bei einer nahen Wegteilung gut tun, sich von ihm zu trennen. Seine
Kunst war die feinste „angewandte Kunst" der Biedermeier-, der Goethe-Zeit,
die den großen Schichten noch zugänglich, die also für diese Schichten
wirklich erlebensfähig war. Das sagt viel, und es schließt manches ein,
was vielleicht beherzigt werden mag, wenn man die Wohltat der Beruhi-
gungen wieder au Stelle der Berauschungen fließen machen wird. A
Deutsche Hauptschuld am Kriege?
Weltkriege, Haben die Bekämpfung dieser Meinung im Kunstwart
mißbilligt. Ich habe sie ersucht, das Wesentliche, was sie zum Thema zu
sagen wünschten, nun ihrerseits für uns knapp zusammenzufassen. So
ist die Gefahr einer ungewollteu Entstelluug sremder Ansichten ausge-
schaltet, und es läßt sich am ehesten hoffen, daß die Leser wenigstens ein
klares Bild der verschiedenen „Standpunkte" gewinnen. Hoffnung aus „Be°
kehrungen" gibt es ja kaum, wo Afsekte und Gedanken so tiefe Furchen
gezogen haben, daß man kaum anders fahren kann, als in ihnen. Die
tzerren hatten die Güte, meiner Bitte zu entsprechen. Wie ich für mein
Teil zur Sache Lenke, das ergibt dann das Schlußwort.
Alfred Fried hat sich in einer Zuschrift an mich zunächst in erregten
Wendungen gegen Dr. Poperts Beurteilung seiner Tätigkeit gewendet,
auf meiu Ersuchen jedoch auf den Abdruck dieser persönlichen Polemik ver-
zichtet. Wir haben für derlei im Kunstwart einfach nicht den Raum, und
beide Herren verfügen ja auch über eigene Zeitschristen. Eine Lntgegnung
Frieds gegen Popert ist übrigens unter dem Titel „Auf hartem Grund"
schon GV in Hamburg erschienen. Frieds auf alle Fälle interessantes
„Kriegstagebuch" und der Sonderabdruck daraus „Mein Kampf gegen
Versailles und St. Germain" (beide im Verlag „Der neue Geist", Leipzig)
kann auch verglichen werden. Fried fährt dann fort:
/Ls ist ein Unding, Pazifismus und die Stellungnahme zur Schuldfrage
^zusammenzuschweißen. Die Ansicht über die Schuld oder Unschuld der
früheren deutschen Machthaber hat gar uichts mit dem Pazifismus zu
tun, ist lediglich eine nebenhergehende politische Anschauung.
Ich kann hier auf die Schuldfrage nicht näher eingehen. Nur erwähnen
möchte ich, daß hier auch viel mit Worten jongliert wird. Es handelt
sich nicht um die Schuld am Kriege, die in der Politik der vorhergegan-
genen Iahrzehnte eine allgemeine war, sondern um die Verantwortuug
für die Auslösung des Krieges, der in früheren, viel ernsteren Fällen
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