Die „Ausgewählten Werke" sind im gemeinsamen Verlag von E.
Fleischel L Co. in Berlin und der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart
erschienen, und nur zusammen känflich. Die Novellen Stegemanns erschienen
gesammelt im Verlag Fleischel allein und sind unter dem Titel „Heimkehr"
auch noch gesondert zu haben.sj ^
umpf hallten die Schläge durch den Vogesenwald. Ein Schauer
von rostigen Nadeln ging nieder, mit gesträubtem Schwanz fuhr
ein Eichhorn durch die zitternden Wipfel, und die blasse Sonne irrlich-
terte über den dunklen Grund, unsicher tastend wie ein Sterbendes.
Als der letzte Axtschlag klang, war ein Knirschen im Ton, das in ein
Achzen auslief. Hoch oben im schlanken Stamm entstand ein Winseln, ein
Knistern — dann war alles still.
Nur der schwere Atem des Mannes ging durch den Wald.
Ein Lachen kam aus der Tiefe, wo der Wald sich in die Schlucht
gedrängt hatte und die schwarzen Wipfel grausend, wie gebannt starrten.
Der Holzhauer grifs in die Seile, die den angeschlagenen Stamm hielten.
Da lief ein Zittern durch die Tanne, und der Stamm klang dumpf, bis
ein rieselnder Regen gelber Nadeln niederging und hart auf die Farne
schlug. Dann stand der Baum wieder unbeweglich, uNd aus der furchtbaren
Wunde, die das Beil in den Wurzelstock gefressen, sickerte stark duftend
sein Leben.
Weiter oben am tzang lag schon eine Tanne gefällt. Mit hurtigen
Hieben hatten sie der Sterbenden die Glieder gelöst, nun lag sie nackt, kahl,
die braune Haut in breiten Streifen abgeschält, daß das blasse Fleisch ent--
blößt schimmerte. Das Haupt wühlte sich, vom Rumpf getrennt, mit starren-
den, geknickten Borsten in den Grund, und leuchtender Fingerhut schob
seine roten Becher zwischen dem Gewirr stürzender Nadeln ans Licht, als
müßte er die Riesin tränken in ihrem Todeskampf.
Wieder klang das Lachen aus dem Schrund, hsller und näher, brünstiges
Lachen eines Weibes, das aufwärts steigt zwischsn den Stämmen und
lockt, als müßte ihm Antwort werden. Nnd da jauchzt auch feruer
Stimmenhall, läuft dunkeltönige Antwort von der Kuppe, wo der Wald
sich den Berg hinandrängt, den Hang herunter und grüßt das Echo in
der Schlucht.
Der Holzhauer ließ das Seil gleiten.
Die Tanne stand regungslos, als wüßte sie, daß jede Bewegung ihre
Kraft zerbrechen, sie aus dem Gleichgewicht werfen und stürzen könnte.
Der Holzhauer spähte den Hang hinauf und Hinab ins Tal.
„Vorwärts, es ist Zeit!" rief er, und seine kalte Stimme sprang deutlicher
und behender durch den Wald als das Iauchzen der anderen.
„tzabt Ihr schon angeseilt?" rief der Schlitter und kam auf seinen festen
Schuhen, die das Geröll zerknischten mit den vierkantigeu Nägeln, stolz
die Kuppe herab, die Iacke auf der Schulter, blanke Perlen im Vließ der
breiten, gelüfteten Brust.
Von unten aber rief's:
voilL, und statt dem Kirsch-- bring ich Ameisengeist auf den
Berg!"
Und wieder lachte die Frau.
„Was ist mit dem Schnaps?" knurrte der Holzhauer und warf ihr einen
bösen Blick zu.
N
Fleischel L Co. in Berlin und der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart
erschienen, und nur zusammen känflich. Die Novellen Stegemanns erschienen
gesammelt im Verlag Fleischel allein und sind unter dem Titel „Heimkehr"
auch noch gesondert zu haben.sj ^
umpf hallten die Schläge durch den Vogesenwald. Ein Schauer
von rostigen Nadeln ging nieder, mit gesträubtem Schwanz fuhr
ein Eichhorn durch die zitternden Wipfel, und die blasse Sonne irrlich-
terte über den dunklen Grund, unsicher tastend wie ein Sterbendes.
Als der letzte Axtschlag klang, war ein Knirschen im Ton, das in ein
Achzen auslief. Hoch oben im schlanken Stamm entstand ein Winseln, ein
Knistern — dann war alles still.
Nur der schwere Atem des Mannes ging durch den Wald.
Ein Lachen kam aus der Tiefe, wo der Wald sich in die Schlucht
gedrängt hatte und die schwarzen Wipfel grausend, wie gebannt starrten.
Der Holzhauer grifs in die Seile, die den angeschlagenen Stamm hielten.
Da lief ein Zittern durch die Tanne, und der Stamm klang dumpf, bis
ein rieselnder Regen gelber Nadeln niederging und hart auf die Farne
schlug. Dann stand der Baum wieder unbeweglich, uNd aus der furchtbaren
Wunde, die das Beil in den Wurzelstock gefressen, sickerte stark duftend
sein Leben.
Weiter oben am tzang lag schon eine Tanne gefällt. Mit hurtigen
Hieben hatten sie der Sterbenden die Glieder gelöst, nun lag sie nackt, kahl,
die braune Haut in breiten Streifen abgeschält, daß das blasse Fleisch ent--
blößt schimmerte. Das Haupt wühlte sich, vom Rumpf getrennt, mit starren-
den, geknickten Borsten in den Grund, und leuchtender Fingerhut schob
seine roten Becher zwischen dem Gewirr stürzender Nadeln ans Licht, als
müßte er die Riesin tränken in ihrem Todeskampf.
Wieder klang das Lachen aus dem Schrund, hsller und näher, brünstiges
Lachen eines Weibes, das aufwärts steigt zwischsn den Stämmen und
lockt, als müßte ihm Antwort werden. Nnd da jauchzt auch feruer
Stimmenhall, läuft dunkeltönige Antwort von der Kuppe, wo der Wald
sich den Berg hinandrängt, den Hang herunter und grüßt das Echo in
der Schlucht.
Der Holzhauer ließ das Seil gleiten.
Die Tanne stand regungslos, als wüßte sie, daß jede Bewegung ihre
Kraft zerbrechen, sie aus dem Gleichgewicht werfen und stürzen könnte.
Der Holzhauer spähte den Hang hinauf und Hinab ins Tal.
„Vorwärts, es ist Zeit!" rief er, und seine kalte Stimme sprang deutlicher
und behender durch den Wald als das Iauchzen der anderen.
„tzabt Ihr schon angeseilt?" rief der Schlitter und kam auf seinen festen
Schuhen, die das Geröll zerknischten mit den vierkantigeu Nägeln, stolz
die Kuppe herab, die Iacke auf der Schulter, blanke Perlen im Vließ der
breiten, gelüfteten Brust.
Von unten aber rief's:
voilL, und statt dem Kirsch-- bring ich Ameisengeist auf den
Berg!"
Und wieder lachte die Frau.
„Was ist mit dem Schnaps?" knurrte der Holzhauer und warf ihr einen
bösen Blick zu.
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