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Und plötzlich packte er die Axt sester und schrie zu dem Weib hinaus:
„Wirf das Holz ab, daß es leichtert. Ab damit! Lr sperrt nimmer lang!"
Er hatte recht gesehen, der Veri war am 'Ende. Schon lief der Schlitten
krumm, schon stieß ihn die Last fast unter die Beige, schon knickten die
Knie ini schwindelnden Takt. Und der Veri hörte, was der andere rief,
dankte es ihm, aber er konnte nichts tun, als treten, treten, treten.
Noch einmal rief der Iacques und sah nichts als die Not des Schlitters,
den der Schlitten überrennt, vergaß, wer dort schlitterte, vergaß, wen der
dort schlitterte, und schrie: „Ab mit dem tzolz, eins ums andere, ab mit
in den Schlatten!"
Und jetzt griff das Weib, das ihn endlich verstanden hatte, in die
Scheiter, um sie hinabzuwälzen. Aber da trat der Veri dicht vor dem
Mann, der die Axt weggeworfen hatte und sich anschickte, den Schlitten hinten
am Sperrholz zu packen, mit dem rechten Fuß fehl, und glitt aus. Die
Frau verlor das Gleichgewicht. Schon bäumte sich der Schlitten, ver-
schwand der Schlitter, klein geworden unter der Last, brach in jähem Wirbel
unter-- und übereinanderstürzend, das ganze Holz zusammen und bedeckte
den Vurschen, der stumm, mit einem letzten trotzigen Achzen erlag. Einen
Augenblick staute sich der Wust. Mit einem Griff riß der Mann sein
Weib, das sich an die meisterlosen Scheiter klammerte, von dem brechen--
den Gerüst, dann prasselte der SHlitten in den Abgrund. Die Scheiter
schossen durch das Kraut, schlugen in die Büsche, schnellten über die Wipfel,
und manch eines tat wilde, hohe Sätze, wie entronnen dem Tode, der den
Leichnam des Schlitters als ein blutiges unkenntliches Bündel achtlos
in das Heidekraut warf, wo es liegen blieb, während das tzolz noch
lange bergab rollte, ruhte, um plötzlich wieder in lustigen Sprüngen über
die Felsen zu setzen, bis es endlich polternd, von einem kichernden Stein-
regen verfolgt, in der Tiefe verschwand.
Iacques Pecot hatte die Kappe abgenommen. Neben ihm kauerte mit
irren Blicken sein Weib, eine blutige Schramme lief ihr über die Backe.
Das Grausen hielt sie gepackt. Plötzlich aber schrie sie gellend auf, sprang
in die Höhe und lief wie gehetzt den Schlittweg entlang den Berg hinunter
und brach erst auf dem Bett in der Schlafkammer nieder, von dem sie
sich in der Nacht hinweggestohlen hatte auf den Berg.
Als sie bei dem Begräbnis zu Iaques Pecot sagten: „Zwei Schlitten
hatte er Euch noch zu führen, n'qst-eo-paL?", antwortete der Holzhauer
ruhig: „Er ist unterm Holz geblieben, er ist mir nichts mehr schuldig."
Vom tzeute fürs Morgen
Ein Grrch Kn Hung Mings on die
Deutschi'n
q^ndem ich Ihnen berichte, wie ich in
OPeking Abschied oon Ku Hung Ming
nahm, erfülle ich ein Versprechen, das
ich ihm gab.
Die letzten Monate hatten mich
öfter mit Ku Hung Ming zusammen-
gebracht. Er schrieb für eine von den
Iapanern neugegründete Zeitung Auf--
sätze, scharf zugespitzt gegen europäische
Machthaber in China, die nach wie vor
das Land aussaugen und das Volk
durch plumpe Gewaltsamkeit beleidigen
wollen.
Als es nun nicht mehr weit war
bis zu meiner Abreise aus Peking,
meldete der Diener eines Nachmittages
chinesischen Besuch. Ku Hung Ming
war gekommen, mit ihm ein Herr
Dschang, dessen Vater seinerzeit den
Sühneprinzen nach Berlin begleitet
s00
Und plötzlich packte er die Axt sester und schrie zu dem Weib hinaus:
„Wirf das Holz ab, daß es leichtert. Ab damit! Lr sperrt nimmer lang!"
Er hatte recht gesehen, der Veri war am 'Ende. Schon lief der Schlitten
krumm, schon stieß ihn die Last fast unter die Beige, schon knickten die
Knie ini schwindelnden Takt. Und der Veri hörte, was der andere rief,
dankte es ihm, aber er konnte nichts tun, als treten, treten, treten.
Noch einmal rief der Iacques und sah nichts als die Not des Schlitters,
den der Schlitten überrennt, vergaß, wer dort schlitterte, vergaß, wen der
dort schlitterte, und schrie: „Ab mit dem tzolz, eins ums andere, ab mit
in den Schlatten!"
Und jetzt griff das Weib, das ihn endlich verstanden hatte, in die
Scheiter, um sie hinabzuwälzen. Aber da trat der Veri dicht vor dem
Mann, der die Axt weggeworfen hatte und sich anschickte, den Schlitten hinten
am Sperrholz zu packen, mit dem rechten Fuß fehl, und glitt aus. Die
Frau verlor das Gleichgewicht. Schon bäumte sich der Schlitten, ver-
schwand der Schlitter, klein geworden unter der Last, brach in jähem Wirbel
unter-- und übereinanderstürzend, das ganze Holz zusammen und bedeckte
den Vurschen, der stumm, mit einem letzten trotzigen Achzen erlag. Einen
Augenblick staute sich der Wust. Mit einem Griff riß der Mann sein
Weib, das sich an die meisterlosen Scheiter klammerte, von dem brechen--
den Gerüst, dann prasselte der SHlitten in den Abgrund. Die Scheiter
schossen durch das Kraut, schlugen in die Büsche, schnellten über die Wipfel,
und manch eines tat wilde, hohe Sätze, wie entronnen dem Tode, der den
Leichnam des Schlitters als ein blutiges unkenntliches Bündel achtlos
in das Heidekraut warf, wo es liegen blieb, während das tzolz noch
lange bergab rollte, ruhte, um plötzlich wieder in lustigen Sprüngen über
die Felsen zu setzen, bis es endlich polternd, von einem kichernden Stein-
regen verfolgt, in der Tiefe verschwand.
Iacques Pecot hatte die Kappe abgenommen. Neben ihm kauerte mit
irren Blicken sein Weib, eine blutige Schramme lief ihr über die Backe.
Das Grausen hielt sie gepackt. Plötzlich aber schrie sie gellend auf, sprang
in die Höhe und lief wie gehetzt den Schlittweg entlang den Berg hinunter
und brach erst auf dem Bett in der Schlafkammer nieder, von dem sie
sich in der Nacht hinweggestohlen hatte auf den Berg.
Als sie bei dem Begräbnis zu Iaques Pecot sagten: „Zwei Schlitten
hatte er Euch noch zu führen, n'qst-eo-paL?", antwortete der Holzhauer
ruhig: „Er ist unterm Holz geblieben, er ist mir nichts mehr schuldig."
Vom tzeute fürs Morgen
Ein Grrch Kn Hung Mings on die
Deutschi'n
q^ndem ich Ihnen berichte, wie ich in
OPeking Abschied oon Ku Hung Ming
nahm, erfülle ich ein Versprechen, das
ich ihm gab.
Die letzten Monate hatten mich
öfter mit Ku Hung Ming zusammen-
gebracht. Er schrieb für eine von den
Iapanern neugegründete Zeitung Auf--
sätze, scharf zugespitzt gegen europäische
Machthaber in China, die nach wie vor
das Land aussaugen und das Volk
durch plumpe Gewaltsamkeit beleidigen
wollen.
Als es nun nicht mehr weit war
bis zu meiner Abreise aus Peking,
meldete der Diener eines Nachmittages
chinesischen Besuch. Ku Hung Ming
war gekommen, mit ihm ein Herr
Dschang, dessen Vater seinerzeit den
Sühneprinzen nach Berlin begleitet
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