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Kunstwart und Kulturwart — 34,1.1920-1921

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Heft 4 (Januarheft 1921)
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Schmidkunz, Hans: Deutsche Inschriften
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Sörgel, Herman: Die Mängel im städtischen Wohnungswesen und deren Behebung mit besonderer Berücksichtigung von Kleinwohnungen, [1]
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https://doi.org/10.11588/diglit.14432#0245

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Wecket die Geister

Mit seinem schaffenden Wort: „Es werde!"

oder:

Hier ruhen vier Mann vom deutschen Volk —
oder noch sinnkräftiger:

Er starb für mich.

UZ

uns die Auslese der hier ans einem bunten Vorrat geholten Beispiele
-^Vsagen soll, läßt sich wohl nicht schwer in einige Mahnnngen für Inschrift-
werk zusammenfassen. Vor allem ist eine Inschrift keine Buch-- und Sprech-
literatur, sondern ein monumentales Sprachtum und bedarf emer Eigen-
schaft, die sich am ehesten als wandgerecht bezeichnen läßt. Daraus ergeben
sich Warnungen wie die vor Weitschweifigkeit und Sentimentalität, vor Schwätzen
und Moralisieren. Dann aber auch die vor einer Aberzahl, vor einer Äber--
ladung. Weiterhin mag ja persönliche Vorliebe für ausgewähltes Altgut auch
wertvolle Äberlieferungen vor dem Vergessen retten. Aber wie es ermüdet,
wenn man immer wieder dieselben Kunstwerke nachgLbildet findet, so stumpft
es den Inschriftgeist ab, wenn er stets das Gleiche bekommt.

Endlich sind auch die Schriftzüge nicht gleichgültig, die unsere Inschriften
künden. Ihre Lettern sollen jedenfalls sein: groß und schlicht, gut sichtbar
und leicht lesbar. —

Es ruht noch viel Gold in der dentschen Inschriftpoesie, wie es im deutschen
Volkslied rnht; es neu zu münzen und dazu noch Neues zu schaffen, wird nns
von den „monumentalen" Ereignissen und Stimmungen der Gegenwart aus
vermutlich leichter sein, als von Nachfahrzeiten aus, die viel Äberlieferungsgut
wiederholten, verbreiterten und verdünnten. Dem neuen Wohnungsbau, der
uns ja bald, und dem neuen Einrichtungswesen, das uns wohl auch mit einem
kunstgewerblichen Aufschwung bevorsteht, darf eine gleichfalls nene Inschriftkunst
«ine besondere Weihe geben.

Wenn endlich in den Schulen der Autoren-Kanon der „literarischen Literatur"
die Fülle von kleiner und großer Volksliteratur nicht mehr erdrücken wird, dann
mag auch das heimische Inschriftwesen dem Schülervolk für Kopf und Herz nahe-
gebracht werden. Dieses Schülervolk kann da auch sammeln nnd mehren helfen.

Berlin-Halensee Hans Schmidkunz

Die Mängel im städtischen Wohnungswesen und deren
Behebung mit besonderer Berücksichtigung von Klein-

wohnungen*

allen Fragen über das Wohnungswesen muß man von sozial»
^V^Hpolitischen Grundlagen ausgehen. Da diese zum Teil sehr ver°
wickelter Natur sind und die Vorbildung des Technikers — durch neue
Wissensgebiete ohnehin schon ständig bereichert — wenig Zeit dasür übrig
hatte, so haben sich die Architekten, welche neben den Nationalökonomen
die eigentlichen Anwälte dieses hochwichtigen Gebietes sein sollten, bis
in die jüngere Zeit leider recht wenig mit dem Wohnungswesen als solchem
befaßt. Erst auf dem Amwege des künstlerischen Städtebaues, dessen klas--
sische Theoretiker Sitte, Brinckmann und Anwin wurden, ist den immer

* Dieses ist ein Propagandavortrag für Kleinsiedlungen, den Herman Sörgel
schon l9s8 gehalten hat. Es scheint uns gerade deshalb zeitgemäß, ihn jetzt zu
veröffentlichen, schon um mit seinen Beispielen der Meinung entgegenzutreten,
die Schuld womöglich an allem auf den „Zusammenbruch" zu schieben.

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