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Kunstwart und Kulturwart — 34,1.1920-1921

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Heft 4 (Januarheft 1921)
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Vom Heute fürs Morgen
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Unsre Bilder und Noten
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https://doi.org/10.11588/diglit.14432#0288

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lichen Zwang aber jedenfalls nicht tie-
fer, als auf zehn, üder wenigstens fünf
Mark. A

Anter uns

^ch bitte nnsere Freunde, nachzulesen,
Owas auf Seite fSO im vorigen Kunst-
warthefte Emil Fnchs über Rades Zeit-
schrift „Die christliche Welt" ge-
sagt hat. Das waren Worte, deren
jedes anch ich unterschrieb. Warum
wird dieses vortreffliche Blatt so wenig
gelesen, Hält man es etwa für ein
Theologenfachblatt? Ich rate drin-
gend, es zu bestellen, gleichviel ob
man Christ oder Heide sei, wenn man
nur Klugheit im Hirne, Wärme im Her-
zen nnd Vornehmheit im Willen zur
Gegenwart hören will. Wir alle ver-
danken unmittelbar oder mittelbar i h r
von unserm inneren Besitze manches
vom Besten. Sie gibt viel mehr,
als ihr Titel verspricht, und wäre im
deutschen Um- und Ausbau gar nicht
zu ersetzen. Im Buchhandel wird sie
nicht mehr geliefert, man muß sie bei
der Post bestellen. Das Wochenblatt
Rades „Christliche Welt", das in Mar-
burg erscheint, kostet dann vierteljährlich
nur sO Mark. A

AufAnfragen: Verfasser desBeet-
Hoven-Aufsatzes imvorigenHefte, der
mit „Sch." gezeichnet war, ist Wolfgang
Schumann.

Das Bestellgeld für den Kunstwart
bleibt diesmal unverändert.

Jmmer vorwärts sehnl

it Michael Hainisch ist also
ein „Außenfeiter'ß einer, der kei -
ner Partei angehört, Staatspräsi-
dent von Deutsch-österreich gewor-
den. Uns ist er kein Unbekannter, er
steht dem Kunstwartkreise seit lange
schon nahe und war gelegentlich einmal
auch Mitarbeiter an unserem Blatte.

Möge dieses unser erstes Heft im neuen
Iahr mit „lebenden Worten" geschlos-
sen werden, die wir ihm verdanken.
Er sprach sie im Herbst M9 bei einer
Tagung in Regensburg etwa so:

„Darf ich Ihnen heute etwas
aus meinem Leben erzählen, von dem
Schwersten, was mich persönlich be-
troffen hat, von dem Tode eines lieben
Sohnes? Er stand mir besonders nahe,
denn er hatte sich schon als kleines
Kind eng an mich angeschlossen und er
hatte sich auch sehr gut entwickelt. Alle
weissagten meinem Buben eine glän-
zende Zukunft. Aun war er neunzehn
Iahre alt, und wir waren mitsammen
im Hochgebirge. Da erkrankte er, es
schien nur an einem Zahngeschwür,
aber es war eine Blutvergiftung. Ich
täuschte mich darüber nicht, ich wußte
Bescheid. Ich wußte, ich saß da im
Blockhaus bei einem Sterbenden. So
sah ich nun ins Gebirge hinaus, und
alle Schroffen und Schluchten präg-
ten sich mir für immer ein. Änn starb
mein Iunge. Ich wußte in meinem
Schmerz nicht, was ich anfangen sollte.
Am nächsten Tag kam ein Bauer zu
mrr, ein einfacher Mann; ich verkehrte
seit Iahren freundschaftlich mit ihm.
Der sagte zu mir in der Mund-
art: »Schan'n Sie, ich bin ein alter
Mann, da hab ich mir eines zurecht-
gelegt: du sollst nimmer zurückschaun,
immer nach vorwärts!« Und das hat
einen sehr tiefen Eindruck auf mich ge-
macht. Als jetzt all das Unglück über
unser Volk gekommen ist, hab ich oft
wieder dran gedacht. Darf ich das auch
Ihnen zurufen: »Nimmer zurückschaun,
immer vorwärts!« Das Vergangene
vergangen sein lassen! Freien Wil-
lens in die Zukunft hinein! And das zu-
sammenbringen, was wir zum Neu-
bau brauchen für unser unteilbares
deutsches Volk!"

Unsre Bilder und Noten

eleneAltmanns kleiner Farbendruck ist so in sich geschlossen und so in
FlHsich beruhigt, daß man auch dieses Blättlein ganz getrost als ein echtes
Kunstblatt bezeichnen darf. Mag es dem Kunstwart einmal als Neujahrs-
blatt dienen! Wenn es zu klein scheint — wir werden bald wieder auch farbige
Kunflblätter bringen, die größer sind.

Der Tiefdruck hinten in unserm Heft, der „Neid" von Hans Lggimann,
führt uns wieder zu einem derjenigeu schweizerischen Maler, die gleich unserm

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