M Wilhelm Steinhausen
r
öein warinen Blütenüberschwang des Lrühlings
— welchen Frühlings! — trat ich hente in öen tühlen
^^Bilöersaal, noch ohne Ziel, in Halbgeöanken.
Ist's nicht töricht, ans der einen wnnöerreichen
Grotzen Bilöersainnrlnng öer Natnr zu flüchten
In ein Haus öer Schilöereien? Gft ist's töricht
Anö ein ratlos Tun öer lieben Menschenschwäche.
Aber heute ging ich anöernr balö vorüber,
wie von unsichtbarer Lreunöeshanö geleitet
Nach der Stelle, wo in reinein bsolzgetäfel
Deines Tagebuches kleine Blätter hängen,
Feiner, bunter Rankenschnruck öes grötzern werkes,
Blunren gleich, die irn Llaxellenschatten blühen,
Schönen Bäunren gleich inr stillen Tenrxelgarten.
Grützt sie nicht öer wanörer inrnrer doxxelt freuöig?
And ich sah sie lange an, öie schon vertrauten:
wetterwolken über gelbenr Roggenfelöe,
Sonnenfächer irn Gewölk, inr fernen Seegrund
wasser, öas sich jäh arn Htnrnrelsstrahl entzünöet,
Regenbogen, aus öer grünen lselle sxringenö
In öas Düster, weichen Laubwalds Schattenränöer,
Fernenblauer Lsöhenzug auf dunklenr walöe,
Linsanr junge Lichtung, schattengrüner Buschweg,
Luftiger Morgen unö öes Mittags grotzes Schweigen,
Grotze Lröenwelt, darin öer Mensch verschwinöet,
Grotzer lsirninel, hohes Farbensxiel öer Lüfte,
Schleier öer Gestalten, zart sich lösenö oder
Dunkel öann sich schlietzenö, flücht'ge Augenblicke,
Sonrnrerliche, öer Natur und jene liebe
Ainöerreine Lelöerzier der wilden Blüten,
Wegwart, schwanke blaue Glockenblunren, alles
ksingebannt auf die bescheiönen Tafeln, neben
löuschenden Sonnenlichtern, -ie ber hohe Mittag
Den Geschwistern öurch das Fenster grützerrd sandte.
welcher Reichturn! Doch auch welche tiefe Buhe!
Und es schlichtete sich nrir öie Bilöerfülle
Des lebenöig eingetrurrknen Frühlingnrorgens,
Anö nrir war's, als ob die wanöerrnelodien
Vieler eigner Iahre, auch der ungelebten,
Sunrnrenö, tönenö sich zu einer einz'gen fügten,
Die sich durch Anöante und Allegro leise
Fragenö schlang, ein ernster, unerforschter wohllaut.
Und ich fühlte jenen rätselhaften Därnon
Aahe, der Natur unö Aunst in eins verwanöelt:
Allgeheirnnis, reöenö öurch die Schörcheit.
Axril 1914.
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öein warinen Blütenüberschwang des Lrühlings
— welchen Frühlings! — trat ich hente in öen tühlen
^^Bilöersaal, noch ohne Ziel, in Halbgeöanken.
Ist's nicht töricht, ans der einen wnnöerreichen
Grotzen Bilöersainnrlnng öer Natnr zu flüchten
In ein Haus öer Schilöereien? Gft ist's töricht
Anö ein ratlos Tun öer lieben Menschenschwäche.
Aber heute ging ich anöernr balö vorüber,
wie von unsichtbarer Lreunöeshanö geleitet
Nach der Stelle, wo in reinein bsolzgetäfel
Deines Tagebuches kleine Blätter hängen,
Feiner, bunter Rankenschnruck öes grötzern werkes,
Blunren gleich, die irn Llaxellenschatten blühen,
Schönen Bäunren gleich inr stillen Tenrxelgarten.
Grützt sie nicht öer wanörer inrnrer doxxelt freuöig?
And ich sah sie lange an, öie schon vertrauten:
wetterwolken über gelbenr Roggenfelöe,
Sonnenfächer irn Gewölk, inr fernen Seegrund
wasser, öas sich jäh arn Htnrnrelsstrahl entzünöet,
Regenbogen, aus öer grünen lselle sxringenö
In öas Düster, weichen Laubwalds Schattenränöer,
Fernenblauer Lsöhenzug auf dunklenr walöe,
Linsanr junge Lichtung, schattengrüner Buschweg,
Luftiger Morgen unö öes Mittags grotzes Schweigen,
Grotze Lröenwelt, darin öer Mensch verschwinöet,
Grotzer lsirninel, hohes Farbensxiel öer Lüfte,
Schleier öer Gestalten, zart sich lösenö oder
Dunkel öann sich schlietzenö, flücht'ge Augenblicke,
Sonrnrerliche, öer Natur und jene liebe
Ainöerreine Lelöerzier der wilden Blüten,
Wegwart, schwanke blaue Glockenblunren, alles
ksingebannt auf die bescheiönen Tafeln, neben
löuschenden Sonnenlichtern, -ie ber hohe Mittag
Den Geschwistern öurch das Fenster grützerrd sandte.
welcher Reichturn! Doch auch welche tiefe Buhe!
Und es schlichtete sich nrir öie Bilöerfülle
Des lebenöig eingetrurrknen Frühlingnrorgens,
Anö nrir war's, als ob die wanöerrnelodien
Vieler eigner Iahre, auch der ungelebten,
Sunrnrenö, tönenö sich zu einer einz'gen fügten,
Die sich durch Anöante und Allegro leise
Fragenö schlang, ein ernster, unerforschter wohllaut.
Und ich fühlte jenen rätselhaften Därnon
Aahe, der Natur unö Aunst in eins verwanöelt:
Allgeheirnnis, reöenö öurch die Schörcheit.
Axril 1914.


