Ich bitte den Leser, jene Stelle auf--
Zuschlagen. Es handelt sich um den th--
Pischen Fall, daß bloß ein Schein-
Problem aufgeworfen wird. K. sieht
Negerkörper und gewinnt den Eindruck,
daß sie knnstlerisch höher stehen als
Kunstwerke. Solche „Probleme", aus
flüchtiger Stimmung geboren, begeg-
uen uns zu Millionen, ohne daß wir
gleich eine Philosophie der Kunst
daraus machen. K. verfährt zwar sehr
rasch, übersieht aber dafür auch das
Entscheidende. Ich mache aufmerksam
nur anf Folgendes: Kehserling setzt zu-
nächst der Kunst das Ziel, „besser zu
arbeiten als die Natur" und zwar in
der Richtung auf „Suggestionskraft der
Gestaltung". Soweit dieser Aphoris-
mus überhanpt verständlich ist, geht er
vorbei daran, daß natürliche Suggesti-
onskraft vergeht, während kunst-
Mäßige Darstellung bleibt und schon
dadurch eine besondere Bedeutung hat.
Zweitens: Keyserling meint (ohne diesen
Gedanken mit dem ersten in Einklang
zu bringen!), der Bildhauer „reali-
siere am Abbild des Körpers den dem
Körper innewohnenden Ausdruckswert";
er geht vorüber daran, daß der Künst-
ler im Werk noch ganz anderes
realisiert als die „innewohnenden"
Ausdruckswerte, beispielsweise seine
eigene, des Künstlers Seele. Erst auf
Grund so schiefer und übrigens schwer
vereinbarer Voraussetzungen konnte
Kehserling dann zu der abwegigen,
sehr eindrucksvoll-überraschenden, aber
sogar noch in sich selbst widerspruch-
vollen Behauptung kommen, die Künst-
ler verdankten ihre Wertschätzung einer
vielleicht ewigen, aber dennoch zufälli-
gen (!) „Konjunktur". So kann man
alles „beweisen" — und nichts. Sch.
Selbstverständlich steht dem Herrn
Angegriffenen das Recht der Antwort
an dieser Stelle frei. A
Der König der dunklen Kammer
ir sind alle Könige im Königreich
linsres Königs.
Wär es nicht so, wie könnten wir
hoffen, im Herzen ihm zu begegnen?
Wir tun, was wir wollen, und tun
doch, was er will.
Wir sind nicht mit der Kette der
Angst zu Füßen eines Sklavenhalter-
Königs gebunden.
Wär es nicht so, wie könnten wir
hoffen, im Herzen ihm zu begegnen!
Amser König ehrt jedweden von uns,
so ehrt sich just selber das Selbst.
Keine Armseligkeit kann uns für
immer umschließen mit ihren Wällen
der Lüge.
Wär es nicht so, wie könnten wir
Hoffnung tragen, im Herzen ihm zu be-
gegnen!
Wir ringen und graben unsern eige-
nen Weg, und erreichen so seinen am
Ende.
Wir können nimmer verloren gehn
im Abgrund der dunklen Nacht.
Wär es nicht so, wie könnten wir
hoffen, im Herzen ihm zu begegnen!
Lagore
Unsre Btlder
ls Martin Schongauers Madonna im Rosenhag" zusammen
Grünewalds Altarbildern in München war, haben auch wir das
'^^ benutzt, um Farbenphotographien in dem besten modernen Verfahren
unmittelbar nach den Originalen zu bekommen. Mehr als hier erreicht ist,
läßt sich photomechanisch nicht erreichen, wenn schon unser Blatt als Nach-
bildung ebcnsowenig ein echtes Kunstblatt ergab, wie irgendeine andre photo-
mechanische Verkleinerung eines ergeben kann. Umsomehr zeigt das Original
als solches in geradezn vollendeter Weise die Eigenschaften der großen Kunst.
Die Einzelheiten sind naturalistisch gebildet mit einer Lhrfurcht vor der Natur,
die nur bei den Händen der Frau den Einfluß eines vom Menschen gesetzten
zeitlichen und also vergänglichen Schönheit-Ideals erkennen läßt. Dennoch
wird von diesem Werk keiner auch nur einen Augenblick an den Versuch
denken, eine Illusion zu erstreben. Hier ist eine andre Welt als auch
rings im Dome, das Bild lebt in s i ch. Die kleinen Engel mit der großen
Krone freilich sind wieder „Zeit"; auch wenn sie fehlten, würde keiner be-
Zuschlagen. Es handelt sich um den th--
Pischen Fall, daß bloß ein Schein-
Problem aufgeworfen wird. K. sieht
Negerkörper und gewinnt den Eindruck,
daß sie knnstlerisch höher stehen als
Kunstwerke. Solche „Probleme", aus
flüchtiger Stimmung geboren, begeg-
uen uns zu Millionen, ohne daß wir
gleich eine Philosophie der Kunst
daraus machen. K. verfährt zwar sehr
rasch, übersieht aber dafür auch das
Entscheidende. Ich mache aufmerksam
nur anf Folgendes: Kehserling setzt zu-
nächst der Kunst das Ziel, „besser zu
arbeiten als die Natur" und zwar in
der Richtung auf „Suggestionskraft der
Gestaltung". Soweit dieser Aphoris-
mus überhanpt verständlich ist, geht er
vorbei daran, daß natürliche Suggesti-
onskraft vergeht, während kunst-
Mäßige Darstellung bleibt und schon
dadurch eine besondere Bedeutung hat.
Zweitens: Keyserling meint (ohne diesen
Gedanken mit dem ersten in Einklang
zu bringen!), der Bildhauer „reali-
siere am Abbild des Körpers den dem
Körper innewohnenden Ausdruckswert";
er geht vorüber daran, daß der Künst-
ler im Werk noch ganz anderes
realisiert als die „innewohnenden"
Ausdruckswerte, beispielsweise seine
eigene, des Künstlers Seele. Erst auf
Grund so schiefer und übrigens schwer
vereinbarer Voraussetzungen konnte
Kehserling dann zu der abwegigen,
sehr eindrucksvoll-überraschenden, aber
sogar noch in sich selbst widerspruch-
vollen Behauptung kommen, die Künst-
ler verdankten ihre Wertschätzung einer
vielleicht ewigen, aber dennoch zufälli-
gen (!) „Konjunktur". So kann man
alles „beweisen" — und nichts. Sch.
Selbstverständlich steht dem Herrn
Angegriffenen das Recht der Antwort
an dieser Stelle frei. A
Der König der dunklen Kammer
ir sind alle Könige im Königreich
linsres Königs.
Wär es nicht so, wie könnten wir
hoffen, im Herzen ihm zu begegnen?
Wir tun, was wir wollen, und tun
doch, was er will.
Wir sind nicht mit der Kette der
Angst zu Füßen eines Sklavenhalter-
Königs gebunden.
Wär es nicht so, wie könnten wir
hoffen, im Herzen ihm zu begegnen!
Amser König ehrt jedweden von uns,
so ehrt sich just selber das Selbst.
Keine Armseligkeit kann uns für
immer umschließen mit ihren Wällen
der Lüge.
Wär es nicht so, wie könnten wir
Hoffnung tragen, im Herzen ihm zu be-
gegnen!
Wir ringen und graben unsern eige-
nen Weg, und erreichen so seinen am
Ende.
Wir können nimmer verloren gehn
im Abgrund der dunklen Nacht.
Wär es nicht so, wie könnten wir
hoffen, im Herzen ihm zu begegnen!
Lagore
Unsre Btlder
ls Martin Schongauers Madonna im Rosenhag" zusammen
Grünewalds Altarbildern in München war, haben auch wir das
'^^ benutzt, um Farbenphotographien in dem besten modernen Verfahren
unmittelbar nach den Originalen zu bekommen. Mehr als hier erreicht ist,
läßt sich photomechanisch nicht erreichen, wenn schon unser Blatt als Nach-
bildung ebcnsowenig ein echtes Kunstblatt ergab, wie irgendeine andre photo-
mechanische Verkleinerung eines ergeben kann. Umsomehr zeigt das Original
als solches in geradezn vollendeter Weise die Eigenschaften der großen Kunst.
Die Einzelheiten sind naturalistisch gebildet mit einer Lhrfurcht vor der Natur,
die nur bei den Händen der Frau den Einfluß eines vom Menschen gesetzten
zeitlichen und also vergänglichen Schönheit-Ideals erkennen läßt. Dennoch
wird von diesem Werk keiner auch nur einen Augenblick an den Versuch
denken, eine Illusion zu erstreben. Hier ist eine andre Welt als auch
rings im Dome, das Bild lebt in s i ch. Die kleinen Engel mit der großen
Krone freilich sind wieder „Zeit"; auch wenn sie fehlten, würde keiner be-


