Grunde nicht deutsch, es kann vielleicht teilweise durch den langen Ausent-
halt in Italien erklärt werden oder aber durch die Tropfen semitisch-südlichen
Blutes, die in seinen Adern wie in denen seines Lehrers Marees flossen.
Bei Klinger tritt der handelnde, sühlende, wollende Mensch der Natur
gegenüber, nachdenkend über sich selbst, heldengleich, gottgleich im Gefühl
seiner siegreichen Einsamkeit gegenüber dem Nichts, das er nur belebt,
beseelt und ganz ersüllt mit den Strömen seines Ichs. Klinger ist selber
Renaissance, Wiedergeburt des sreien Künstlermenschen, tzildebrand aber
steht zwischen einem Geiste von Klingers Art und dem Archäologen mitten
inne. Er blickt nicht auf das Leben und nicht auf die Tradition, er grübelt
über den Gesetzen der Kunst und lernt von den Alten. Klinger geht
bisweilen mit der Offenbarung des Geistigen und Seelischen im Kunstwerk
s o weit, daß er es in Poesie und Philosophie auflöst. Seine großartigsten
Schöpfungen drohen die Schranken der Einzelkunst zu sprengen, man
denke an die Brahms-Phantasie, die mit Musik erlebt sein möchte. Klinger
ist unhistorisch, ihn fesseln und begeistern die Zeitlos-Gewaltigen, Christus,
Nietzsche, Beethoven. Die Fülle seiner Gesichte verlangte eine Fülle der
Ausdrucksformen, die fast immer stark und eigen sind, aber nicht Ergebnis
eines „Stiles" im formalen Sinne tzildebrands. Klingers Stil liegt in
der Unbegrenztheit seines phantastischen Erlebens, ähnlich wie bei Richard
Dehmel, der nicht bloß zufällig das herrlichste Gedicht über ein Werk
Klingers geschrieben hat, über den Christus im Olymp. Rodin ist kein
so großer Dichter, kein so gewaltiger Zusammenschauer des Kosmos, wie
Klinger, aber er baut doch, und in der größeren Beschränkung oft glück-
licher als Klinger, das ganze Leben in die Körper und Gruppen aus Stein
und Erz, und wo tzildebrand die Hineinziehung eines psychischen Zustandes
als Motiv zurückweist, sagt e r: „Der menschliche Körper ist vor allem der
Spiegel der Seele, und daher rührt seine größte Schönheit. Wir ver-
ehren mehr noch an ihm als seine schöne Form die innere Flamme, die
ihm Durchsichtigkeit zu verleihen scheint." Am schönsten drückt den Gegen-
satz zwischen beiden Rudolf Bosselt aus in seinem Buch „Probleme plastischer
Kunst": „tzildebrand verkörpert und stützt mit seinem Problem der Form
ein Gehendes, ein Sinkendes — das Gute, äber gleiche Arbeiten nach
gleichem Gesetz — die Plastik als Dienendes — als eine gemeinsame
Angelegenheit vieler. Rodin verkörpert ein Kommendes, ein Steigendes;
die Plastik für sich, die Plastik als Ausdruck des Ich — als Werk eines
einzelnen — für die Gemeinde, die es findet. Er sagt: Äberall hört der
große Künstler, wie der Geist der Dinge seinem Geiste Antwort gibt;
wenn er das Universum nach seiner Vorstellung schildert, gibt er den
eigenen Träumen Gestalt. Mit der Wiedergabe der Natur verherrlicht
er seine eigene Seele."
Hier scheiden sich zwei Kunstwelten: Die eine neigt zur Äber-
windung der Form, zum Aufgehen des Individuellen im Absoluten,
dessen höchsten und letzten Ausdruck nicht nur nach Spengler einzig die
Musik zu geben vermag. Die andere Kunstwelt, die Hildebrands, Marees'
und, um das gleich vorwegzunehmen, auch Ferdinand Hodlers ftrebt nach
der Wiedereroberung der Form und ihrer reinen, absoluten
Gesetze, die die Griechen kannten und teilweise auch die Meister der
Renaissance. Iene Bewegung erklärt sich aus dem mystischen Drang
zur Verinnerlichung, aus der „großen Liebe", diese aus dem Bedürfnis nach
Klarheit und Wahrheit, die im Leben selbst nicht mehr gefunden wurde
halt in Italien erklärt werden oder aber durch die Tropfen semitisch-südlichen
Blutes, die in seinen Adern wie in denen seines Lehrers Marees flossen.
Bei Klinger tritt der handelnde, sühlende, wollende Mensch der Natur
gegenüber, nachdenkend über sich selbst, heldengleich, gottgleich im Gefühl
seiner siegreichen Einsamkeit gegenüber dem Nichts, das er nur belebt,
beseelt und ganz ersüllt mit den Strömen seines Ichs. Klinger ist selber
Renaissance, Wiedergeburt des sreien Künstlermenschen, tzildebrand aber
steht zwischen einem Geiste von Klingers Art und dem Archäologen mitten
inne. Er blickt nicht auf das Leben und nicht auf die Tradition, er grübelt
über den Gesetzen der Kunst und lernt von den Alten. Klinger geht
bisweilen mit der Offenbarung des Geistigen und Seelischen im Kunstwerk
s o weit, daß er es in Poesie und Philosophie auflöst. Seine großartigsten
Schöpfungen drohen die Schranken der Einzelkunst zu sprengen, man
denke an die Brahms-Phantasie, die mit Musik erlebt sein möchte. Klinger
ist unhistorisch, ihn fesseln und begeistern die Zeitlos-Gewaltigen, Christus,
Nietzsche, Beethoven. Die Fülle seiner Gesichte verlangte eine Fülle der
Ausdrucksformen, die fast immer stark und eigen sind, aber nicht Ergebnis
eines „Stiles" im formalen Sinne tzildebrands. Klingers Stil liegt in
der Unbegrenztheit seines phantastischen Erlebens, ähnlich wie bei Richard
Dehmel, der nicht bloß zufällig das herrlichste Gedicht über ein Werk
Klingers geschrieben hat, über den Christus im Olymp. Rodin ist kein
so großer Dichter, kein so gewaltiger Zusammenschauer des Kosmos, wie
Klinger, aber er baut doch, und in der größeren Beschränkung oft glück-
licher als Klinger, das ganze Leben in die Körper und Gruppen aus Stein
und Erz, und wo tzildebrand die Hineinziehung eines psychischen Zustandes
als Motiv zurückweist, sagt e r: „Der menschliche Körper ist vor allem der
Spiegel der Seele, und daher rührt seine größte Schönheit. Wir ver-
ehren mehr noch an ihm als seine schöne Form die innere Flamme, die
ihm Durchsichtigkeit zu verleihen scheint." Am schönsten drückt den Gegen-
satz zwischen beiden Rudolf Bosselt aus in seinem Buch „Probleme plastischer
Kunst": „tzildebrand verkörpert und stützt mit seinem Problem der Form
ein Gehendes, ein Sinkendes — das Gute, äber gleiche Arbeiten nach
gleichem Gesetz — die Plastik als Dienendes — als eine gemeinsame
Angelegenheit vieler. Rodin verkörpert ein Kommendes, ein Steigendes;
die Plastik für sich, die Plastik als Ausdruck des Ich — als Werk eines
einzelnen — für die Gemeinde, die es findet. Er sagt: Äberall hört der
große Künstler, wie der Geist der Dinge seinem Geiste Antwort gibt;
wenn er das Universum nach seiner Vorstellung schildert, gibt er den
eigenen Träumen Gestalt. Mit der Wiedergabe der Natur verherrlicht
er seine eigene Seele."
Hier scheiden sich zwei Kunstwelten: Die eine neigt zur Äber-
windung der Form, zum Aufgehen des Individuellen im Absoluten,
dessen höchsten und letzten Ausdruck nicht nur nach Spengler einzig die
Musik zu geben vermag. Die andere Kunstwelt, die Hildebrands, Marees'
und, um das gleich vorwegzunehmen, auch Ferdinand Hodlers ftrebt nach
der Wiedereroberung der Form und ihrer reinen, absoluten
Gesetze, die die Griechen kannten und teilweise auch die Meister der
Renaissance. Iene Bewegung erklärt sich aus dem mystischen Drang
zur Verinnerlichung, aus der „großen Liebe", diese aus dem Bedürfnis nach
Klarheit und Wahrheit, die im Leben selbst nicht mehr gefunden wurde


