nu lußt mich aber doch ei Friede", sagte sie mit allem nur erdenklichsn
Erstaunen und Hohn zugleich. —
Und sie suchte Tausenderlei aus Stübel und Stube eilfertig zusammen
und machte einen Packen. Liese kam mit verweinten Augen, die nur
noch tränten. „Ach nee, Mutter! — Wu willst e denn hie?"
„Sprich nee, Madel!"
„Luß de Mutter machen, was se will, Liesel", sagte der Alte. —
„Liesel! Liesel!" grimassierte die Alte. Und sie ließ sich nicht stören,
zu packen, und war immer nahe daran, von neuem herauszulachen.
Aber der Alte sagte auch noch einmal und ein zweites Mal:
„Es treibt dich niemand 'naus," sagte er, „du kannst ruhig hie'
blei'n." —
Die Schrötern lachte nur höhnisch.
And Liese saß mit ihren Kinderaugen, aufs innerste erschrocken und
verstört, auf der Ofenbank und heulte und klagte:
„Ach Ieses, Feses! — Nlse! Ach Mutter? War denn? War söllte denn
de Mutter 'naustreiba überhaupt?"
Und endlich nahm die Mutter ihre schwere tzucke, lachte noch einmal
ihren ganzen tzohn in die Stube zurück — und mit einem kräftigen
Ruck den Packen auf den Rücken reißend, verschwand sie ins tzaus —
hinaus in die Nacht. Daß Liese ratlos den Abend und die Nacht weinend
auf der Ofenbank dasaß und nur langsam erst in Tagen sich wieder aus
ihrem kindlichen Schrecken erholen konnte, den alten Mann nicht nahe
zu sich ließ, gleich weinte, sich unendlich, zum ersten Male, verachtet er-
schien, und der Mutter tzaßblick gar nicht vergessen konnte. Nur langsam
in den stillen, einsamen Wintertagen wurde sie ruhig — und war dann
die Frau des Alten — und trieb gutmütig in Stall und Stube ihr ver-
legenes Wesen.
G
«vrir wissen alles — und wir wissen es doch nicht. Wir haben uns
^^etwas zurecht gemacht an den Dingen, was zu wissen geht. And
was wir wissen möchten, wissen wir doch nicht. Es ist doch im Grunde
nur ein Becher voll Rätseln, den wir nun in der tzand halten. Den
haben wir geschaffen. Das ist alles.
Bilden, Denken, Reden
^VZilden gibt Ruhe, denken quält, reden macht Lärm.
^Bilden setzt Grenzen, denken sucht sie, reden versäumt die Zeit.
Bilden sindet endliche Einheit, denken sucht die ewige, reden ist ein
Nochmal.
Bilden zeugt Werke, denken gibt Ratschläge, reden ist in den Wind.
Bilden ist Tun, denken ist Schwanken, reden ist Scheinen.
Bilden ist Kraft, denken ist Zwang, reden kann auch der Papagei.
E
Kunstwirkung
s geht ein Unbekanntes von Seele zu Seele und wirkt ewige Ver
wandtschaft.
(Txenkend kannst du nie das Rätsel des Menschenlebens, also auch das
"^deines eigenen nicht, erschöpfen wollen. Denn jedes Leben ist eine
irrationale Größe, und alles Denken ein rationales Maß. Denkend
Erstaunen und Hohn zugleich. —
Und sie suchte Tausenderlei aus Stübel und Stube eilfertig zusammen
und machte einen Packen. Liese kam mit verweinten Augen, die nur
noch tränten. „Ach nee, Mutter! — Wu willst e denn hie?"
„Sprich nee, Madel!"
„Luß de Mutter machen, was se will, Liesel", sagte der Alte. —
„Liesel! Liesel!" grimassierte die Alte. Und sie ließ sich nicht stören,
zu packen, und war immer nahe daran, von neuem herauszulachen.
Aber der Alte sagte auch noch einmal und ein zweites Mal:
„Es treibt dich niemand 'naus," sagte er, „du kannst ruhig hie'
blei'n." —
Die Schrötern lachte nur höhnisch.
And Liese saß mit ihren Kinderaugen, aufs innerste erschrocken und
verstört, auf der Ofenbank und heulte und klagte:
„Ach Ieses, Feses! — Nlse! Ach Mutter? War denn? War söllte denn
de Mutter 'naustreiba überhaupt?"
Und endlich nahm die Mutter ihre schwere tzucke, lachte noch einmal
ihren ganzen tzohn in die Stube zurück — und mit einem kräftigen
Ruck den Packen auf den Rücken reißend, verschwand sie ins tzaus —
hinaus in die Nacht. Daß Liese ratlos den Abend und die Nacht weinend
auf der Ofenbank dasaß und nur langsam erst in Tagen sich wieder aus
ihrem kindlichen Schrecken erholen konnte, den alten Mann nicht nahe
zu sich ließ, gleich weinte, sich unendlich, zum ersten Male, verachtet er-
schien, und der Mutter tzaßblick gar nicht vergessen konnte. Nur langsam
in den stillen, einsamen Wintertagen wurde sie ruhig — und war dann
die Frau des Alten — und trieb gutmütig in Stall und Stube ihr ver-
legenes Wesen.
G
«vrir wissen alles — und wir wissen es doch nicht. Wir haben uns
^^etwas zurecht gemacht an den Dingen, was zu wissen geht. And
was wir wissen möchten, wissen wir doch nicht. Es ist doch im Grunde
nur ein Becher voll Rätseln, den wir nun in der tzand halten. Den
haben wir geschaffen. Das ist alles.
Bilden, Denken, Reden
^VZilden gibt Ruhe, denken quält, reden macht Lärm.
^Bilden setzt Grenzen, denken sucht sie, reden versäumt die Zeit.
Bilden sindet endliche Einheit, denken sucht die ewige, reden ist ein
Nochmal.
Bilden zeugt Werke, denken gibt Ratschläge, reden ist in den Wind.
Bilden ist Tun, denken ist Schwanken, reden ist Scheinen.
Bilden ist Kraft, denken ist Zwang, reden kann auch der Papagei.
E
Kunstwirkung
s geht ein Unbekanntes von Seele zu Seele und wirkt ewige Ver
wandtschaft.
(Txenkend kannst du nie das Rätsel des Menschenlebens, also auch das
"^deines eigenen nicht, erschöpfen wollen. Denn jedes Leben ist eine
irrationale Größe, und alles Denken ein rationales Maß. Denkend


