kann also auch kein Leben in Ruhe und Erlösung ausgehen, nur in Be-
denken, in ewiger Skepsis. Du kannst es nur in einem ergreifen voll
und ganz: wenn dein eigenstes, innerstes Wesen dein Leben glaubt, liebt,
es stark, kühn, schopferisch verklärt; wenn der Augenblick kommt, wo dein
Wesen ganz ausgefüllt ist von dem persönlichsten Lebensgefühl und Lebens-
glauben selbst, daß du hintrittst — ein Liebender, Zeugender, Brennender
— ein Erlöster — und sagen kannst: Ich stehe und falle mit dem, was
ich bin, liebe, glaube, lebe. — Der Sinn des Lebens kann nicht gedacht,
er kann nur mit dem ganzen Wesen erlebt sein. — Aber wer kann es
ganz ausdrücken — dieses Geheimnis?! — Wenn wer — dann nur der
Künstler. — Die Kunst hat kein anderes Ziel. Sie ist die Darstellerin
des Wesens an sich, ohne alle Ration. Die Kunst, die uns nicht denken,
die uns erleben macht im Innersten, die nicht den Verstand, die den
ganzen Menschen aufschließt, erschüttert und erfüllt.
<7^ agende im Kunstreich, Gipfel über Zeiten sind die, die große Ge-
^st alten in den Raum und vors Menschheitsauge stellten, sichere Men-
schenmaße zum Anschaun und zum Aufschaun für die Menge hinschrieben
in die Lüfte. Niemals die nur zärtliche, zerrissene und weiche Schwärme-
reien und Träume wie umnebelnden Weihrauch hinhauchten. Gestalt ist
das Wesen der großen Kunst: sei es die volle, reiche Gestalt einer Fünften
oder Neunten Symphonie, sei es Lionardos „tzeilige Anna selbdritt"
oder Rembrandts „Mann im tzelm".
Der Ragende trachtet nicht, Schwärmern nur selige Augen zu machen.
Er weidet die Augen der Gewöhnlichen. Er macht ihren Blick ins tzohe,
ins Machtvoll-sinngebende gerichtet. Er führt des Alltäglichen Schau
und Verlangen einen Augenblick erschütterlich ins Reich des Ragenden
empor.
Persönlichkeit
^en kleinen Nnterschied des Wesens, den man Ich nennt, muß man
^vergessen um der P e r s ö n li ch kei t willen, die nicht Ich, die Tat
und Werk ist.
Selbstlinge betonen ihr Ich.
Wahre Persönlichkeiten suchen mit der nachdrücklichen Kraft des Selbst-
ungs Tat und Werk.
Selbstlinge jagen Launen und Genüssen nach.
Persönlichkeiten der mutigen Darstellung des höchsten eigenen Gesetzes.
Selbstlinge lassen sich gehen und tun das Bequeme.
Persönlichkeiten ringen in strenger Obhut ihrer selbst vorwärts und
gewinnen in der Tat die Darstellung vollkommener Menschheitsmaße.
Vom geute fürs Morgen
Knospen?
es wirklich so, daß das Alter
Ostumpf macht? Ich fürchte mich nicht
davor, denn ich habe Menschen ge-
kannt, denen noch in ihren Achtzigern
das Alter blühte, wie nach Arndts
Liede Blüchern, „wie greisender Wein".
Alte Menschen, denen die Furcht vor
dem Tode entschwunden war, die sie
früher geplagt hatte, die jeden neuen
Tag als ein besonderes schönes Ge-
schenk erfühlten, das sie herzwarm,
dankbar genossen; Menschen ohne
Sorge darum, was hinter dem Mor-
34s8
denken, in ewiger Skepsis. Du kannst es nur in einem ergreifen voll
und ganz: wenn dein eigenstes, innerstes Wesen dein Leben glaubt, liebt,
es stark, kühn, schopferisch verklärt; wenn der Augenblick kommt, wo dein
Wesen ganz ausgefüllt ist von dem persönlichsten Lebensgefühl und Lebens-
glauben selbst, daß du hintrittst — ein Liebender, Zeugender, Brennender
— ein Erlöster — und sagen kannst: Ich stehe und falle mit dem, was
ich bin, liebe, glaube, lebe. — Der Sinn des Lebens kann nicht gedacht,
er kann nur mit dem ganzen Wesen erlebt sein. — Aber wer kann es
ganz ausdrücken — dieses Geheimnis?! — Wenn wer — dann nur der
Künstler. — Die Kunst hat kein anderes Ziel. Sie ist die Darstellerin
des Wesens an sich, ohne alle Ration. Die Kunst, die uns nicht denken,
die uns erleben macht im Innersten, die nicht den Verstand, die den
ganzen Menschen aufschließt, erschüttert und erfüllt.
<7^ agende im Kunstreich, Gipfel über Zeiten sind die, die große Ge-
^st alten in den Raum und vors Menschheitsauge stellten, sichere Men-
schenmaße zum Anschaun und zum Aufschaun für die Menge hinschrieben
in die Lüfte. Niemals die nur zärtliche, zerrissene und weiche Schwärme-
reien und Träume wie umnebelnden Weihrauch hinhauchten. Gestalt ist
das Wesen der großen Kunst: sei es die volle, reiche Gestalt einer Fünften
oder Neunten Symphonie, sei es Lionardos „tzeilige Anna selbdritt"
oder Rembrandts „Mann im tzelm".
Der Ragende trachtet nicht, Schwärmern nur selige Augen zu machen.
Er weidet die Augen der Gewöhnlichen. Er macht ihren Blick ins tzohe,
ins Machtvoll-sinngebende gerichtet. Er führt des Alltäglichen Schau
und Verlangen einen Augenblick erschütterlich ins Reich des Ragenden
empor.
Persönlichkeit
^en kleinen Nnterschied des Wesens, den man Ich nennt, muß man
^vergessen um der P e r s ö n li ch kei t willen, die nicht Ich, die Tat
und Werk ist.
Selbstlinge betonen ihr Ich.
Wahre Persönlichkeiten suchen mit der nachdrücklichen Kraft des Selbst-
ungs Tat und Werk.
Selbstlinge jagen Launen und Genüssen nach.
Persönlichkeiten der mutigen Darstellung des höchsten eigenen Gesetzes.
Selbstlinge lassen sich gehen und tun das Bequeme.
Persönlichkeiten ringen in strenger Obhut ihrer selbst vorwärts und
gewinnen in der Tat die Darstellung vollkommener Menschheitsmaße.
Vom geute fürs Morgen
Knospen?
es wirklich so, daß das Alter
Ostumpf macht? Ich fürchte mich nicht
davor, denn ich habe Menschen ge-
kannt, denen noch in ihren Achtzigern
das Alter blühte, wie nach Arndts
Liede Blüchern, „wie greisender Wein".
Alte Menschen, denen die Furcht vor
dem Tode entschwunden war, die sie
früher geplagt hatte, die jeden neuen
Tag als ein besonderes schönes Ge-
schenk erfühlten, das sie herzwarm,
dankbar genossen; Menschen ohne
Sorge darum, was hinter dem Mor-
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