Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Kunstwart und Kulturwart — 34,1.1920-1921

DOI issue:
Heft 6 (Märzheft 1921)
DOI article:
Unsre Bilder und Noten
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.14432#0433

DWork-Logo
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Unsre Bilder und Noten

^HL^arum fesselt uns Adolf tzildebrands freilich auch ungewöhn-
? r lich schön wiedergegebene Plakette der Duse ganz unmittelbar? Und
^ warum läßt diese Wirkung bei der Betrachtung nicht nach? Jhre
Unmittelbarkeit mag von der großen bildnerischen Schönheit kommen.
Wie sicher schon die Komposition! Ein Kopf kann nicht besser im Raume stehn.
Da ist vielleicht noch ein Mangel unsrer Wiedergabe, daß der eingeschriebene
Name zu stark vorleuchtet, jedenfalls: wenn man ihn etwa mit etwas Sepia
deckt, so ist die Ruhe des Ganzen der Vollkommenheit noch näher. Solche
Plastik ist lehten Wesens Bildnerei mit Licht. Beobachten wir hier
das Licht! Aber der Stirn teilt es sich in zwei Hauptströme. Der eine geht
ins Haar, teilt sich dort wieder, wellt oben mit den gelegten Locken nur dekorativ
hin, fällt aber nach unten in Kadenzen, die auch Ausdruck sind, bis er sich im
Nacken gleichsam ergibt. Der andre Strom, der das Gesicht hinunter geht,
scheint zunächst unhildebrandisch, erst an der Behandlung des Lichtes am Halse
erkennen wir den Meister sofork' wieder. Auf der Stirn scheint das Licht auf
das feinste seelisch Lharakteristisches herauszumodellieren. Doch weiß ich nicht,
ob wir gerade auf dem Angesicht dieser großen Darstellerin mehr tzildebrands
Kunst oder aber eine Naturschönheit bewundern sollen. Fedenfalls, die Natur
hat hier mit dem Herausformen eines überreichen, feinstnervigen und edeln
tragischen Erlebens ins Angesicht dieser Künstlerin dem Bildhauer so vor-
gearbeitet, daß er in dieser Beziehung selber nur nahm. Es ist ein wunder-
volles Werk.

Im Texte zeigen wir noch zwei andre von Hildebrand, weil sie sein von
uns ja schon wiederholt illustriertes bildnerisches Schaffen auf die künstlerische
Entwicklung des Meisters hin beleuchten und so auch den Aufsatz
dieses Heftes illustrieren. Der eine zeigt ein frühes Gemälde Hildebrands,
das ganz klar seinen Zusammenhang mit Marees zeigt. Das andre zeigt
den Wittelsbacher Brunnen vom Münchner Lenbachplatz. Uns ist dieser be-
rühmteste Brunnen Hildebrands nicht der liebste, wir ziehen ihm z. B. den
Hubertusbrunnen vor. So Schönes der hier abgebildete zeigt und so vorzüglich
er im Stadtbilde steht, seiner Komposition mangelt es für unser Empfinden
doch am quellenden Phantasieleben. — Diese Hildebrandbilder geben wir nach
der gleich dem Kunstwart im Callwehschen Verlage erscheinenden vortrefflichen
Heilmeherschen Zeitschrift „Die Plastik", von der ein besonderes Hildebrand-
Heft erschien.

Die gute Büste, die Hildebrands Bildnis zeigt, ist ein Werk seines Schülers
und Schwiegersohnes Georgii.

Von Carl Hauptmann geben wir ein Bildnis mit, das Edmund
Möllers Büste zeigt. Lin kraftvolles Werk eines sehr begabten Künstlers.
Läßt es eine,Seite Hauptmanns zu sehr zurücktreten zuungunsten andrer Seiten?
Darüber wird man geteilter Meinung sein, weil das, was Hauptmann mit dem
Boden verbindet, sagen wir übertreibend: weil das Waldschratmäßige aus
diesen Zügen zum Beschauer vor andern Eigenschaften spricht. Aber wer
bei der Möllerschen Büste verweilt, sieht jene andern Eigenschaften, sieht
das Edelgeistige und das menschlich Gütige doch anch, er sieht es nur mit
dem Panischen als eine Linheit ganz beisammen.

Das wundersam stimmungsvolle kleine Bild über dem ersten Aufsatze ist
die Nachbildung einer Postkarte von K. Kobelt, die dieser für die inter-
nationale pazifistische Studentenverbindung „Corda fratres" gezeichnet hat.

Die Schriftproben sind Beispiele aus der neuen Dürerbund-Flug-
schrift „Denkmal und Schrift" von Lorenz Reinhard Spitz.enpfeil.

herausgeberrPros.Dr.k.e.Ferdinan dAvenarius inDresden-Blasewit;;verantwortl.:derHerausgeber
— Berlag von Georg D.W. Callweh, Druck bon Kastner L Callwey. Buchdruckeret in München - In
üsterreich-Ungarn für Herausgabe u. Schriftleitung verantwortl.: Vr.Richard Batka in Wien H.Taborstr.20
 
Annotationen