tste, zeigte, daß er in Generationen und Zeitaltern denken konnte. Ver--
eitelt wurde jenes eine durch leiblichen Zusammenbruch, dieses andere
durch Verengerung des Blickselds bis zu dem Punkt, wo nur noch die
Phrase darin blieb. Hüten wir uns, sie aufzugreisenl sehen wir lieber,
ob und wie wir uns erneut dazu bringen können, in Generationen zu
denken. Damals mußte es mit Preisgabe der eigenen, einmaligen Existenz,
heute kann und darf es nur mit ihrer Steigerung geschehen. Es ist
Äberspannung der menschlichen Kräste, wenn man verlangt, daß jemand
völlig auf sein eigenes Leben verzichte, sich nur Baustein fühle oder Kraft--
reservoir für ein noch nicht Vorhandenes. Im Gegenteil: wir müsseu
so weit kommen, wie es der Krieg meist nicht erlaubte, der Frieden jeglicher
Art aber fordert: Rnser einmaliges Dasein so randvoll zu erfüllen mit
Sinn, daß wir unser Erbe gesteigert, gemehrt, lebenzeugend weitergeben
können. Das Elend dieser Tage kommt vom Zügel-schleifen-lassen, kommt
vom erlahmenden Willen, in Form zu sein. Gerade weil der
Wahnsinnstaumel der Währungszerstörung uns den Atem zu rauben droht,
gerade weil die tägliche Hochflut der politisch-unpolitischen Alarmnach-
richten stündlich gegen unsere Nervenkraft brandet, gerade weil wir bis
an die Ohren im Schlamm dieser Zeit stecken, müssen wir das kleinste
Quentchen Kraft, das uns noch freibleibt, noch nicht in Anspruch genommen
ist vom „Betrieb" des öffentlichen und persönlichen Lebens, bewahren und
steigern. — Müssen uns anstrengen, diese letzte Reserve an „Substanz"
dem Zentrum unserer Persönlichkeit zuführen, damit sie fähig bleibe und
immer fähiger werde, über den zeitgebundenen Dingen, über dem Strudel
der Geschehnisse, über dem barbarischen Widersinn unseres Nnterworfen-
seins untsr ertötende Daseinsbedingungen die Freiheit des Geistes und
den Blick für den Sinn über allem scheinbaren Unsinn zu bewahren.
Immer mehr geistige Menschen verfallen der Zeitkrankheit, die bei der
Masse Materialismus, bei ihnen aber Nihilismus heißt und die nicht
bloß durch Kokam, sondern schon durch Verzicht auf bewußte Lebens-
gestaltung genährt wird. Dem Dasein der meisten fehlt ein unserem Kräfte-
system gemäßer Rhythmus. Ihn einzuhalten liegt scheinbar nur mehr
in der Macht weniger Beneidenswerter, die anderen werden gewaltsam
rhythmisiert durch Beruf und Gesellschaft. Immerhin ist es gut, die
Okonomie seiner geist-leiblichen Persönlichkeit zu kennen, wie es nötig ist,
das Gesetz der schöpferischen Pause, soweit es irgend geht, zu achten. Was
aber jeder, auch als noch so gebundener Arbeitssklave, erreichen kann, das
ist eine „Sanierung" des Gemütslebens durch willentliche Klärung der
Gedanken, Lösung von Komplexen, Abreagierung von Angestaubtem, Be-
freiung von Zwangsvorstellungen, die heute häusiger sind, als man glauben
möchte. Wsr so direkte Klärung seines Ichs nicht vorzunehmen vermag,
kann durch Nmgang mit Menschen von souveräner Lebensart und -kunst
oder durch Aufnehmen geistiger Schöpfungen sich Beruhigung schaffen,
ja es ist sogar möglich, durch bloße Nmschau in der Buntheit des uns
umgebenden Lebens freieren Blick und ruhigeren, tiefen Atem zu gewinnen.
Wir sind es uns und den Kommenden schuldig, das Fünklein wach zu
halten, als dessen Träger wir vor uns selbst — als verantwortungsfähige
Wesen — einzig Lebensberechtigung haben, ganz gleichgültig, ob diese
anthropozentrische Einstellung in einem äußerst-letzten Betracht nun Be°
rechtigung hat oder nicht. Nns treibt es, auch uns noch: zu leben! Aus
diesem Trieb aber erwächst uns die selbstgeschaffene Verpflichtung, dieses
eitelt wurde jenes eine durch leiblichen Zusammenbruch, dieses andere
durch Verengerung des Blickselds bis zu dem Punkt, wo nur noch die
Phrase darin blieb. Hüten wir uns, sie aufzugreisenl sehen wir lieber,
ob und wie wir uns erneut dazu bringen können, in Generationen zu
denken. Damals mußte es mit Preisgabe der eigenen, einmaligen Existenz,
heute kann und darf es nur mit ihrer Steigerung geschehen. Es ist
Äberspannung der menschlichen Kräste, wenn man verlangt, daß jemand
völlig auf sein eigenes Leben verzichte, sich nur Baustein fühle oder Kraft--
reservoir für ein noch nicht Vorhandenes. Im Gegenteil: wir müsseu
so weit kommen, wie es der Krieg meist nicht erlaubte, der Frieden jeglicher
Art aber fordert: Rnser einmaliges Dasein so randvoll zu erfüllen mit
Sinn, daß wir unser Erbe gesteigert, gemehrt, lebenzeugend weitergeben
können. Das Elend dieser Tage kommt vom Zügel-schleifen-lassen, kommt
vom erlahmenden Willen, in Form zu sein. Gerade weil der
Wahnsinnstaumel der Währungszerstörung uns den Atem zu rauben droht,
gerade weil die tägliche Hochflut der politisch-unpolitischen Alarmnach-
richten stündlich gegen unsere Nervenkraft brandet, gerade weil wir bis
an die Ohren im Schlamm dieser Zeit stecken, müssen wir das kleinste
Quentchen Kraft, das uns noch freibleibt, noch nicht in Anspruch genommen
ist vom „Betrieb" des öffentlichen und persönlichen Lebens, bewahren und
steigern. — Müssen uns anstrengen, diese letzte Reserve an „Substanz"
dem Zentrum unserer Persönlichkeit zuführen, damit sie fähig bleibe und
immer fähiger werde, über den zeitgebundenen Dingen, über dem Strudel
der Geschehnisse, über dem barbarischen Widersinn unseres Nnterworfen-
seins untsr ertötende Daseinsbedingungen die Freiheit des Geistes und
den Blick für den Sinn über allem scheinbaren Unsinn zu bewahren.
Immer mehr geistige Menschen verfallen der Zeitkrankheit, die bei der
Masse Materialismus, bei ihnen aber Nihilismus heißt und die nicht
bloß durch Kokam, sondern schon durch Verzicht auf bewußte Lebens-
gestaltung genährt wird. Dem Dasein der meisten fehlt ein unserem Kräfte-
system gemäßer Rhythmus. Ihn einzuhalten liegt scheinbar nur mehr
in der Macht weniger Beneidenswerter, die anderen werden gewaltsam
rhythmisiert durch Beruf und Gesellschaft. Immerhin ist es gut, die
Okonomie seiner geist-leiblichen Persönlichkeit zu kennen, wie es nötig ist,
das Gesetz der schöpferischen Pause, soweit es irgend geht, zu achten. Was
aber jeder, auch als noch so gebundener Arbeitssklave, erreichen kann, das
ist eine „Sanierung" des Gemütslebens durch willentliche Klärung der
Gedanken, Lösung von Komplexen, Abreagierung von Angestaubtem, Be-
freiung von Zwangsvorstellungen, die heute häusiger sind, als man glauben
möchte. Wsr so direkte Klärung seines Ichs nicht vorzunehmen vermag,
kann durch Nmgang mit Menschen von souveräner Lebensart und -kunst
oder durch Aufnehmen geistiger Schöpfungen sich Beruhigung schaffen,
ja es ist sogar möglich, durch bloße Nmschau in der Buntheit des uns
umgebenden Lebens freieren Blick und ruhigeren, tiefen Atem zu gewinnen.
Wir sind es uns und den Kommenden schuldig, das Fünklein wach zu
halten, als dessen Träger wir vor uns selbst — als verantwortungsfähige
Wesen — einzig Lebensberechtigung haben, ganz gleichgültig, ob diese
anthropozentrische Einstellung in einem äußerst-letzten Betracht nun Be°
rechtigung hat oder nicht. Nns treibt es, auch uns noch: zu leben! Aus
diesem Trieb aber erwächst uns die selbstgeschaffene Verpflichtung, dieses


