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Kunstwart und Kulturwart — 37,2.1924

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Heft 12 (Septemberheft 1924)
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Häfker, Hermann: Die Himmelsdichtung, [2]
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Lose Blätter
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https://doi.org/10.11588/diglit.14440#0265

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Menschen durch die einfachste und erhabenste Entdeckung erweckt worden
ist — der Entdeckung der Zeit. Wie ein fernher durch Iahrtausendstürme
hindurch verworren nachklingendes Lied aber tönts von den Sternbildern
Zu uus herab: die Himmelsdichtung des Menschengeschlechts.

Hermann Häfker

Lose Blätter

Sonette von Maarten Maartens

Der Reiche

us Höllentiefen und aus Marterpein
Heb schmerzvoll ich den Blick zu dir, o Christ.
^^Aus Haß auf dich ruf ich umsonst zu dir,

Wo Liebe nur des Herzens Sehnsucht stillt.

Reichtum war mein — nicht Gold und irdisch Gut;
Irrsterne lockten mich zu Geistesschätzen,

Ilnd meine Hoffnung auf dich gab ich preis.

Rud nun tut sich ein Abgrund vor mir auf,

Den meine Weisheit nicht erkennen konnte,

Eh ihre ganze Tiefe ich ermessen,-

Ein Abgrund, der mich trennt vom Glück der Armut.

Reichtum ist mein. Und dein gerechter Wille

Ist, daß in ihrer selbsterkornen Hölle

Noch immer meine Seele heiß ersehnt

Den Himmel, der die Liebe zu dir ist.

Das irdische Paradies
Ein wundersamer Morgen, licht und still!

Im tiefelosen Blau nicht eine Wolke;

Kein Windhauch, der die stillen Bäume weckte^
Kein Schatten auf dem waldumhüllten Hügel.
Die ganze weite Welt köstlich durchpulst
Vou lebensvollem Schweigen; Vögel, Bienen
Verstummt wie ich in Wohligkeit, als hätte
Am Leben satt getrunken sich die Welt.

Da trifft mich jäh Gedanke an das Dunkel,

An Mord, der gräßlich eben jetzt geschieht-
An Wahnsinn, der in ferner Zelle kreischt;

Tod, Abschied, Tränen — ein endloser Schrei
Von Schmerz und Sünde unter heitrer Sonne
In diesem Friedensparadies der Hölle.

Eines weiß ich

In diesem Sturm der Liebe weiß ich eins:

Ein Anker hält das Schiff, wenn sturmgetroffen
Die Flanken zitternd es entblößt, und tanzt,
Von Wog zu Woge auf und nieder schwankt.

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