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Kunstwart und Kulturwart — 38,1.1924-1925

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Heft 3 (Dezemberheft 1924)
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Isländergeschichten
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Lose Blätter
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https://doi.org/10.11588/diglit.14441#0146

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eindeutig vor uns: Ingigerd aus reinem Königsblut, die Kluge und Starke,
die Glückswahrscheinlichkeiten opfert, um Schweden und Norwegen Frie»
den zu verschaffen; Astrid, ihre Stiefschwester, Olafs des Breiten Gemahlin,
so klug und anmutig wie sie; Alfhild, eine Nebenfrau, die Olaf einen Sohn
gebiert. Wenn wir aufmerksam dahin tasten, fühlen wir wohl, daß auch in
dieser Nichtung Schicksal und Leben des König Olaf liegen. Aber er ist
nicht davon abhängig. Nicht d a her getrieben wächst er.

Er ist ein Mann. Wann einer primitiven Zeit, dem bald nach früh
beendeter Kindheit königlicher Wille aus klugen Augen springt. Kühn,
klug, mutig, machtbegierig, wächst er in seine Krone hinein. Er wird Christ,
weil er den Christ für mächtiger hält als Odin. Als aber das Glück Lhn
verläßt, beugt er sich verstehend unter Christi Willen, heilt, statt Gewalt zu
tun und fällt in der entscheidenden Schlacht gegen seine aufständischen
Bauern, besiegt und dennoch Sieger.

Sei man unfromm oder gläubig, herzgeleitet oder geiststark: dieses Wachs»
tum eines Königs empor in seelenhaftes Wesen ist gut mitzuerleben und es
ist nicht unnötig, daß ein Buch voll klingender Sagen und bunter Ereig--
nisse um diesen Kernvorgang gewoben worden ist.

Die Sprache des Buches ist, obwohl dem Alltag enthoben, doch rein
und fließend im Dialog, ist stark und knapp, sicher wirkendes Mittel zur
Darstellung der Menschen und ihrer Umgebung.^ M. B.

Aus der GeschichLe von Heming

IMe „Geschichle von Heming" ist eine Crzählung, die Beate Bonus
mit freier Benutzung altnordischer Bruchstücke geschrieben hat. Würdig steht
sie neben den überlieferten, eine vollgültige, tiefe, ergreifende Dichtung. Das
Werk erscheint soeben unter den neuesten fünf Bäüden der Kunstwart-
B ü ch e r e i.

Wir geben hier den Schluß der Dichtung wieder. Zu dessen Verständnis
sei das Folgende gesagt. Dieser Schluß spielt sich in England ab. Londuna--
burg ist London. tzarald Godwinssohn ist jener Harald, den Wilhelm der Wor-
manne, der „Lroberer", kurz vorher bei Hastings geschlagen hat. Harald
ist nicht gefallen, sondern er hat sich in den Wald retten können.

Kurz vor der Schlacht von Hastings aber hat eine andere Schlacht stattge-
funden: Cngländer gegenAorweger, tzarald Godwinssohn vonLngland gegen
Harald den Harten von Norwegen, der um sein Crbe England focht und
unterlag. Auf Cnglands Seite kämpfte da mit der tzeming, das ist der unehe»
liche Sproß des Norwegers Olafs des Heiligen. Dieser tzeming, auch Nanft
genannt, hat sein ganzes Leben Hindurch auf Haralds des Harten Dod
gewartet, denn der Heilige hatte ihm befohlen, ihn nicht offen zu befehden!.
Nun ist Norwegens Thron frei und auch der Cnglands scheint erreichbar.
Der tzeming bekommt tzaralds des Harten Söhne in die Hand, die ein»
zigen Rivalen, die ihm noch leben. Aber Olaf der Heilige, Iesus selber,
verwehrt ihm — im Traum — abermals Rache und Zugriff. Das ist der

^ Im Kunstwart ist im September 1922 eine längere Probe aus dem Buch

erschienen, noch bevor es gedruckt wurde.
 
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