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Kunstwart und Kulturwart — 38,1.1924-1925

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Heft 4 (Januarheft 1925)
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Vom Heute fürs Morgen
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Sprechsaal
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https://doi.org/10.11588/diglit.14441#0223

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phik steckt. „W a s" er schasft, ist nicht
mehr entscheidend — er schafft. Vor
nicht langer Zeit war (Lberz in Italien.
In dem Italien, das mit patinierter
Kulturlandschaft, mit nordenfremder
Farbenglut, mit der Geometrik seines
Bautums heute unsere Künstler wie-
der stärker lockt als je. Eine größere
Anzahl von Aquarellen hat er heim-
gebracht, von denen unsere farbige Bei-
lage eines wiedergibt. Da ist nichts
Abbildung; alles aber schwingt von
einem starken Gefühl zaubervoller
Wirklichkeit, wie sie sich dem fessellos
Schauenden offenbart. Farben schwin-
gen ineinander, Menschwesen gleiten
dahin in dem unheimlichen „Rhyth-
mus" des Gebäus, eine unentrinnbare
Linienführung bändigt das entbunden
Wallende, das verschwimmen will, und
leitet den Blick sicher zum Kern. Das
kleine Werk hat Hunderte von unzu--
länglichen Vorgängern — in unserer
Mappe „Von Brueghel zu Rousseau"
ist etliches davon! —, an ihm aber
wird nun klar, welchem Werkthp
eigentlich die traum-erschließende Auf-
fassung des Irdischen hinstrebt. Eine
zweite, farblose Beilage, die wir geben,
zeigt ein früheres Werk von Eberz.
Ich kann es nicht betrachten, ohne an
— künstlerisch gestaltetes — Kino da-
bei zu denken. In solchem wandel-
barem, spukigem Raum muß irres Le-
ben wachsen, wuchern, in Katastrophen

und Verzückungen gipfeln. Magie des
Raums ist da, festgehalten aber nicht
nur mit bannender Phantasie, son-
dern auch hier schon mit der echten
Kraft, die Fläche und Kontur, sei sie
auch verschwimmend, meistert zum Ge-
bilde. Lin Holzschnitt von Eberz er-
scheint neben diesen Zeilen. Er be-
darf keiner Worte. Die heftige, doch
reine Sprache der Lkstase — Eberz'
Sprache ist immer rein, er verschließt
mit Strenge das Chaotische! — flammt
hier auf in einem lodernden Zug. Die
drei Abbildungen geben, wie ich hoffe,
Kennzeichnendes von dem Münchener
Künstler, dessen Schaffen nun mehr
schon als Hoffnung ist. Wir möchten
seinen Ramen den Freunden des
Kunstwarts nahebringen. Vielleicht
kann bald mehr von ihm gezeigt wer-
den. Der Kreis seiner Arbeiten ist
groß. Auch illustrative und freie Ra-
dierungen reinen Stils sind darunter;
doch halten wir Wiedergabe von sol-
chen nur in seltenen Ausnahmefällen
für angezeigt. — Es ist immer eine
frohe Stunde, wenn wir dem Meister-
lichen begegnen. Sie ist doppelt froh,
wenn sie nach langer Zeit der Hem-
mungen schlägt und wenn das Mei-
sterliche dem lebendigen Lage angehört.

Sch

Ein Büchlein über Eberz ist in
Klinkhardt und Biermanns Sammlung
„Iunge Kunst" erschienen.

Sprechsaal

„Heimatschutz und Bautätigkeit^

(Schluß)

Anpers in der unteren Zone! Da ist der alte tzeinmtschutz heut noch
so notwendig wie vor 20 Iahren. So lange ein vernünftiges und sachliches
Gestalten noch nicht wieder Gemeingut aller Baubeflissenen und tzandwerker
ist, so lange scheint mir eine Zensur im Bauwesen unvermeidlich.
In jenen Gebieten, wo sich künstlerische Kräfte überhaupt nicht betätigen,
sondern Anternehmer und Geschäftsleute die Bauten herstellen, die unsere
Städte- und Landesbilder bestimmen, können durch zensorische Tätigkeit
die ärgsten Äbel ferngehalten werden. Zugleich müß eine allgemeine Auf«
klärungsarbeit versuchen, auch bis in die kleinsten Orte hinein Verständnis
für den Gedanken der Neubauarbeit an unsrer tzeimat zu verbreiten.

Wer will nun verkennen, daß der immer wiederholte tzinweis auf das
Naheliegende und Bewährte in der bodenständigen und überlieferten Bau-
 
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