Die Kunstwelt: deutsche Zeitschrift für die bildende Kunst — 3.1913-1914

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Abb. I: THEATERBUEHNE DES KLUBHAUSES DER SHANSI-LEUTE IN TZE LIU TSING, PROVINZ SZECH'UAN

HINESISCHE ARCHITEKTUR.
VON GEH. OBERBAURAT F.

Es ist noch nicht lange her, daß die Bau-
kunst von China und Japan bei uns ein völlig
unbekanntes Gebiet war. Seitdem aber Japan
nach dem Russisch-Japanischen Kriege, durch
seinen berechtigten Eintritt in den Kreis der
Großmächte, dem Abendlande beträchtlich näher-
gerückt ist, und seitdem China durch seinen
plötzlichen Übergang zur republikanischen
Staatsform erneut die allgemeine Aufmerksamkeit
der Welt auf sich gezogen hat, da ist auch das
Interesse für die ostasiatische Baukunst bei uns
allgemeiner und reger geworden. Die allge-
meine Kunst Ostasiens, besonders Japans, hatte
schon seit geraumer Zeit bei uns zahlreiche, glü-
hende Verehrer gefunden. Der Unterzeichnete hatte
seinerzeit durch seine Veröffentlichungen über
das Japanische Haus und die Japanischen
Kult bauten,*) die Früchte seines fünfjährigen
Aufenthaltes im Lande der aufgehenden Sonne,
die Fachgenossen dazu anregen wollen, ihre
Aufmerksamkeit dem noch ganz unbebauten
Felde der Architektur Ostasiens zuzuwenden,
auf dem, nach der Veröffentlichung (1897)

*) F. Baltzer, das japanische Haus 1903; derselbe: Die Architektur
der Kultbauten Japans, 1907. Verlag von Ernst & Sohn Berlin.

H. Hildebrand's über den Tempel Ta-chüeh-
sy bei Peking, noch manche wertvolle Schätze
zu heben sein mußten. Wie sehr sich in-
zwischen das allgemeine Interesse an der ost-
asiatischen Baukunst gesteigert hat, beweist unter
Anderem die wertvolle Schrift des Geh. Bau-
rats Professor F. Laske, über den „ostasiatischen
Einfluß auf die Baukunst des Abendlandes, vor-
nehmlich Deutschlands, im 18. Jahrhundert,"
(Ernst & Sohn, Berlin 1909) und die interessante
Studie von Regierungsbaumeister Mahlke über
chinesische Dachformen (Neuer Versuch zur
Widerlegung der Zeltheorie) in der Zeitschrift
für Bauwesen 1912, S. 399 und 545, beide
Werke mit guten Abbildungen, besonders das
letztere mit zahlreichen Abbildungen chinesischer
Bauten. Eine wie reiche Ernte aber, inbesondere
auf chinesischem Gebiete der sachkundigen
Bearbeitung harrte, zeigte die Ausstellung von
Zeichnungen und Photographien chinesischer
Baukunst, die Regierungsbaumeister Ernst
Boerschmann im vorigen Sommer im Königl.
Kunstgewerbemuseum zu Berlin zur Genugtuung
aller Freunde ostasiatischer Kunst veranstalten
konnte. Der Genannte hatte sich im Auftrage
des deutschen Reiches in den Jahren von 1906
bis 1909 in China ausschließlich mit dem
Studium der chinesischen Baukunst beschäftigt
und zu diesem Zwecke, wohlausgerüstet mi

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